wie. – Dass doch alle Rechtsfreunde oder Rechtsfeinde (wie heissen diese Herren eigentlich?) nur langsam sterben möchten, um desto mehr Zeit und Raum zu haben, mit ihrem Gewissen abzuschliessen! – Wird ihnen doch selbst dieser Abschluss baar und richtig bezahlt! Auch wolle der geneigte Leser und die geneigte Leserin unschwer bemerken, dass eigentlich ein Kloster ein F r ä u l e i n zur F r a u machen könne, ohne dass sie aufhört, F r ä u l e i n zu bleiben. Es leben die Klöster und ihre Attestate! und der L a c k ! denn an dem unsrigen war er nicht gespart. Und was fehlte noch diesem gefundenen Schatze, den der Gräber desselben, wiewohl erst nach ausgestellter l e g a l e r Q u i t t u n g , aushändigte? – Was noch fehlte? Z u e r s t sollte diese Quittung gerichtlich recognoscirt werden. Selten ist eine Krankheit, wo der Doktor nicht einen Barbier anbringen kann; eine Hand wäscht die andere. – Z w e i t e n s fehlte der Beweis, dass unser Findling der wirkliche eheliche Sohn aus dieser Klosterehe sei. Hierüber hatte sich der Rechtsfreund, ohne seinem Gewissen auf tausend Meilen zu nahe zu kommen, eidlich, und abermals gegen die Gebühr, abhören lassen; indess fand man, wo nicht nötig, so doch nützlich (da die Gerichte, wie es heisst, eben der Gebühren halber alles dreidoppelt bewiesen haben wollen), dass d r i t t e n s auch die Schrift der fräulein Cousine recognoscirt werden möchte. Undedenklich! – Die Ritterin recognoscirte diese Cousinenhand mit Freuden, und alles war froh, dass ein fräulein, wenn es eine schöne Enkelin hätte, noch nach dem Ableben eine Frau werden könnte, ihrer Fräuleinehre undeschadet. Unser Held hatte sich den Offizier zu seinem Freunde gemacht, der, ob er gleich nicht jener Cavalier war, welcher mit der nur drei Tage in der Nachbarschaft gebliebenen Undekannten im Beisein der Kammerzofe drei Viertelstunden conversirt hatte, doch etwas Wichtiges vorstellte. – Er erblickte unvermutet beim Schlafengehen ein Kreuz auf seiner Brust, welches der Kreuzträger, sobald der Held sein Auge darauf heften wollte, mit erstaunlicher Sorgfalt verbarg. – Vielleicht, um seine Neugierde zu reizen? – Vielleicht, vielleicht auch nicht! Ohne sich mit ihm ins Kreuz einzulassen, brachte der Hauptmann ihm doch in der Quer eine grosse Meinung von der
§. 66.
Freimaurerei
bei, und nahm es über sich, ihn in – als Aspiranten in die Rolle einzeichnen zu lassen, wodurch er edle Zeit gewänne; ja wohl, edle Zeit, da in der L o g e z u m h o h e n L i c h t , die in – l e u c h t e t e , niemand auf- und angenommen würde, der nicht zuvor drei Jahre (eine strenge Loge!) auf der Exspectanten-Liste gestanden hätte. Warum so
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lange,
da strenge Herren bekanntlich nicht lange regieren? Weil man jedes Mitglied verpflichtet, während dieser drei Jahre, so viel an ihm ist, den Aspiranten zu erspähen, und weil jeder Aspirant von dem Augenblicke an, da er eingezeichnet zu werden das Glück hat, einen Genius erhält, den er so wenig, wie Sokrates seinen Dämon, sieht. – Und dieser Genius? – ist sein Schatten, oder er der seinige, wie man will. – Und der Auftrag dieser moralischen Mouche? – über Schritt und Tritt des Aspiranten zu wachen und darüber zu ob und um wie viel die Wartezeit verkürzt werde. – Also doch verkürzt? – Nach Umständen. – O die allerliebsten Umstände! dachte' ich es doch gleich, dass aus drei Jahren, wiewohl nach Umständen, auch drei Tage werden können. Fürs erste riet der Hauptmann ihm an:
1) es sich fest einzuprägen, dass alle Menschen frei und gleich geboren würden. Diese Lehre ist das Fundament der Maurerei und die beiden Grundpfeiler der Menschen- und Brüderliebe.
2) Diese Gleichheit und diese Freiheit werden so wenig durch Staatsverhältnisse gehoben, dass sie dieselben vielmehr bestätigen. Man kann im Namen der Gleichheit morden und im Namen der Freiheit vergiften; die Bilder der Freiheit und Gleichheit dienen oft den Tyrannen zur Parole, und zum Schild und zur Losung bei der Fahne des Verderbens. Kann sich der Jude nicht ein Scheermesser, der Taube eine Nachtigall, der Blinde ein Gemälde von Tizian und der Wassersüchtige einen grossen Garten anlegen? – Da sich bei jeder Gährung Bodensatz findet, so ist jede Revolution gefährlich, und oft lenken verschlagene Köpfe das leichtgläubige Volk in noch grösseres Elend. – allmählich kommt die natur zum Ziel, und diess ist auch der eigentliche gang der Menschheit. Die bürgerliche Gesellschaft ist eine Societät, woran tote, Lebende und Werdende teil haben; sie gibt dem Menschengeschlecht die Unsterblichkeit, und durch sie sind wir ewig! Sobald wir in eine bürgerliche Gesellschaft treten, hören wir auf, frei und gleich zu sein; allein wir werden es auf der andern Seite weit mehr und weit erhabener. Ein grösseres Mass von Kraft Leibes und der Seele beim Individuum macht Unterschiede unter den Menschen; und wenn gleich diese U n t e r s c h i e d e , wie es am Tage ist, einen gewissen Seelenluxus und ein leibliches Wohlleben, einen leiblichen Luxus bewirken, so dienen s i e doch auch