Gräfin v. **, die an sich eine stolze, übermütige Dame war, nicht umhin zu wünschen, sie möchte das Schoosshündchen kennen lernen, welches hier ruhen würde. Die Sechswöchnerin sah sich einer Notlügenverlegenheit ausgesetzt, und gab diess Unwesen für Spielzeug ihres jüngsten Sohnes aus, der indess, als er es nur betasten wollte, sehr ernstlich von diesem Noli me tangere abgewiesen ward. natürlich stand der Name B a n i s e obenan, und commandirte die sechs anderen, welche dem fräulein sonst beigelegt werden sollten. Die Gräfin, die noch vor der heiligen Taufe diesen Umstand erfuhr oder erfahren musste, weil sie sich darnach erkundigte, liess des Namens B a n i s e halber, da er i h r e m Namen vorzutreten die Dreistigkeit hatte, ihrer Spottlaune noch mehr freien Lauf; und da sie es nicht wagen wollte, sich nach der Ursache dieses wildfremden Namens zu erkundigen (den sie aus dem B l i t z -, D o n n e r u n d H a g e l r o m a n vorteilhafter zu kennen gelegenheit nehmen können, falls dieser Roman damals schon existirt hätte), so ersah sie sich (nach Art des Unwillens, der immer unruhig einen Gegenstand sucht, auf den er seine Pfeile schiessen kann) den fürstlichen Sitz zum Ziel. – Die vornehmste und kleinste Taufzeugin trat mit dem Geistlichen zu gleicher Zeit ins Zimmer. Der Baronin, die sich durch die Stachelreden der Gräfin bis jetzt nicht im mindesten hatte verstimmen lassen, fiel die Figur der Fürstin nicht wenig auf. ihr Durchlaucht erschienen nicht en parure, sondern in Krönungspracht; die Königin E l i s a b e t h hätte ihr an Ziererei weichen müssen. Es war ohnehin die erste Dame von den Fingerlein, welche die Baronin jemals sah. – Der Reifrock war erschrecklich, und der ganze Anputz kam der aufgeweckten Wöchnerin so abenteuerlich vor, dass sie Mühe hatte, ernstaft zu bleiben. Das Derrière des Dames, worauf jeder, der den Putz versteht, am meisten zu sehen pflegt, schien völlig verfehlt, und schon eine Provinziale (welches die Baronin doch nicht im eigentlichen Sinne war, da sie die Ehre hatte, den Hof von Zeit zu Zeit zu sehen und sich von ihm sehen zu lassen) hätte alle die possierlich angebrachten Arabesken, Guirlanden und Devisen auf den ersten blick als Grammatikalfehler des Putzes entdecken müssen. Der Taufaktus begann, und Se. Wohlehrwürden hielten eine lange Rede. Während derselben geruhten ihr Durchlaucht Sich auf das Taufbecken zu erheben, worin, wohl zu merken, noch kein wasser war. Die Baronin, die bis jetzt ihr lachen, wiewohl nicht ohne saure Mühe, verbissen hatte, konnte es jetzt, da es an die Tauffragen ging, nicht länger überwinden. Die Fürstin würgte ihr Ja so sein heraus, dass sich alles umsah, als wäre ein Kätzchen so dreist, eine christliche Handlung stören zu wollen. Besonders fiel diess Katzen-Ja der Sechswöchnerin auf, als es die Frage, galt: E n t s a g s t du dem Teufel und allen seinen Werken und allem seinem Wesen? – Denn die Fürstin legte einen so besonderen Accent auf dieses T e u f e l s - J a , dass die Wöchnerin, bei, aller Anstrengung sich zurückzuhalten, nicht länger in die Faust, sondern laut auflachen musste; und diess hörte die Fürstin so klar und deutlich, dass sie sich nicht entbrechen konnte, der Frau Gevatterin einen strafenden blick zuzuwerfen, der indess, wie es in dergleichen Fällen oft zu geschehen pflegt, die besondere wirkung hatte, dass die Baronin noch herzlicher und lauter lachen musste. Sobald das Taufwasser im Bekken war, und während der fragen und Antworten, hatte die Fürstin sich auf die Perücke des wohlehrwürdigen Taufredners gesetzt. Dieser ärgerte sich gewaltiglich, dass so viel Puder auf sein Kleid und sogar in das Taufwasser fiel; und da er aus blossem, unverständigem Widerwillen seine Perücke gleichsam abstrafen und sie ihre Unart fühlen lassen wollte, indem er sie nicht eben säuberlich zurechtsetzte, so wären ihr Durchlaucht bei einem Haare ins wasser gefallen – das, bei aller seiner Weihe und Heiligkeit, Höchstdenenselben doch an Leib und Leben hätte gefährlich werden können, wie denn ihr Durchlaucht wohl am wenigsten in dieser Kleiderpracht aufgelegt schienen, das Lauchstädter Bad zu brauchen. – Der bestellte Name B a n i s e war nicht im stand, die Fürstin für alles diess Herzeleid zu entschädigen; vielmehr schied sie – nachdem die Gräfin sich wegen des Namens B a n i s e verblümt, und wegen des fürstlichen Sitzes schier öffentlich, in fürstlicher Gegenwart lustig gemacht, der Pfarrer den Küster wegen des seiner Perücke übermässig gegebenen Puders ausgescholten, eine zweite Dame sich nach dem feinen Echo, das bei dem Tauf-Ja sich hören lassen, erkundigt, eine dritte, um sich bei der Gräfin beliebt zu machen, den fürstlichen Sitz auf einen Finger genommen und ihn leichter als einen Ball in die Höhe geschleudert hatte – voller Unwillen von hinnen. Freilich wäre schon e i n e dieser Anzüglichkeiten hinreichend gewesen, ein anderes fürstliches Blut in Wallung zu bringen; indess hatte unsere Fürstin so viele Zurückhaltung, dass sie sich damit begnügte, an der tür der Sechswöchnerin mit zwei Fingern der rechten Hand, nämlich dem Zeige- und Mittelfinger, zu drohen, welches der armen Baronin einen nicht geringen Schreck zuzog, so dass sie von diesem Drohaugenblick an äusserst missmutig und