auseinander. – Dass die Grossmeisterin und die andern agirenden Personen nur ein ausführliches Scenarium vor sich hatten und in vielen Stellen improvisirten – darf ich das bemerken? Auch dass es wörtlich vorgeschriebene Scenen gegeben, versteht sich von selbst. Gleich den ersten Tag wurden Ritter und Ritterin aufgenommen, am dritten Tage unser Held. Nie schied die Nachbarschaft mit so vielen wechselseitigen Dank- und Erkenntlichkeitsbezeugungen von einander.
§. 65.
Wer da?
Der Junker, der, je länger je mehr über die dreiviertelstündige Unterredung beruhigt, überall die Undekannte sah, horchte voll Neugierde auf; und siehe da! ein Offizier, der nichts weiter verlangte als ein Attest, dass seine Braut die Enkelin von dem fräulein Cousine wäre. – Die Enkelin von einem fräulein? – Lieber Gott! erwiderte der sonst dienstfertige Ritter, wie soll ich die Richtigkeit der Enkelin beurkunden, da ich nicht weiss, dass das selige fräulein Sohn oder Tochter gehabt hat? – Hier zu land, Herr Hauptmann, ist es nicht in Gebrauch, dass fräulein Kinder me von dieser allgemeinen F r ä u l e i n r e g e l . Die Ritterin konnte dieses moralische Rätsel, das sie verzweifelt nannte, eben so wenig lösen; und allerdings musst' es ihr unerklärlich vorkommen, wie fräulein Cousine eine solche Heuchlerin sein können. Kann etwas Aergeres, sagte der Pastor, auf Gottes Erbboden sein, als dass ein sonst regelmässiges fräulein Mutter wird, ohne priesterliche Einsegnung? – – Ist davon die Frage? erwiderte der Offizier. – Ich dächte! erwiderte der Prediger; und der Hauptmann: bin i c h nicht der Frager? – Das Rätsel! Die wohlselige Cousine, deren Fräuleinschaft der G e w i s s e n s r a t h und der R e c h t s f r e u n d Hand in Hand mit Brief und Siegel nach ihrem Hintritt corroborirten, liess ihr Vermögen, wie wir aus ziemlich richtigen Angaben schon wissen, ihrem fünfundvierzigjährigen Sohne nach, der einen Meierhof besass und nicht ohne Kenntnisse war. Er hatte ein armes fräulein geheiratet (wahrlich ein besonderes Schicksal für die fräulein! sagte der Pastor), das, von aller Welt verlassen, nichts weiter als sechzehn Ahnen einbrachte, an die indess nie anders als an hohen Festtagen, wenn ein Glas Most das Herz der glücklichen Eheleute erwärmte, gedacht ward. Beide pflegten alsdann über ihre wunderbare Weihnachten zu lachen, er ein Findling; sie ein sechzehn Ahnen reiches fräulein! Der Pfarrer des Ortes und der Küster hatten etwas von diesem Meierhofsgeheimnisse erfahren. Die Erbschaft vom Freitischfräulein war nicht undeträchtlich! Der Sohn erbte das Kapital, von dem die Mutter bloss Zinsen und wegen Sicherheit des Kapitals nur sehr mässige Zinsen zog. Bei dieser Erbschaft fiel dem Sohne auch eine Handbibliotek, und in derselben eine nicht kleine Anzahl G e b e t - und G e s a n g b ü c h e r zu. – – In einem derselben fand er Hieroglyphen von Anzeigen, die den Gedanken in ihm erregten, dem Rechtsfreunde ein baares und richtiges Geschenk auf gute Manier beizubringen, falls er sich entschliessen wollte, gegen diese Valuta ihm das Rätsel zu lösen. Nie indess würde' es der Sohn auf diese Lösung ausgesetzt haben, wenn seine Gattin es nicht mit Händeringen gewollt hätte. – Wie denn so? Wollte das brave Weib nicht länger die Gattin eines Findlings sein, durch den sie dreimal sieben Jahre glücklich gewesen war? – Sie hatten eine Tochter, die in der benachbarten Stadt in einigen ritterlichen Uebungen unterrichtet ward; und – wie es bei diesen Uebungen nicht ungewöhnlich ist – der Offizier des gegenwärtigen Paragraphen verliebte sich in sie. Seine Verwandten bestanden auf sechzehn Ahnen; und da er selbst als Johanniterritter eingeschrieben war – wesshalb sollten seine Kinder dieser Ehre ohne Not verlustig gehen? – Es beugte ihn keine Wechselschuld und er brauchte keine zusammengetragenen Schätze einer Ameise. Freilich in der ersten Hitze gab Monsieur Egalité den ganzen Orden gegen das Linsengericht einer Sinnlichkeit auf, und das Evangelium der Gleichheit war die vernünftige lautere Milch, bei der er es sich im Kanaan der Liebe, wo Milch und Honig fleusst, wohl sein liess. Doch wusste sein Elternpaar, besonders die vernünftige Mutter, die Freiheitsmütze ihres Sohnes Egalité so unvermerkt wieder in einen Soldatenhut zu verwandeln, dass er zur Besinnung kam. War bei diesen Umständen der Brautmutter das Händeringen zu verargen, ihr, der das fräulein noch immer im Blute sass? – Und der Brautvater? – Besser, lieber Leser, du fragst zuerst nach der Brautgrossmutter! – Freilich, die Grossmutter! – Der Rechtsfreund, der nach gehöriger Vorstellung des Findlings versicherte, dass er sich Gewissens halber verpflichtet gehalten, nicht mit diesem Geheimnisse aus der Welt zu scheiden, und dass er eben (sonderbar!) in diesem Augenblicke dieses b a a r e n u n d r i c h t i g e n B e s u c h e s von Gewissens wegen den Entschluss gefasst, sein Herz zu erleichtern, nahm indess, seines von Gewissens wegen gefassten Entschlusses ungeachtet, die positiven Beweggründe mit Dank an, und beichtete nunmehr, dass Herr von ** mit fräulein Cousine wirklich im Kloster zu – ehelich verbunden worden wäre, worüber er das Attestat in Händen hätte. Wie gut war es, dass unser Rechtsfreund nicht lebendig gegen Himmel geholt oder plötzlich zur Hölle gefahren war; der Hauptmann wäre sonst um diess Attestat gekommen, ohne zu wissen,