nicht bedürfen, um zur Weltkenntniss zu gelangen; Licht- und Lebensköpfe, die zu Heerführern, zu Meistern berufen sind, welche die natur berechtigte, der Landstrasse auszuweichen; – Menschen, die sich Richtsteige brechen und Wege erfinden; – Seelen, die, indem sie lernen, schon lehren, wenn andere, welche durch Wege und Umwege eines lange genossenen Unterrichts zum Lehrstuhle gekommen, andern doch wenig oder nichts beizubringen im stand sind.
"Ihr haltet eine Lobrede, und ich verlange ungekünstelte Wahrheit."
Gibt es nicht Lob, das auch vor dem strengsten Richterstuhle des Gewissens, selbst im Sterben, das Siegel der Wahrheit trägt und verdient?
"Was will Euer Lehrling bei uns, wo er lernen muss, wenn er schon jene so seltene Lehrgabe besitzt, die nur wenigen gegeben wird?"
Nicht kaufen will er, sondern tauschen. Sein Plan ist, uns zu benutzen, indem er uns nützlich wird. Er will mit der Linken geben, ohne dass die Rechte es weiss, und mit der Rechten nehmen, ohne dass die Linke es als Bezahlung ansieht; – er will rescontriren.
"Wird er halten, was Ihr versprecht?"
Ich stehe für ihn.
"Wir ehren Eure Bürgschaft. Was habt Ihr aber für Gegensicherheit genommen?"
Seinen guten Ruf, sein edles Herz, seine Geburt, seine Eltern, sein ganzes Aeussere. Haben Menschen andere Bürgschaften? Steht nicht oft der auswendige Mensch für den inneren, der sinnliche für den intellectuellen? Wahrlich! der Geist hält seltener Wort, als der Leib, wenn von wechselseitiger Bürgschaft die Rede ist. Zwar trügt die Physiognomie zuweilen; hält sie aber nicht noch öfter Wort? Seht! er hat eine der glücklichsten, die man sehen kann.
"Hat er Zutrauen zu uns, und wird er mit uns sympatisiren? Werden wir auf einander wirken und gegenwirken können?"
Sicher! sonst litt' er die Decke nicht, die ihn verhüllet.
"Und was glaubt er zu finden?"
Nicht Menschen, die es ergriffen hätten, doch die ihm nachjagen, ob sie es auch ergreifen würden.
"Was hat ihm diese gute Meinung beigebracht? – Menschen sind wie Bäume; aus ihren Früchten muss man sie erkennen. Kann man auch Feigen lesen von den Dornen, und Trauben von den Disteln?"
Sollt' er seinen Eltern und denen nicht trauen, deren Herzen sich noch näher sind als ihre Besitzungen? – Nur die Zeit bringt Rosen. – Zwar ist das Leben kurz; doch langsam reifen die Früchte des Guten. Unreife, zu frühzeitige Früchte brachten in der moralischen Welt von jeher den unwiederbringlichsten Schaden. Eva wollte erkenntnis des Guten und Bösen so leicht erlangen, als einen Apfel essen, und verlor das Paradies, das wegen dieser Vorschnelligkeit nicht anders als durch den langsamen Weg der Tugend zurück zu bringen ist.
"Ist dem also, was verlohnt es, dass der Mensch den rauhen Weg zum Guten antritt?"
Ist es nicht besser, den Garten anzulegen, den Baum zu pflanzen, als unter dem Schatten eines wohltätigen Baumes sich hinzustrecken und geradezu in Eden eingeführt zu werden? Hätten Adam und Eva das Paradies allmählich gepflanzt, sie wären nicht gefallen. – Damit die Menschen die Erde zum Paradiese machen möchten, wurden Adam und Eva nackt, bloss und arm in sie hineingestossen. – In eben den Zustand, in welchem wir auf die Welt kommen, sahen Adam und Eva sich versetzt und zu diesem Kinderspiele verurteilt! – Tiere arbeiten ohne Rücksicht auf ihre Gattung; wir für das Menschenall. – So wie jene mit Adam und Eva aus dem Paradiese, oder mit der Familie Noahs aus dem Kasten gingen, so sind sie auch noch leib- und seelhaftig; allein der Mensch – was ist aus i h m nicht geworden! – was wird aus i h m nicht noch werden! – Der Mensch wirkt auf die Menschheit, und die Menschheit wirkt zurück auf den einzelnen Menschen. Von sich selbst denke der Mensch so klein, von der menschlichen natur so gross als möglich! – Das Gute, das w i r tun, lebt v o n n u n a n bis in Ewigkeit. – Halleluja!
"Der Tod soll hinfort darüber nicht herrschen, Halleluja."
Halleluja.
"Was der M e n s c h vermag, kann er nur durch die Anstrengung seiner Kräfte erfahren; was die M e n s c h h e i t vermag, wer hat diess Ziel gemessen? Arcane und heimliche Mittel sind verdächtig; Verschwiegenheit ist für jeden Mann, für jedes Weib nötig, welche die Ehre haben wollen, Mann und Weib zu sein."
Wahrlich, eine grosse Ehre!
"Viele Menschen sind durch Reden unglücklich geworden; durch Schweigen wird es niemand. – Will man jemand um Verzeihung bitten, ihn bewundern – ehren, lieben, verachten, ihm vergeben, – wie weit stehen Worte dem Schweigen nach! – Die grösste Beredsamkeit besteht in der Kunst, zu schweigen. Schweigen ist ein moralisches Universale, alles zu erlangen, was man sich vorsetzt. – Ich will schweigen, um alles zu sagen." – – – E i n e S t i l l e .
Verschwiegene Grossmeisterin, dieser Jüngling fühlt die Erhabenheit unseres Ordens in Eurer Rede und in Eurem Schweigen; er will Würdigung der menschlichen natur und Würdigung seiner selbst lernen; er will durch Schweigen an sich selbst arbeiten, seine Anlagen