d i e g o l d e n e B u l l e und d i e B u l l e in coena domini fallen?
Damit indess niemand wähne, dass ich über den aufsteigenden Vater den absteigenden
§. 58.
Sohn
aus dem gesicht verloren habe, so will ich den Inhalt eines Gespräches mitteilen, welches mein Held und Heraldicus junior, der Held des Junkers, mit einander hielten. Den Dialog wird man mir hoffentlich gern schenken. – Die Geburt sollte von nichts ausschliessen, was die Menschen unter sich als Vorzug und Ehre angenommen haben, obgleich heutzutage niemand ein blosses Kind der natur, sondern jeder auch ein Kind des Staates ist. Entweder müsste Verstand oder Tugend, oder beides in der Welt persönliche Vorrechte beilegen; oder es müssten alle Vorrechte vom Erdboden vertilgt werden. Durch Vorzüge, welche ich durch die Geburt erhalte, lebe nicht ich, sondern mein Vater, meine Mutter lebt in mir. Realitäten werden uns freilich durch die Staatsklassen nicht entzogen: Sonne, Mond und Sterne, Fische im Meer, Vögel in der Luft machen unter adlich und unadlich keinen Unterschied; die Fliege setzt sich so gut auf edle, der vernünftige Mann nicht auch ohne Band und Stern überall der erste, wann und wo er es sein will? Nur selten wird er es wollen. Die Imagination ist die Schutzpatronin der Stände; sie macht, sie erhält sie. Beim persönlichen Adel, den auch der Bettler in seiner Gewalt hat, findet sie weniger ihre Rechnung; sie adelt erblich, wenn gleich Absalon, der Sohn des Mannes nach dem Herzen Gottes, an einer Eiche hangen blieb, und die Kinder edler Leute selten geraten; – wenn gleich die Kinder der Reichen nicht besser einschlagen, und nicht selten an Eichen hangen bleiben. Ein edler, persönlich geadelter Mann – wird er bloss dem Allgemeinen dienen, und sich selbst über das Allgemeine vergessen? Jeder ist sich selbst der Nächste, und ausser ihm selbst sind es seine Kinder und seine Verwandten. Der Papst, der von Gott und Rechtswegen nicht Kinder haben kann, hat Nepoten. Der Beruf des Menschen zum Reichtum ist so natürlich, dass schon mehr Kraft in den Lenden, in Armen und Beinen den reichen Mann macht. Die Kraft in Verstand und Willen (diesen Lenden, Armen und Beinen der Seele) tut es dessgleichen. Durch geistige und leibliche Kräfte werden Geld und Gut bewirkt, und so entsteht der Erbadel, man weiss nicht wie. D a s A k k e r g e s e t z und die A u f h e b u n g d e r I n t e stat- und Testamentserbschaft – würde sie nicht den schönen Zusammenhang der Privat- und öffentlichen Tugenden stören und alles schwächen, was Menschen edel und gut, oder nur leidlich und erträglich zu machen im stand ist? Auf redlich selbst erworbenes Eigentum hat der Staat, wenn er gerecht sein will – und wehe ihm, wenn er es nicht ist! – keinen Anspruch. – So lange der Reichgewordene lebt? – Auch nach seinem tod; wem kommt es wohl natürlicher zu, als seinen Kindern? und wieviel Triebfedern würden wir lähmen, falls der Staat hier als Universalerbe eintreten wollte, und wenn die Rechte über Eigentum geschmälert würden! – Freiheit ohne Eigentum ist tönend Erz und klingende Schelle. In Barbarei würden wir sinken, ohne dass je Hoffnung wäre, die Menschen noch so weit zu bringen, als sie schon gebracht sind, falls Eigentum seinen Wert, den man Kraft und Stärke nennen kann, verlöre. Ist der Erbabel ein Uebel, so ist er fast ein notwendiges. – Der erste ist nicht immer der beste. Doch würde er es in der Regel sein, wenn man aufhörte, Adelsbriefe feil zu halten. Sich den Adel k a u f e n , ist fast eben so viel, als wenn man einen Unschuldigen hängen oder ins Zuchtaus setzen wollte. – Wie denn das? – Adel ist die einzige Belohnung, die der Staat hat, soll er denn n u r strafen? – Ei! Aemter und Würden? – Sind das Belohnungen? Man geht beim amt so in die Lehre, wie bei einem Handwerk, wird so examinirt, macht so ein Meisterstück, wie beim Handwerk; kurz es ist eben so, wie beim M e i s t e r und B ü r g e r : – man lernt im amt dem amt gewachsen sein. Wen würdest du in Nordamerika aufsuchen? Franklin und Washington? Und wenn der letztere, so wie der erstere, nicht mehr im land der Lebendigen ist, wirst du nicht nach ihren Kindern fragen? werden dich nicht schon die Namen W a s h i n g t o n und F r a n k l i n interessiren? Schon der Vorname deiner Geliebten, deines Weibes, deiner Schwester hat eine magnetische Kraft. – – Ein grosses Vorbild fordert zu ähnlicher Grösse auf. Wie die Alten sungen, versuchen es die Jungen. – Und wenn Verstand und Tugend persönlich adeln – wer sollen die Herren im Obervernunfts- und Tugendcollegio sein, die das persönliche Adelsdiplom erteilen? Wissen wir denn nichts wie es in Wahlkönigreichen, wie es mit Papstwahlen, mit Parlamentswahlen und mit allen Wahlen geht? – Wird das Geld nicht in seine jetzigen Rechte treten, und wo nicht mehr, doch eben so stark tyrannisiren, wie jetzt? – Alles abgewogen, ist es so