Frau Kirchenpatronin gebetet hatte. Eines Morgens erschien ein Abgeordneter, welcher der Baronin eine baldige glückliche Entbindung wünschte, und es nicht etwa bloss fallen liess, sondern pünktlich den Antrag tat, dass eine Dame fürstlichen Standes bei der Taufe zu Gevatter gebeten werden möchte. – Dieses Verlangen kam der armen Dame so unerwartet, dass sie, bei der grossen Verlegenheit, in welche sie fiel, sich nicht anders zu helfen wusste, als dass sie sich zu ihrer Erklärung drei Tage Befristung erbat, um während dieser Zeit dem Herrn Gemahl darüber Vortrag tun und gemeinschaftlich mit ihm einen Entschluss fassen zu können. Der Abgeordnete lächelte dienstfreundlich, als wollte er sagen: er wisse wohl, dass dieser Aufschub bloss zu einem Vorwande diene, indem es auch unter der Erde Sitte sei, dass nicht die Damen, sondern die Herren die Referendarien in Hausangelegenheiten wären. Bei dieser gelegenheit erfuhr die Baronin, dass das Kind, welches sie unter ihrem Herzen trug, ein fräulein sei; denn ihr Hochfürstliche Durchlaucht hoffte, dass man Ehre dem Ehre gebühre erweisen, und nach wohlhergebrachtem Gebrauch ihr, als der Vornehmsten in der Gesellschaft, aus christlicher Demut nachlassen würde, das neugeborne fräulein über der Taufe zu halten. Bloss die Angst, die bei diesem Umstande am höchsten stieg, hielt die gute Baronin zurück, laut zu lachen. Das kleinste Menschenkind, dachte sie, ist ein Riese gegen ihr Hochfürstliche Durchlaucht; und es war in der Tat ein Glück für die gute Dame, dass sie so dachte, und dass die Angst dem lachen den Weg vertrat; denn ganz ohne alle Veranlassung fing jetzt der Abgeordnete an, die Hauptstücke des christlichen Glaubens zu beten, und sang darauf den Glauben so wörtlich und treu, dass wenn hier nicht die Frömmigkeit, wie vorher die Angst (ist der Unterschied unter beiden gross?) bei der Baronin ins Mittel getreten wäre, und das Lächeln über den possierlichen seinen Ton des Gesandten verhindert hätte, es ihr völlig unmöglich gewesen wäre, sich zurück zu halten. – Die Baronin wollte bemerkt haben, dass der Tit. Herr Abgeordnete die Bitte: F ü h r e u n s n i c h t i n V e r s u c h u n g , mit Tränen in den Augen gebetet hätte; und so schied denn unser katechismusfestes Fingerlein von dannen. Er sang den Tenor. – Den dritten Tag verfehlte er nicht, zu rechter Zeit und Stunde sich einzufinden, um die Antwort zu erfahren; und da die gnädige Frau bereits in der Dämmerung des ersten Fristtages diese Sache mit dem Herrn Gemahl, der alles, wie natürlich, der Frau Gemahlin anheimstellte, rechtskräftig abgeredet hatte: so erhielt der Herr Abgeordnete, der schon wegen seiner ersten vorläufigen, wiewohl nicht hoffnungslosen Antwort mit einem Orden verziert worden war, dessen Stern einem Fixstern ähnlich blitzte, ein volles Ja. – – Beiläufig ward jetzt noch die Etikette verabredet.
ihr Hochfürstliche Durchlaucht, sagte der Herr Ritter, verlangten gar nicht eingeladen zu werden, da die Posten in der Unterwelt sehr unrichtig gingen und alles durch Gesandte und Couriere abgemacht würde. Höchstdieselben würden Sich von Selbst zu rechter früher Tageszeit einstellen; indess müsste Ihnen eine Art von Tronhimmel mit Purpur beschlagen (wozu der Herr Abgeordnete die Zeichnung überlieferte, die vom Oberbaudepartement entworfen war) nahe am Wochenbett errichtet werden. Uebrigens würde sie, wie der Ritter es nannte, nur beitreten, und beifassen, so dass immer eine andere Dame das Kind vor der sichtbaren Welt halten könnte. Endlich würde sie der Frau Baronin eine besondere Wochenvisite nicht entziehen. Bei der Taufhandlung selbst wollte sie im strengsten Incognito sein; das heisst: das Elternpaar sollte sich mit keiner Sylbe zu ihr wenden, obgleich die ihr zukommende körperliche Verbeugung (wiewohl unvermerkt) nicht erlassen ward. Das Kind sollte B a n i s e heissen. "Banise?" B a n i s e , erwiderte der besternte Abgeordnete, und fügte mit anständigem Ernste hinzu: Wie ich sage, B a n i s e . – Gern hätte die Baronin diesen Namen verbeten; da indess alle Punkte und Klauseln bereits bewilligt waren, so konnte freilich der Banisische keinen Anstand veranlassen. Nach vielem Hin- und Her-, Vor- und Nachdenken erinnerte sich unser freiherrliches Ehepaar des Umstandes, dass die Gemahlin des Adam Sem Ham Japhet den Gesandten des Fluchs mit einer Patenstelle bestechen wollte, der er aber, ob sie gleich sich gar höflich seinen Vornamen erbat, mit einer Art von Verachtung auswich; und so war die Vermutung nicht unrichtig, dass jener Vorfall gelegenheit zu dem gegenwärtigen gegeben, der immer mitlaufen können, wenn nur der verwünschte Name B a n i s e nicht das Spiel verdorben hätte. Nie war die Wöchnerin, die sonst immer schwere Geburten gehabt, so leicht abgekommen. Die weise Frau bediente sich des merkwürdigen Ausdrucks, sie nähme diessmal das Honorarium mit Sünden; und der Baron, der, er wusste selbst nicht warum, sich eine Tochter gewünscht hatte, war vor Freuden ausser sich. – Die vornehmsten Personen der Gegend wurden zu Taufzeugen erkoren, und als der Tauftag erschien, der unsichtbaren Fürstin ihr besonderer Sitz nach der eingehändigten Zeichnung des Oberbaudepartements hingestellt. Dieser Sitz gehörte, wenn gleich eine unsichtbare person ihm die Ehre erweisen wollte, ihn einzunehmen, doch zu den sichtbaren Dingen, und war so wenig das vornehmste darunter, dass vielmehr dessen Possierlichkeit einem jeden, der Autorität des Oberbaudepartements ungeachtet, auffiel. Besonders konnte die