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Herrn Blanchards Himmelfart sehen wollte. – Was sollte man also tun!

Von der ganzen Gesellschaft war unstreitig der Pastor Schottenius der Vernünftigste. Er merkte bald, dass dem Übel durch einen Aderlass, den der Herr Amtmann seinem Geldbeutel verordnen würde, abgeholfen werden konnte. Es bedurfte nicht viel Feinheit, um die Gauner-Familie zu bewegen, hierzu die hände zu bieten. Mit einer Anweisung auf dreissig Reichstaler, die Herr Lauenstein, welcher den Beamten kannte, bezahlte, wurde die Sache ins Reine gebracht; unsre Freunde reisten ab, verschworen sich, ihr Lebenlang an Hildesheim zu denken, und kamen bald ohne weitern Unfall in Peina an.

Viertes Capitel

begebenheiten in Peina; Tisch-gespräche; Kuchen,

in des Pastors Unsterblichkeit gehüllt; Die

Gesellschaft trennt sich.

Wir sehen es denen Damen und Herrn an, welche dieses unser, wie wir uns schmeicheln, sehr unterhaltende Werk lesen, dass sie, bei der Überschrift dieses Capitels, über die Tisch-gespräche die Köpfe schütteln. Sie mögten die Reisenden nun gern sogleich weiter fortgeschafft wissen, in der hoffnung, dass es da wieder allerlei lustige Abenteuer absetzen würde; die gespräche hingegen werden ihnen, wie sie fürchten, Langeweile machen. Allein Sie irren Sich gewaltig, wenn Sie glauben, dass wir, der Autor, uns darum bekümmern werden. Das müsste doch wahrlich mit andern Dingen zugehn, wenn man uns vorschreiben dürfte, auf welche Weise wir unsre geschichte erzählen sollten, und wenn es uns verwehrt sein dürfte, auch einmal unsre Personen mit einander über Gegenstände raisonniren zu lassen, über welche wir unsre Meinung zu sagen einen Trieb fühlen. Ist doch das die einzige schickliche gelegenheit, die wir in diesem buch finden können, unsre philosophischen und andern wissenschaftlichen Kenntnisse, die, ohne uns zu rühmen, nicht zu verachten sind, auszukramen!

Diesmal aber ist der Autor sehr unschuldig daran, dass seine Reisende sich so lange in Peina aufhalten. Der Zufluss von Fremden, die aus allen Gegenden zu der blanchardschen Hannswursterei nach Braunschweig reisten, war so unbeschreiblich gross, dass nicht jedermann sogleich Postpferde erhalten konnte. Unsre Freunde aus Biesterberg waren unter der Anzahl Derer, die sich mussten vertrösten lassen, bis ein Paar Gespanne zurückgekommen sein würdenBei solchen Gelegenheiten pflegen denn auch vornehme Herrschaften schneller bedient zu werden, obgleich sie gewöhnlich nicht besser bezahlen, wie AndreSie konnten noch von Glücke sagen; Ein Holländer, der viel Meilen Weges deswegen gereist war, musste sich gefallen lassen, statt des Herrn Blanchards Bekanntschaft, mit der des Herrn Postmeisters in Peina vorlieb zu nehmen; ihnen hingegen versprach man doch, sie zur rechten Zeit nach Braunschweig zu liefern. Und da sie nun einmal ein Paar Stunden in Peina aushalten müssen und sie da in einer grossen Gesellschaft von andern Reisenden an der Mittags-Tafel sitzen, muss ich doch entweder erzählen, was sie gegessen, oder was sie gesprochen haben. Das Erste würde sehr kurz zusammen zu fassen sein, wie Jeder weiss, der einmal im Postause in Peina getafelt hat; folglich, es hilft nichts davor, werde ich nicht umhinkönnen, mit den Tisch-Gesprächen aufzuwarten.

Des Herrn Amtmanns respectabler Bauch und sein mit Gold eingefasster blauer Rock hatten ihm, vermöge einer stillschweigenden Convention, den obersten Platz am Tische verschafft; Musjö Valentin liess sich gleich neben ihm nieder, band die Serviette um den Hals und grinzte freundlich in die Suppen-Schale. Dem Vater zur andern Seite sass, in sehr zierlicher Reise-Kleidung, ein Mann mit einer ProtectionsMine, den unsre Freunde so obenhin für einen Regierungs–, Hof- oder Cammerrat hielten. Hier neben nahm der Förster Platz; dann der Pastor. Mit cavaliersmässigem, leichten Anstande warf sich dann ein junger Herr auf den nächsten Stuhl, trillerte, mezza voce, das Fragment eines kleinen Liedes, und rümpfte die Nase über die, wie es schien, ihm zu gemeine Kost. Der Rest der Gesellschaft bestand aus unbedeutenden Personen, die kein Wort redeten, als wenn sie Wein forderten und sich durch nichts, als ihren vortreflichen Apetit bemerklich machten.

Der Amtmann: "Nach Ihnen, mein hochgeehrtester Herr!"

Der wichtige Mann: "Ohne Umstände! Ich bin nicht für Complimente. Apropos! wie fällt in ihren Gegenden die Erndte aus? Sie haben wohl selbst Landhaushalt?"

Der Amtmann: "Ich habe die Ehre als Amtmann in Seiner **** Diensten zu stehen und habe eine grosse Pachtung. Ei nun! mit der diesjährigen Erndte ist es –"

Der wichtige Mann: "Grosse Pachtung? Das höre ich immer ungern. Freilich werdet Ihr Herren reich dabeilauter kleine Fürsten! Aber das Land, das Land!"

Der junge Herr: (zu dem Pastor) "Wie heisst der beste, grosse Gastof in Braunschweig?"

Pastor: "Excusiren Sie! Ich kann nicht dienen. Es ist das erstemal, dass ich mit den –"

Förster: "Ich logiere mant immer im goldnen Engel; Da ist gute Wartung für Menschen und Vieh."

Einer von den Andern: "Meine Herrn! ich nehme mir die Ehre, auf gutes Wohlsein!"

Alle: "Danke ergebenst! Obligirt! Gleichfalls!"

Der wichtige Mann: "Bei unserm Collegio sind wir jetzt darüber aus, die Ämter zu vereinzeln und die Ländereien an Bauern auszutun. Wir sehen den Nutzen davon ein; Wir wollen den Profit mehrern Familien gönnen; Wir haben darüber jetzt gewisse Grundsätze angenommen, wobei unser Land besser