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Perioden im menschlichen Leben, wo das ganze Heer der bösen, höllischen Geister mit vollen Backen alle Gewitter-Wolken des Schicksals zusammen zu blasen scheint, um dem Lieblinge des himmels auf der Reise durch diese Welt den Mut zu benehmen. – Diese Allegorie gefällt mir ungemein; ich wollte, ich hätte sie nicht hierher geschrieben, so könnte ich sie einem unsrer neuen Trauerspiel-Fabricanten verkaufen, denen es oft so schwer zu werden scheint, eine Sprache zu führen, die man nicht redet.

Schon das schien dem Amtmanne sehr verdächtig, dass ihm niemand in der Tür seines Hauses entgegen kam; alle Domestiken waren oben um die Frau gemahlin versammelt, deren heulende stimme, wie ein Nordwind bei Hagelwetter, durch die Luft tobte. Voll banger Ahndung schlich er die Treppe hinauf und liess seinen Eingebohrnen, den Liebling der Mutter, vorausschreiten. Allein wie erschrak er, als dieser sonst so geliebte Jüngling von der zürnenden Dame mit ungezählten Maulschellen empfangen wurde und dann eine ganze Legion von herben Schimpfreden auf Vater und Sohn losbrach! Seine Ohren hörten Dinge, worüber er den vereitelten Zweck seiner Reise, die Geld-Erpressungen des Herrn Stenge, den Diebstahl des Flötenspielers und den Mutwillen der helmstädtschen Gelehrten vergass. – Fassen wir uns, um die Sache im Zusammenhange vorzutragen!

Wir haben gehört, dass Musjö Valentin stets Abscheu gegen seine Verbindung mit der Jungfer Margareta Dornbusch bezeugt hatte. Dieser Wiederwillen lag weder in einer Kälte des Temperaments, noch in einer gewissen unerklärbaren Antipatienein! das zarte Herz des Jünglings war von andern sanften Banden gefesselt. Auf dem Amtshofe diente als Küchenmagd eine kleine, runde Anna Catrina, zum Unglück für des edlen Jünglings Freiheit, mit einem StumpfNäschen, ächt deutschen roten Haaren und zärtlichen, in's Grünliche spielenden Äuglein von der natur beschenkt. Sie sehen und sie lieben war bei Valentin, der damals kaum achtzehn Sommer durchschwitzt hatte, als sie in den Dienst tratsie sehen und sie lieben war eins. Nun! grausam war sie eben nicht und so fern von Ziererei, dass sie den blöden Schäfer sogar aufmunterte, seine dunkeln Gefühle zu berichtigen. Da sie aber einen Bruder hatte, welcher als Dragoner dem vaterland diente und über die Ehre seiner Schwester wachte; hatte sie Diesem die Zusage getan, dem Sohne des Herrn Amtmanns nicht eher den Minnesold zu geben, bis derselbe ihr ein bündig verfasstes EheVersprechen ausgefertigt haben würde. Dies wurde nun ohne Schwierigkeit erlangt; Von dieser Zeit an lebten sie in paradisischer Vertraulichkeit mit einander und niemand im haus ahndete etwas von ihrem Umgange. Ja! Anna Catarina hatte sogar bis zu dem letzten Augenblicke die äusserlich sichtbar werdenden Folgen dieses Bündnisses vor den Augen des neugierigen Publicums zu verbergen gewusst, um nachher mit desto grösserm Aufsehn hervorzutreten. Hierzu hatte sie den Zeitpunct der Reise ihres Geliebten nach Braunschweig genützt und Dienstags Abends um fünf Uhr einen gesunden kleinen Waumann zur Welt gebracht. Diese an sich sehr natürliche Begebenheit machte grosses Aufsehn im Amtause. Madam Waumann rennte, mit funkelnden Furien-Augen, in die Cammer der von ihrer Bürde entledigten Küchenmagd; allein da fand sie, als Wächter beim Wochenbette, den entschlossenen Kriegesmann stehen, welcher seine teure Schwester gegen alle Gewalttätigkeiten schützte und mit dem Ehe-Versprechen in der Hand, der Amtmanninn die Rechte der neuen Mutter, in die waumannsche Familie aufgenommen zu werden, demonstrirte. Die alte Dame stürzte wütend hinaus, berief dann ihr ganzes Haus zusammen, überschüttete Jeden einzeln mit Vorwürfen, und in diesem Augenblicke erschienen Vater und Sohn vor ihrem Angesichte.

Nachdem der erste Ungestüm vorüber war, wurde beschlossen, sich mit dem Dragoner in Tractaten einzulassen; Man bot ihm eine ansehnliche Summe Geldes; aber priesterliche Trauung war der einzige Schluss-Reim, der ihm zu entlocken war; und da der gewissenhafte junge Herr, mit Tränen in den Augen, erklärte, er werde nie ablassen von seiner Anna Catarina, sah der Herr Amtmann wohl ein, dass man der eisernen notwendigkeit nachgeben müsste.

Im grund liess sich hier nicht viel von Missheirat reden; Einer ähnlichen Begebenheit hatte Valentin sein Dasein zu danken; Madam Waumann diente einst als Garderoben-Mädchen auf dem adlichen Gute, wo der Herr Amtmann Verwalter war. – Also kurz! denn wir eilen nun zum Schlusse: Sobald Ehren Schottenius nach Biesterberg zurückkam, wurden Hochzeit und Kindtaufe gefeiert. Der junge Herr Waumann nahm die ihm von seinem Vater abgetretene Pachtung an und lebt jetzt mit seiner Frau, welche die Haushaltung recht gut versteht, vergnügt und glücklich; die Frau Amtmanninn ist versöhnt und hat noch im vorigen Jahre bei ihren Kindern Gevatterinn Stelle vertreten.

Der alte Dornbusch ist Besitzer eines hübschen Guts, das er gekauft hat und findet Geschmack an Garten-Anlagen, wozu ihm sein Bruder allerlei HolzArten liefert. Von Zeit zu Zeit kommt der Hauptmann Previllier mit seiner schönen gattin, die ihm frohe Tage macht, von Gosslar nach Biesterberg. Der Pastor Schottenius hat einige hoffnung, dass mein Herr Verleger in der nächsten Messe die Herausgabe seiner sechs und funfzig Predigten besorgen wird. Von den Schicksalen der übrigen Neben-Personen haben wir nichts weiter in Erfahrung bringen können. Die Haupt-Lehre aber, die man aus diesem Werklein ziehen mag, sei die: dass wenn ein Autor nur Leute findet, die ein solches Buch verlegen und lesen wollen, er leicht mit der Beschreibung einer dreitägigen Reise sechzehn gedruckte Bogen anfüllen kann.

Fussnoten

1 Eine Stelle aus dem Duodrama Medea. 2 Hier ist ein Anachronismus; ich weiss es