, sich gewaltig froh bezeugte, dieser Heirat aus dem Wege zu kommen; wurde endlich sein Vater ganz beruhigt und stattete dem hochverehrten Brautpaare seine gehorsamste Gratulation ab.
Nun wurden die nötigen Verabredungen, sowohl wegen der Rückreise, als wegen der künftigen Einrichtungen genommen. Herr Waumann hatte Pferde bestellt, um früh Morgens um vier Uhr nach Biesterberg zurückzukehren; Die übrige Gesellschaft aber hielt es für anständig, erst auf einige Tage nach Gosslar zu fahren, um dort, wo Meta künftig, so lange die Werbung dauerte, mit ihrem Gatten wohnen sollte, den bösen Leuten das Maul über ihre Flucht zu stopfen. Dann aber sollte die Hochzeit in des ehrlichen Försters Heimat gefeiert werden. Der alte Dornbusch liess sich den Plan gefallen, ein zwei Meilen von Biesterberg gelegenes adeliches Gut zu kaufen und den Rest seines Lebens in der Nähe seines Bruders hinzubringen. Der Amtmann unternahm es, den Handel zu schliessen und rechnete dabei auf ein Paar Procentchen. Nach diesen Verabredungen schied die Gesellschaft aus einander und empfahl sich gegenseitig bis auf Wiedersehn.
Es war nahe an drei Uhr nach Mitternacht, als die beiden mutwilligen jungen Gelehrten vom Balle nach haus kamen; sie waren, wie der Amtmann, im goldnen Engel abgetreten. Nun schien es ihnen nicht mehr der Mühe wert, sich zu Bette zu legen; folglich beschlossen sie, den Morgen bei einer Pfeife Tabac zu erwarten.
Schon fiengen Langeweile und Müdigkeit an, sie diesen Vorsatz bereuen zu lassen, als ein Postknecht mit vier Pferden, bestimmt, die beiden Waumänner in der schönen Amtskutsche bis Peina zu führen, mehr Lebhaftigkeit in das Haus brachte. Er stiess in sein Horn; Hausknecht und Mägde kamen nach und nach auf die Beine; der Amtmann wurde geweckt; das Feuer zum Caffee angelegt; die Kutsche hervorgeholt und geschmiert. Dann stieg der Wagenmeister zu dem Herrn Amtmann hinauf, liess sich das Geld bezahlen und sagte, als er fortging, zum Postillon: "Es ist alles richtig gemacht."
"Ich habe einen närrischen Einfall, Bruder Klingelzieher!" sprach der Student. "Der Postknecht weiss nicht, wen er fahren soll; Wie wäre es, wenn wir, statt des Amtmanns, einstiegen?"
Gedacht; getan! Die Kutsche stand angespannt vor der Tür; der Koffer war aufgebunden; Herr Waumann und sein Erbe beschäftigten sich noch in ihrem abgelegenen Zimmer mit dem Frühstücke; da kamen die beiden Genies, in ihre Überröcke eingehüllt, schnell aus der Tür des goldnen Engels getreten und stiegen ein: "Fahr zu, Schwager!" riefen sie. Fort rasselte der alte Reisekasten, ehe jemand im haus etwas davon gewahr wurde.
Als der Postillon vor das Petri Tor kam, liess er seine Pferde noch eine kleine Strecke lang einen schnellen Trott laufen; dann hielt er sie zum Schritte an, holte seine Pfeife aus der tasche hervor, und indem er sie stopfte und sorglos vor sich hinsah, öfneten die jungen Herrn leise eine Kutschen-Tür, stiegen aus, sprangen, ohne von ihm bemerkt zu werden, in einen Garten und liessen das Fuhrwerk leer weiter fahren.
"Jetzt wird es wohl Zeit sein, mein Söhnchen!" sagte der Amtmann, bezahlte seine Zeche und schritt die Treppe hinab. "Wo ist denn unsre Kutsche?" fragte er den Hausknecht. Der Hausknecht wusste keinen Bescheid zu geben; niemand wusste zu sagen, was mit dem Fuhrwerke vorgegangen wäre. Endlich, nach vielfachen Erkundigungen, erfuhr man, diese Equipage sei mit zwei Herrn besetzt, längst schon aus dem Tore gefahren. – "So ist es doch, als wenn mir auf dieser unglücklichen Reise alles verkehrt gehen soll!" rief der Amtmann aus, nahm einen kleinen ofnen Wagen von der Post und fuhr nach.
Sechzehntes Capitel
Rückkunft nach Biesterberg. Hochzeiten und
Kindtaufe. Schluss dieser geschichte.
Der Postillon fuhr mit seiner leeren Kutsche unbekümmert auf dem Wege nach Vechelde und weiter fort. Die Stille, welche in derselben herrschte, schrieb er auf Rechnung des Schlafs, wozu vermutlich die frühe Tagszeit die Herrn würde eingeladen haben. So kam er nach Peina und hielt vor dem Postause still; Der Aufwärter, welcher den Wagen kannte, öfnete den Schlag: "Wo ist denn der Herr Amtmann?" fragte er. "Is he nich drinn?" erwiderte der Postillon, "so hät en de Düwel hahlt; denn innestegen is he, self Ander; dat heb eck seien." 6Was war zu tun? Fort war er!
Nach Peina hatte der Herr Amtmann seine eignen Pferde bestellt, um ihn da abzuholen; der Kutscher stand eben vor der Tür und nichts glich seiner Bestürzung, als man weder Vater noch Sohn im Wagen fand. Wohl eine Stunde verging unter Beratschlagungen was anzufangen sein mögte, um die Verlohrnen wiederzufinden, und endlich war der Kutscher im Begriff, sich zu Pferde zu setzen und sie auf der braunschweigschen Strasse zu suchen, als die beiden Herrn in ihrem offnen Wägelchen angefahren kamen.
Nicht in der angenehmsten Laune nahm nun der Amtmann seine weitre Reise nach haus vor und ziemlich entschlossen, dass es vorerst die letzte sein sollte, wozu er sich bereden lassen würde. – Doch welchen Verdruss vergisst man nicht in den Armen einer zärtlichen gattin? Eine liebevolle Bewillkommung von der Frau Amtmanninn, mehr bedurfte der gute Herr nicht, um wieder froh zu werden. –
"Nur Einen Druck der Hand; nur sanfte Blicke!"
Aber auch dieser Trost sollte ihm diesmal versagt werden. Es gibt