1792_Knigge_063_43.txt

, zur grössten Verwundrung, unsrer Freunde, von einer Menge Stimmen laut die Worte erschallten: "Guten Abend, Herr Amtmann Waumann! Guten Abend!" Wie dies zuging, soll jetzt erzählt werden; ich bilde mir etwas darauf ein, dass keiner meiner hochgeehrtesten Leser es erraten kann.

Die beiden jungen schönen Geister, welche die Gesellschaft aus dem Prinzen Eugen verleitet hatten, die Mascarade zu besuchen, hofften christlich, diese Menschen sollten durch ihre alberne Verkleidung so viel Aufsehn erregen, dass sie preisgemacht würden; allein es fiel anders aus, – niemand bekümmerte sich um die geschmacklosen Masken. Um nun ihres Zwecks nicht zu verfehlen, nahmen sie zu andern losen Streichen ihre Zuflucht. Der Licentiat Bocksleder war so enge in seine Beelzebubs-Haut eingezwängt, dass er, bei dem Gedränge der grossen Menge Leute, beinahe ohnmächtig wurde, ehe die Gesellschaft zweimal den Saal auf- und abspatziert war. Der Student schlug ihm daher vor, in ein Nebenzimmer zu gehen, wo Punsch geschenkt wurde; Er tat es, seine Familie ging mit ihm; der Student hatte sich mit einem Manna-Tränklein versehn, welches er ihm auf listige Weise mit dem Punsch eingab; Wir hoffen, es soll ihm nicht übel bekommen, finden aber für gut, ihn zu verlassen, ehe die Arzenei anfängt zu würken. Vermutlich wird er, nicht mit den angenehmsten Empfindungen, nach haus geschlichen und am folgenden Tage nach Schöppenstädt zurückgereist sein. Musjö Valentin war bald des verabredeten Schleppträger-Amts müde; Er fing also an, auf seine eigne Hand im saal umherzuwandeln; Nun hatte denn der Dichter Klingelzieher den Herrn Amtmann allein an seiner Seite und um sich für die Langeweile bezahlt zu machen, welche ihm diese Gesellschaft verursachte, führte er ein Schelmenstück aus, worauf er sich vorbereitet hatte. Er heftete nämlich ein Blatt Papier an den rücken seines gefährten, worauf mit grossen Buchstaben geschrieben stand: "Guten Abend, Herr Amtmann Waumann!" Es war natürlich, dass Die, welche unmittelbar hinter ihnen standen und gingen, diese Worte laut herlasen. Anfangs nun, als der gute Amtmann seinen Namen nennen hörte, wunderte es ihn zwar, woher es käme, dass man ihn hier erkannte; doch glaubte er den guten Abend erwiedern zu müssen. Allein kaum drehte er sich um "einen schönen guten Abend!" zurückzugeben; so erschallte nun von der andern Seite das: "Guten Abend, Herr Amtmann!" Bald war ein grosser Cirkel von Kindern und Spassvögeln um ihn versammelt; Herr Klingelzieher hatte sich unsichtbar gemacht und in dem Augenblicke der grössten Verlegenheit, worinn der Amtmann fortgetrieben von einem Haufen guten Abend wünschender Leute sich befand, kam er an den Platz, wo Margareta, der Hauptmann Previllier und der alte Dornbusch standen. Sobald Diese sahen, worauf es ankam, näherten sie sich ihm, rissen ihm den Zettel ab, gaben sich zu erkennen und baten ihn, mit ihnen nach haus zu fahren. Der junge Herr wurde aufgesucht; man verliess die Mascarade und begab sich in den hôtel d'Angleterre, wo sie den Pastor und den Förster antrafen.

Funfzehntes Capitel

Abreise von Braunschweig. Neue Irrung, die bei

dieser gelegenheit vorgeht.

Wir trauen es dem feinen Geschmacke der Leser dieses Werks zu, dass sie gewiss die Kunst werden bewundert haben, mit welcher der Autor alle Haupt-Personen seines Drama, gleichsam zum fünften Act, in Braunschweig zusammenzuführen gewusst hat. Jetzt scheint nichts zu fehlen, als dass der Hauptmann Previllier mit seiner Meta Hochzeit mache; Ehren Schottenius könnte die Trauung verrichten und bei dieser gelegenheit seine acht und funfzigste Rede halten und der Dichter Klingelzieher allenfalls für die Gebühr ein Carmen darauf verfertigen; die Waumanns-Familie aber liesse man mit langer Nase abziehn. Allein da erhalten wir, zu unserm grossen Schrecken, so eben einen Brief von dem Herrn Verleger, worinn derselbe meldet, es komme diejenige Bogenzahl beim Drucke nicht heraus, für welche er das Honorarium vorgeschossen, so dass uns dies in die notwendigkeit setzt, entweder einen teil des Geldes wiederherauszugeben, oder aber noch einmal sorgfältig unsre gesammelten Documente und Nachrichten durchzublättern, um zu sehen, ob sich darin nicht noch Stof zu einigen Seiten findet. – Und siehe da! uns ist geholfen. Wir dürfen nur ein Paar kleine Anecdoten aus der geschichte des Amtmanns und seines Sohnes, die grade in diesen Zeitpunct fallen, mit hier anreihen, wodurch zugleich den sonderbaren begebenheiten, welche diesen Personen auf ihrer Reise begegnet sind, die Crone aufgesetzt wird.

Von den übrigen Personen haben wir wenig mehr zu sagen; Dass Margarete sich ganz gewaltig darüber freute, ihren Vater lebendig vor sich zu sehen; dass Dieser in ihre Verbindung mit dem Hauptmanne einwilligte; dass der Förster froh war, die Sache eine so gute Wendung nehmen zu sehen, und dass der Herr Pastor Gottes reichen Segen und alles erspriessliche Wohlergehn dazu wünschte; das versteht sich nun wohl von selber. Der Herr Amtmann Waumann hingegen schien das Ding Anfangs ein wenig krumm nehmen zu wollen, besonders als er etwas von den ostindischen Geldern witterte, die das Jüngferchen einst erben würde; Indessen sah er bald ein, dass in via juris die Sache gegen Vater und Tochter nicht würde durchzusetzen sein. Gern hätte er sich nun wenigstens ein rundes Sümmchen Schmerzen-Geld bezahlen lassen; aber der Pastor redete ihm liebreich zu, diesen Wunsch nicht einmal laut zu eröfnen. Da übrigens Herr Valentin, aus Ursachen, die sich noch in diesem buch entwickeln werden