wurde, der Tabac auch schon längst verbraucht war, fühlte unser Kutscher nicht länger Beruf, den fremden Gast bei der Bagage zu dulden, sondern zwang ihn, abzusteigen. Der Bettler fand sich christlich in sein Schicksal; bevor er aber seinen Weg zu Fuss fortsetzte, lagerte er sich in das Gras hin, zog ein Stück schwarzes Brod und einen Käse aus seinem Sacke und hielt ofne Tafel, unter Gottes freiem Himmel. vornehme Leute pflegen schnell zu essen, ohne Zweifel, weil sie mit ihren, dem Besten der Menschheit gewidmeten Stunden sparsam umgehen; – (Wir selbst, der Autor, haben uns gewöhnt, sehr geschwind zu speisen; vermutlich aus Begierde, vornehm zu tun, welche Begierde uns der berühmte Professor Tölpelius Hoffmann kürzlich abgelauert hat; Man lese das dritte Stück seiner wohl geschriebnen Zeitschrift.) – Gemeine Menschen hingegen nehmen sich gewöhnlich alle Musse zu diesem Geschäfte – das ist ja auch der einzige Genuss, bei welchem es ihnen vergönnt ist, die schweren Mühseligkeiten ihres Lebens zu vergessen. Der Bettler speiste noch, als die vier Fremden an diesen Platz kamen; Sie fragten also auch ihn, ob er kein weibliches geschöpf hier wahrgenommen hätte und erfuhren, dass Margareta zu der alten Dame in die Kutsche gestiegen und mit ihr auf dem Wege nach Braunschweig fortgefahren wäre. Jetzt wurde Anstalt zum Nachsetzen gemacht; allein durch die Langsamkeit der Postknechte verging noch so viel Zeit, dass das Frauenzimmer-Fuhrwerk nun einen Vorsprung von wenigstens einer Stunde gewonnen hatte. Da es jedoch mit den drei Pferden gar nicht schnell ging; so würden die vier Herren sie gewiss eingehohlt haben, hätte nicht, wie im vorigen Capitel ist erzählt worden, das alte fräulein, von der Strasse ab, den Weg nach dem dorf zu genommen, wo sie bei dem Pastor Reimers das Nachtlager bestellt hatte. Des Sonntags trifft man wenig Leute im feld an; unsre Freunde konnten daher niemand finden, der ihnen über diesen Punct Aufklärung gegeben hätte; und als sie nun immer weiter fuhren und endlich ein Dorf erreichten, zeigte sich's, dass niemand eine solche Stifts-Damen-Kutsche wollte gesehen haben.
Verschwunden konnte sie indessen nicht sein; unsre Gesellschaft wusste, dass die Dame nach Braunschweig hatte reisen wollen: folglich schien es ihnen am zweckmässigsten, diesen Weg zu verfolgen.
Ich erzähle den Lesern nichts von den Gesprächen, welche die Herrn unterwegens führten. Der alte Dornbusch war ein zu verständiger Mann, um, wenn eine Sache nicht mehr zu ändern war, hintennach lange darüber zu moralisiren; er machte also seinem Bruder um so weniger Vorwürfe über sein Betragen gegen Margareten, da er die gute Absicht desselben, dem Mädchen einen reichen Mann zu geben, nicht miskennen konnte. Der Förster, von seiner Seite, war sehr zufrieden von der persönlichen Bekanntschaft des Hauptmanns, der Pastor aber konnte nicht ganz seine Neugier unterdrücken, etwas von den Familien-Umständen desselben zu erfahren, da denn der alte Dornbusch sich bewogen fand, die Haupt-Umstände aus den Papieren, welche ihm bei Führung des Processes in Paris zum Leitfaden gedient hatten, zu erzählen wie folget. –
Nein, meine hochgeehrtesten Leser! wir wollen es dabei bewenden lassen, die Episoden nehmen sonst kein Ende. Was kann Ihnen damit gedient sein, genauere Nachricht von dem Geschlechte der Previlliers zu erhalten? Sind doch die Leute sämtlich tod, deren Schicksale wir da erzählen müssten – bleiben wir bei den Lebendigen! Die einbrechende Nacht bewog die Reisenden, in einem einzeln gelegenen wirtshaus zu übernachten; am andern Tage kamen sie in Braunschweig an.
Das erste Geschäft des Hauptmanns wurde nun, zu erforschen, ob die Frauenzimmer gestern oder heute in das Tor einpassirt wären; allein wie konnte, bei der Menge von Equipagen, die jetzt ein- und ausfuhren, der wachtabende Officier davon Rechenschaft geben? Es wurde also in allen Wirtshäusern Nachfrage angestellt; allein auch da war kein Trost zu holen. – Der Abend kam heran, ohne dass man etwas von Margareten erfuhr.
Jetzt erst fiel es der Gesellschaft ein, dass der Amtmann Waumann nebst seinem Sohne vermutlich noch in Braunschweig sein müsste. Man wusste, dass er im goldnen Engel abgetreten war, ging dahin, erfuhr, dass er im Prinzen Eugen gespeist hatte, suchte ihn auch da auf und erhielt die Nachricht: er sei zur Mascarade gegangen. Sprechen musste man den Amtmann doch, um ihm von der veränderten Lage der Sache Nachricht zu geben; Es war zu vermuten, dass er vielleicht erst gegen Morgen zu haus kommen und dann gleich fortreisen würde; ein guter Genius gab daher dem Hauptmanne den Gedanken ein, einen Tabareau zu mieten, einen Augenblick auf den Ball zu gehen und Waumann, Vater und Sohn, dort aufzusuchen. – Der alte Dornbusch begleitete seinen Pflegesohn.
Hier war es nun, wo auf einmal, sehr unerwartet, Previllier seine Geliebte antraf und mit der Ausrufung: "Bei Gott! sie ist es" in seine arme schloss.
Eine Mascarade ist nicht der Ort zu zärtlichen Scenen von feinerer Art; Ohne daher sich die Zeit zu weitläuftigen Erläuterungen zu nehmen, ja! ohne einmal Margareten zu sagen, dass der Mann, welchen sie an der Seite ihres Freundes erblickte, ihr Vater wäre, bat Previllier sie nur, sogleich mit ihm das Getümmel zu verlassen. Jungfer Susanna hatte sich weislich im Gedränge verlohren, sobald der kapitän seine Meta erkannt hatte; und schon war man im Begriff, aus dem saal zu gehen, als