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Pfund lieber in baarem Gelde als in Banco-Noten haben wollen, wie Herr Samuel.

In England wird gar kein Knaster verkauft und doch will Herr Smit Knaster rauchen.

Mysore ist nie von einem Nabob regiert worden.

Dies alles soll nur beweisen, wie wenig dieser Schriftsteller an seinen Werken feilt; und hiervon zeugen noch andre Stellen. Der alte Smit klagt, die Frau habe ihm nicht einmal eine Kanne Porter geben wollen und doch verschenkt er nachher ein ganzes Fass voll starken Biers an den Bootsknecht.

Im ersten Auftritte teilt Herr Smit vier Segen aus; Im neunten Auftritte des zweiten Aufzuges abermals zwei; Im dreizehnten bittet Liddy um ein dito und erhält ihn von der Mutter; Im sechsten Auftritte des dritten Aufzugs segnet Kaberdar; Im vierzehnten segnet wiederum Herr Smit und im funfzehnten nochmals der Nabob Kaberdar. – Das sind viel christliche und heidnische Segen!"

Der alte Officier war in so gutem zug, seine dramaturgischen Kenntnisse auszukramen, dass er vermutlich noch in einer Stunde nicht würde aufgehört haben, wenn nicht Einer aus der Gesellschaft, dem diese Abhandlung vielleicht eben so viel Langeweile verursachte als meinen Lesern, die Bemerkung gemacht hätte, dass es wohl Zeit sein würde, sich zur Mascarade auszurüsten. Man nahm also Abschied von ihm, ging hinauf in des Licentiaten Zimmer, wo die bestellten Ball-Kleider in Bereitschaft lagen, steckte sich in dies abgeschmackte Costum, zur grossen Freude der beiden jungen Spottvögel, und ging dann in diesem Aufzuge mit einander zu fuss den Bohlweg hinauf, dem Opernhause zu.

Der Officier stand in der Tür des Gast-Zimmers, als sie die Treppe herunter kamen. "Aber, wie mögen Sie", sprach er, "Ihre Zeit mit einer so elenden Unterhaltung verderben? Was für Vergnügen kann ein verständiger Mann daran finden, sich in einem Gewühle von Menschen herumzutreiben, die, ausstaffirt, wie die Narren im Tollhause, sich zwecklos durch einander herumtreiben und drängen; wo eigentlich getanzt werden sollte, und doch niemand, der gern ohne blaue Flecke und Beulen nach haus gehen will, tanzen mag; wo man verkleidet hingeht, ohne sich seinen Bekannten unkenntlich zu machen, indess die Unbekannten sich, auch ohne Maske, fremd bleiben würden?"

Vermutlich würde der alte Critiker eine eben so lange Abhandlung über die Mascaraden, als über die Schauspiele, zu Tage gefördert haben, wenn nicht unsre Freunde die Unterredung kurz abgebrochen und ihren Weg fortgesetzt hätten. Sie schlichen sich daher vor ihm vorbei und gingen.

Zwölftes Capitel

Was der Herr Hauptmann Previllier dem alten

Dornbusch unterwegens erzählt. Zusammenkunft in

Steinbrüggen.

Dem Herrn Dornbusch kam die Entdeckung, dass seine Tochter und sein Bruder noch vor zwei Stunden mit ihm zugleich in Peina gewesen wären, wie ein Traum vor. Der Officier fing an, ihm das ganze Rätsel aufzulösen, sobald sie im Wagen sassen, und die Freude des alten Mannes, so gute Nachrichten von den Seinigen zu erhalten, war jetzt unbeschreiblich. Gern hätte Herr Previllier diese angenehmen Empfindungen in vollem Masse mit ihm geteilt, wenn nicht die Unruhe über den Verlust seiner Geliebten jeden fröhlichen Gedanken von ihm verscheucht hätte.

Doch, da der Förster und der geistliche Herr kaum vor andertalb Stunden erst mit dem jungen Frauenzimmer abgefahren waren, schien es mehr als wahrscheinlich, dass sie das Fuhrwerk noch disseits Gosslar einholen würden und dann hörte ja die Gewalt des Oheims über die Nichte auf und er konnte die Schöne aus der Hand ihres Vaters empfangen. Diese hoffnung erheiterte ihn wieder, und da sein Pflegevater nur kurze, summarische Nachrichten von seinen erlebten Schicksalen nach Ostindien bekommen hatte, vertrieb er, auf das Bitten des alten Herrn, ihm unterwegens die Zeit durch genauere Erzählung dieser begebenheiten, die wir denn auch den Lesern in seinen eignen Worten mitteilen wollen.

"Der redliche Consul, dem Sie mich anvertrauet hatten, handelte von dem Augenblicke an, da ich ihm war übergeben worden, wie ein leiblicher Vater an mir und mein Zutraun und meine Liebe zu ihm wuchsen mit jedem Tage. Er schwatzte nicht viel von zärtlichen Empfindungen und hatte überhaupt in seinem Äussern nicht jene unteutsche Geschmeidigkeit, wodurch Menschen von geringerm inneren Werte so gern die gute Meinung Derer, die sie fürchten, zu erschleichen pflegen; aber ächte Feinheit des Gefühls, die, bei reellen Veranlassungen, aus seinem wohlwollenden Herzen hervorblickte, tätige hülfe, ohne viel Wortprunk, vereinigt mit unbestochner Wahrheitsliebe und Würde des Characters waren die Grundzüge des seinigen. Sobald er mich nun ausgerüstet und meinetwegen Antwort von seinem Freunde, dem Obristen erhalten hatte, schickte er mich, begleitet von einem treuen Mohren, der sein Bedienter war, mit dem Postwagen nach ***. Daselbst trat ich in einem Gastofe ab, kleidete mich sauber an, steckte das Empfehlungsschreiben des Consuls in die tasche und wanderte hin zu meinem Obristen.

Ich muss, ehe ich in meiner Erzählung fortfahre, Ihnen hier ein schwaches Bild von diesem würdigen Kriegsmanne entwerfen. Er war in seinem äusseren Betragen rauh, doch von Herzen bieder, sprach sehr wenig, mehrenteils nur in abgebrochenen Sätzen; aber alles, was er sagte, hatte Kraft, Originalität und nicht selten einen Anstrich von eigentümlichem Witze. Jeden solchen Kernspruch pflegte er dann damit zu beschliessen, dass er ein Paar Noten hinterher sang: 'Ich bin', sprach er, 'nun einmal so; tüh – – – ; und wer mich so nicht leiden mag, der kann mich laufen lassen; – – – .' Nächst dem Soldaten schätzte