anders mit Musche Valentin vorhaben, so soll mein Vorschlag niks gelten, und wir bleiben doch mans gute Freunde." Allein der Herr Amtmann fand den Vorschlag sehr annehmlich, und der Handel war unter den Eltern bald geschlossen.
Während dieser Verabredungen kam im OsterFeste das junge Frauenzimmer zum Besuche nach Biesterberg. Jedermann fand sie verändert; Leib und Seele waren anders aufgestutzt; allein sie blieb noch immer das gute, unschuldige Mädchen; weiter als bis auf die Oberfläche hatte sich die Reform nicht erstreckt. Der Name Margareta klang ihr zu grob; sie hatte sich Meta getauft – der Förster schüttelte den Kopf. Sie beklagte in Elegien alle Hühner und Tauben, die geschlachtet wurden, obgleich sie tapfer davon mitspeiste, wenn sie auf den Tisch kamen. Doch diese und ähnliche kleine Torheiten abgerechnet, war sie, wie gesagt, gottlob! noch unverderbt, und Ehren Schottenius, dessen Gutmütigkeit und christliche Liebe grösser wie seine practische Menschenkenntniss waren, fand sogar: sie habe in Gosslar so etwas in ihrem Tun und Lassen angenommen, welches der angenehmen Gesichtsbildung, so der liebe Gott ihr gegeben, neue Annehmlichkeit verleihe, wofür man dem Schöpfer nicht genug danken könne. An dem Herrn Deckelschall und seiner Gattin lag es indessen nicht, dass es mit Kopf und Herz nicht ärger aussah.
Während ihrer Abwesenheit von Gosslar erhielt der Hauptmann einen Brief von seinem ehemaligen Pflegevater aus Paris und darin, doch nur mit kurzen Worten, die Nachricht, dass er so glücklich gewesen wäre, ihm zu dem Besitze eines ansehnlichen Vermögens zu verhelfen, und dass er ihn bald persönlich zu umarmen hoffte. Jetzt erst konnte Previllier ernstlich daran denken, sich eine Gehülfinn zu wählen; und er nahm sich vor, gleich nach Margaretens Zurückkunft, seinen förmlichen Antrag zu tun. Dies geschahe; das junge Mädchen fühlte in dem, was die Frauenzimmer ihr Herz zu nennen pflegen, und über dessen eigentlichen Sitz bei diesem Geschlechte die Weltweisen noch nicht ganz einig sind, Empfindungen, die dem wackern Officier das Wort redeten; und so sank sie denn schmachtend und schamhaft in seine arme. – Auch diese Scene müsste sich, in Kupfer gestochen, vortreflich ausnehmen; Es ist unbegreiflich, dass mein Herr Verleger in der Verstockteit seines Herzens dafür keinen Sinn hat; aber wir werden ihm kein Manuskript wieder geben, wenn er sich weigert, Bilderchen dazu verfertigen zu lassen. Und doch riskirt der Mann nichts bei unsern Schriften; Sie gehen reissend ab, weil sie lustig zu lesen sind, nicht viel Kopfbrechens kosten und nicht übermässig lehrreich sind. – Er ist ein ruinirter Mann, wenn wir ihm unsre Protection entziehen.
Der Hauptmann erbat sich nun von seiner Schönen die erlaubnis, auch bei dem Herrn Förster schriftlich die Bewerbung um ihre Hand anbringen zu dürfen, und sie wiedersetzte sich diesem Vorhaben um so weniger, da der Oheim ihr nie etwas von dem Plane, sie an den jungen Waumann zu verheiraten, eröfnet hatte. Allein der Erfolg fiel ganz anders aus, als man erwartete; Der alte Dornbusch konnte sich mit dem Gedanken nicht gemein machen, seine schöne hoffnung auf die Verwandschaft mit dem haus des Herrn Amtmanns aufzugeben, seine Nichte so weit von sich zu lassen und sie noch obendrein einem Kriegsmanne zu geben, der vielleicht heute oder morgen nach Croatien in Garnison, oder gar in's Feld ziehen müsste. Es erfolgten daher auf wiederholte Bittschreiben, wiederholte abschlägige Antworten; bald nachher das Verbot, den Werbe-Officier gar nicht mehr zu sehen, und endlich der Befehl, sich bereit zu halten, in wenigen Tagen nach Biesterberg abgeholt zu werden.
Nun qualificirte sich die Sache zu einer RomanScene, und es liess sich gar nicht mehr ändern, man musste Anstalt zur Entführung machen. Dennoch würde, wie man sicher behaupten darf, unser redlicher Previllier noch vorher einen gelindern Weg versucht, und mündlich den alten Förster zu überreden getrachtet haben; Allein er bekam grade zu der Zeit abermals einen Brief von seinem ostindischen Wohltäter, welcher ihm seine Ankunft in Teutschland meldete, und den Hauptmann bat, ihm einen Ort namhaft zu machen, wo sie sich zuerst sprechen könnten. Hierzu schlug Previllier Peina vor, und seine Absicht war, seinem zweiten Vater daselbst seine Geliebte zu zeigen, und ihn dann zu bereden, mit ihnen nach Biesterberg zu reisen, um dort alles anzuwenden, den Förster zu bereden. Die Anstalten zur Entweichung wurden mit nötiger Vorsicht gemacht; hätte man deren aber auch weniger angewendet; so würde doch das Pädagogen-Pärchen schwerlich der Flucht ein Hinderniss in den Weg gelegt haben, denn übertrieben ängstliche Aufsicht über die jungen Frauenzimmer war ihr Fehler nicht. übrigens wissen die Leser, was den beiden Liebenden in Peina wiederfuhr, und ich könnte nun getrost in der Erzählung dessen fortfahren, was der Jungfer Margareta begegnete, nachdem ihr Oheim sie auffieng, und mit Gewalt wieder nach Gosslar zurückbrachte; Allein ich muss mich erst einer Bemerkung über diesen ganzen Vorfall entledigen, und dann einige moralische Sätze aus dieser geschichte ziehen, zum Beweise, dass doch im grund kein Buch so geringe ist, in welchem nicht einiger Stoff zur Erbauung für lehrbegierige Leser zu finden wäre.
Die Bemerkung ist folgende: Hätten wir diese interessante geschichte gänzlich erfunden, oder, wie man zu sagen pflegt, aus den Fingern gesogen – gegen welchen Verdacht wir jedoch feierlich protestiren –, so würden wir vielleicht, zur Warnung und zur Lehre für andre, eben so romanhaft gestimmte Frauenzimmer, die person des Entführers, den Herrn Hauptmann Previllier, als