gleich willkommen.
Ich legte nun die mir von Deiner Mutter anvertraueten Schriften versiegelt in die hände unsers grossmütigen Wohltäters nieder, da ich noch kein Mittel vor mir sah, Gebrauch davon zu machen. Der redliche Consul reiste mit Dir ab, und ich, nachdem ich meine geringen Habseligkeiten verkauft hatte, blieb grade nur noch so lange, bis er mir meine Empfehlungsschreiben und einen Vorschuss von Reisegeld geschickt hatte, da ich dann nach Holland abging.
Der Gedanke, dass ich meine einzige Tochter nun vielleicht nie wiedersehn sollte, machte mir den Abschied von meinem vaterland schwerer, als ich bei dem ersten Vorschlage meines Freundes geglaubt hatte; Wenigstens wollte ich aber dem kind in der Folge die Unannehmlichkeit, für das Schicksal seines Vaters besorgt zu sein, und den Schmerz über eine so weite Entfernung von ihm, ersparen. Desfalls bat ich meinen Bruder, als ich ihm meinen Entschluss, nach Indien zu gehen, meldete, er mögte niemand hiervon etwas entdecken, sondern jedermann und selbst meiner kleinen Margareta sagen, ich sei gestorben. "Wenn mich", sprach ich zu mir selber, "die Vorsehung einst glücklich wieder aus jenem Weltteile zurückführt; wird die freudige Überraschung meiner Tochter, Den wieder zu sehen, der ihr das Leben gegeben hat, um desto grösser sein." Und diesen frohen Augenblick hoffe ich nun bald zu erleben.
Meine Reise nach Holland und von da nach Indien ging so glücklich als möglich von Statten, und die Empfehlungen meines redlichen Beschützers waren dort von solchem Gewichte, dass ich sogleich, als Aufseher über zwei Waaren-Lager, in Tätigkeit gesetzt und versorgt wurde. Meine Lage war also über Erwartung angenehm; das Clima hatte den wohltätigsten Einfluss auf meine Gesundheit; die Nachrichten, die ich durch den Consul von Deinem Schicksale erhielt, obgleich nur in allgemeinen Ausdrücken abgefasst, waren sehr erfreulich; auch mein Bruder meldete mir, dass die kleine Margareta ein gesundes, hübsches und gutes Mädchen sei – und so war ich dann zufrieden, heiter, und dankte dem gütigen Schöpfer in meinem Herzen.
Auf diese Weise verfloss mir eine lange Reihe von Jahren, ohne die geringste Wiederwärtigkeit. Unter den Kaufleuten, deren Geschäfte ich zu besorgen hatte, war vorzüglich Einer mir sehr gewogen, und vertrauete mir die wichtigsten Dinge an, nachdem ich mir bald eine Fertigkeit in dem Mechanischen dieser arbeiten und die nötigen Sprach-Kenntnisse erworben hatte. Endlich, als dieser gute Mann anfieng schwächlich zu werden, rief er mich einmal zu sich, und sagte mir ungefehr folgendes: "Sie haben mir bis jetzt so redlich und eifrig gedient, dass ich nicht ruhig würde sterben können, wenn ich nicht vorher Ihre Treue auf eine Weise belohnt hätte, die dem grossen Vermögen angemessen ist, das mir Gott gegeben und das er unter Ihren Händen hat gedeien lassen. Nun könnte ich Ihnen hier wohl zu einer reichen Frau verhelfen, oder Sie sonst ansässig machen; allein ich meine bemerkt zu haben, dass Sie nicht geneigt sind, Sich wieder zu verheiraten, und dass Sie Sich überhaupt nach Ihrem vaterland zurücksehnen. Diesen Wunsch zu befriedigen, dazu fordern mich Dankbarkeit und Freundschaft auf. Ungern trenne ich mich von Ihnen – Doch, meine irdische Laufbahn wird nun wohl bald vollendet sein. Und wäre das auch nicht, so würde ich mir's doch zum Verbrechen machen, wenn mir mein Privat-Vorteil näher am Herzen läge, als Ihre Glückseligkeit. Nehmen Sie daher diese Summe als ein freundschaftliches Geschenk an! Ich kann sie entbehren; sie ist mir eine Kleinigkeit, und Sie können in Teutschland damit viel ausrichten. Reisen Sie sobald dahin ab, als Sie es gut finden, nehmen meine besten Wünsche mit, und gedenken zuweilen eines Mannes, dem Sie, ausser den öconomischen Dienstleistungen, auch noch durch ihre Bekanntschaft den Vorteil gewährt haben, dass er nun eine bessere Meinung von dem Menschengeschlechte mit aus dieser Welt nimt, wie die war, welche ihm bis jetzt so manche traurige Erfahrungen eingeflösst hatten."
Ich erstarrte fast vor Überraschung, als ich die Papiere auseinanderschlug, die er mir eingehändigt hatte, und nun fand, dass es Banco-Noten, zwanzigtausend dukaten an Wert, waren. Meine Empfindungen der Dankbarkeit konnte ich nur unvollkommen ausdrücken; Der edle Greis verstand aber auch meine stumme Sprache, und fühlte sich vielleicht so glücklich, wie ich mich.
Vor zwei Jahren nun liess ich mich nach Holland einschiffen. Mit dem Briefe, den ich Dir damals schrieb, und in welchem ich Dir die Freude, Dich wieder zu sehen, zu erkennen gab, liess ich zugleich einen andern an unsern Consul, den ersten Schöpfer meines Glücks, abgehn. Ich gab ihm von allem Nachricht und bat ihn, mir sogleich das Paquet, welches Deine Forderungen in Frankreich betraf, nach Amsterdam zu schicken. Nur meinem Bruder meldete ich weder die Veränderung meiner Umstände, noch meine Rückkehr nach Europa; Ich wollte ihn auf angenehme Weise überraschen, und das ist auch noch mein Vorsatz.
Sobald ich in Amsterdam in dem Besitze Deiner Documente war, las ich alles sorgfältig durch, was Dein Vater aufgezeichnet hatte, und besann mich dann nicht lange, sondern reiste sogleich nach Paris. Ich will Dich nicht mit dem weitläuftigen Berichte von den Schwierigkeiten aufhalten, die ich dort fand, Deine gegründete Forderung in's Reine zu bringen; aus den Acten selbst wirst Du das sehen. – Genug! dass mich der Himmel das Glück hat erleben lassen, Dir ein Vermögen von wenigstens fünfzehntausend