gesehen. Da kamen Pferde und Wagen auf das Teater – Das war noch der Mühe wert."
Gelehrter: "O ja! so eine italienische Oper ist, wenn man die gesunde Menschen-Vernunft nur zu haus lässt, gar unterhaltend zu sehen. Wenn da die Capaunen auf Triumphwägen von Papp sitzen, in Reifröcken und seidenen Strümpfen aus der Schlacht kommen, mit ihren Stimmen durch die Nase, im schneidensten Discant Reden voll Heldenmut an die verkleideten Mousquetiers absingen, welche das römische oder griechische Heer vorstellen; Wenn die Opferpriester in Stiefeletten und Kleb-Locken Processionen anstellen, wobei sie Tritt halten wie auf der Parade, Mützen von Silberpapier auf den Köpfen und mit Goldschaum beschmierte hölzerne Opfer-Gefässe in den Händen tragen; Wenn Schlachten geliefert werden, in welchen Jeder nur auf sein eigenes Schild hauet und Mauern niedergerissen, die von Papier gemacht sind; Wenn der Drachen-Wagen, in dem Medea fährt, mit schwarzen Stricken am Himmel festgebunden ist und Apollo, wenn er auf dem bretternen Parnasse sitzt, mit seiner Flachs-Perücke den Staub von den gemalten Wolken abfegt – Ja! es ist wahr; das ist gross, herrlich, rührend. – Pfui! schämen sollten wir uns, dass wir ein ernstaftes Volk an den Anblick solcher kindischen Vorstellungen gewöhnen!"
Amtmann: "Ei, ei! man kann doch aber nicht auf dem Teater alles so –"
Gelehrter: "Was man nicht mit einiger Täuschung darstellen kann, das muss man lieber gar nicht, als auf so alberne Weise, darstellen. In einem Fingerhute kann man nicht baden und auf unsern armseligen kleinen Teatern kann man keine Schlachten liefern. Sie haben vermutlich meine neue Abhandlung über die ernstafte Oper gelesen?"
Amtmann: "Um Vergebung! darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe –"
Gelehrter: "Ich bin der Dichter Klingelzieher; Nun werden Sie schon wissen, wo Sie zu haus sind. Nicht wahr, das dachten Sie nicht, dass der Mann jetzt an Ihrer Seite sässe, der Ihnen vielleicht zuweilen mit seinen Liedern eine genussvolle Stunde gemacht hat? Es weiss auch noch niemand in Braunschweig, dass ich hier bin; ich bin eigentlich gekommen, um einmal mit den hiesigen Gelehrten eine Zusammenkunft zu halten."
Amtmann: – "Ich bin in der Tat sehr erfreuet, die Ehre zu haben – obgleich ich gestehn muss, dass ich bis jetzt noch nichts von dem, was aus Dero Feder geflossen –"
Gelehrter: (verächtlich) "Der Herr Amtmann lesen wohl nicht viel?"
Amtmann: "O! zu dienen, ja. Freilich im Fache der Belletters, da ist es nun so etwas. Köhlers Gedichte habe ich indessen noch kürzlich wieder gelesen und neulich fiel mir auch ein kleiner Tractat in die hände, betitelt: Die Leiden des jungen Herrn Werter."
Licentiat: "Bruder Amtmann! die Scharteke kenne ich; das ist nichts für uns. Aber apropos! Ich muss Dir doch meines ältesten Sohns dissertationem inauguralem, de feudis oblatis schicken. Sie ist sehr gründlich abgefasst. Er hat darin hauptsächlich –"
Student: – "o weh!"
Landchirurgus: "Es ist in der Tat erstaunlich, was für eine Menge von neuen Entdeckungen jetzt in allen Teilen der Wissenschaften gemacht werden, besonders aber in der natur-geschichte, Chemie, Wundarzneikunst und überhaupt im medicinischen Fache. So hat man zum Beispiel jetzt gefunden, dass zwar die gewöhnliche China-Rinde in periodischen Gesichtsschmerzen, Durchfällen, Fiebern, Brand, Lungensucht und so ferner, herrliche Dienste leistet, dass aber die rote Rinde der röhrichten weit vorzuziehn ist und noch überdies sichrer und ohne Leibschmerzen würkt. Die Hirnwut hielt man für unheilbar; Ich selbst habe an einem gewissen unglücklichen Professor Hoffmann in Wien vergebens alle Mittel angewendet; es schlug nichts bei ihm an. Nur kürzlich erst hat man –"
So weit war der Landchirurgus in seiner medicinischen Abhandlung gekommen, als plötzlich von allen Seiten her ein Geschrei erscholl: "Se heft en wedder! – Sie haben ihn wieder! Sie haben ihn wieder!" Die ganze Gesellschaft stürzte nun aus dem Hinterzimmer heraus – "Wen haben sie wieder", fragte Jeder, "Wen?" – "I! den Musche Blanchard; Se heft en wedder."
O! dass ich berufen bin, in diesem Büchlein, das nur guten Humor erwecken und die Gemüter der Leser erheitern sollte, hier das Bild getäuschter Hofnungen aufzustellen! Aber das Schicksal, das sich gegen die Helden meiner geschichte verschworen zu haben scheint, – (Im Vorbeigehen zu sagen! dies Werk hat das ganz Eigne, dass nicht etwa nur eine einzelne person der Gegenstand ist, auf den sich das Interesse zusammendrängt, sondern dass die Schicksale der ganzen Gesellschaft aus Biesterberg, wie wir sie im ersten Capitel auftreten liessen, das Tema sind, welches wir in demselben durchführen. – Ein Plan, dessen, wie wir hoffen, auch diejenigen Kunstrichter, welchen wir die Rezension nicht selbst einschicken, mit gebührendem Lobe gedenken werden) – das Schicksal will es also und ich muss meinen Beruf erfüllen.
So manche Meile war der Amtmann mit seinen gefährten gereist, um den berühmten Blanchard aufsteigen zu sehen; So manche Wiederwärtigkeit hatte er von dem Augenblick an, da er auf dem Amtshofe einstieg, bis zu dem Momente, wo er nun die Nachricht erwartete, dass der Luftball gefüllt wäre, überwunden; Seinen hofnungsvollen Erben glaubte er der besten Aufsicht übergeben