stürzte. Allein durch alle diese kleinen Ungemächlichkeiten des Lebens arbeitete sich dennoch die Gesellschaft hindurch und kam glücklich auf den Platz in der – nun ja! in der Contre-Escarpe an. Die Sonne brannte heiss auf die Schädel; Die wollnen Perücken sitzen wärmer als die von Haaren (das kann man uns auf unser Wort glauben, obgleich wir keine tragen), also litt der alte Herr Bocksleder sehr viel von der Hitze. "Es ist teufelmässig heiss", sprach er, "Wenn wir hier lange stehen müssen, so schmelze ich wie Butter zusammen, oder crepire vor Durst." "Es dauert wenigstens noch eine Stunde", sagte ein dicker Mann, der mit aufgeknöpfter Weste und einem glänzenden, braunen gesicht, als wäre es laquirt gewesen, neben ihm stand. "Es dauert wenigstens noch eine Stunde, ehe der Hof von der Tafel aufsteht und herkömmt. Dann erst wird mit der Füllung der Anfang gemacht." "Wenn nur ein Wirtshaus in der Nähe wäre!" seufzte der Licentiat. "Deren gibt es hier genug", antwortete der dicke Mann. wirklich waren rings umher einzelne Garten- und andre Häuser gelegen, in welchen ächter teutscher Pontac, lübeckscher Franzwein und dergleichen verzapft wurde und unsre Gesellschaft trat in eines von diesen.
Für einen Physiognomiker, für einen Menschen-Beobachter und für einen Maler wäre es ein herrliches fest gewesen, die Gesellschaft zu sehen, welche hier, teils in den kleinen Zimmern, teils im Vorplatze, im hof und im Garten, in einzelne Gruppen verteilt, ihr Wesen trieb, indess der grüne Platz, an welchen das Haus stiess und von dem wir geredet haben, einem bunten Gemälde von der Speisung der fünftausend Mann glich, wie man es hie und da in Dorf-Kirchen antrifft. Unsre Gäste aber waren weder GesichterLeser, noch Seelen-Späher, noch Künstler; also blieb ihr ganzes Augenmerk auf ein Winkelchen gerichtet, wo sie in Ruhe ihren Durst löschen könnten, und das wies man ihnen in einer Hinterstube unter dem dach an; denn alle andren Zimmer waren gepropft voll. Indessen fehlte es auch hier nicht an Gesellschaft; Zwei Tische fanden sie umringt von Personen beiderlei Geschlechts, an einem dritten war noch Raum für sie; der Student aus Helmstädt, dessen wir vorhin erwähnt haben, ein junger Gelehrter, der mit demselben noch auf der Universität gewesen war, jetzt aber in Gandersheim privatisirte und ein Landchyrurgus aus *** in Sachsen, hatten die eine Seite eingenommen; unsre Leute setzten sich ihnen gegenüber.
Wir fühlen einen unwiederstehlichen Trieb, ein Bruchstück aus dem gespräche dieser interessanten Gesellschaft hier abdrucken zu lassen, und da wir uns nun einmal in Besitz gesetzt haben, solchen Trieben, unter angehoffter hoher Approbation, zu folgen; so wollen wir mit diesem Dialoge andienen, erlauben übrigens den Rezensenten, sobald wir von unserm Herrn Verleger das Honorarium werden eingestrichen haben, über die Weitschweifigkeit unsrer Erzählung Ach und Weh zu schreien.
Der junge Gelehrte: "Nun, wahrlich! Es bedarf doch herzlich wenig, um der Menschen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Da sind mehr als zehntausend Toren aus allen Ecken zusammengelaufen, um einen andern Narren einen Bockssprung in die Luft machen zu sehen."
Der Student: "Aber Herr Bruder! Du hast Dich doch auch eingestellt."
Gelehrter: "Meinst Du, ich würde deswegen auch nur eine Meile reisen? Originale aller Art zu beobachten, darum bin ich hergekommen. Blanchard habe ich in Frankfurt und in Hamburg aufsteigen gesehen. Vermutlich wird er sich hier wieder ein Document von fürstlichen und adelichen Personen ausfertigen lassen, dass er so viel tausend Toisen hoch über der Erde geschwebt hat – von Menschen, die, indem sie das schreiben, nicht einmal wissen, was eine Toise ist. Wie sich der Kerl nur einbilden kann, dass er mit einem solchen Zeugnisse bei Gelehrten und Männern von Kenntnissen sich Credit verschaffen werde!"
(Die geneigten Leser werden es nicht ungütig aufnehmen, dass der junge Herr auf die Autorität von Fürsten und Edelleuten in wissenschaftlichen Dingen nicht viel hält. Teils hat er wohl nicht ganz Unrecht, teils ist es jetzt unter den jungen Gelehrten so eingeführt, dass sie alles tadeln, was die höhern Stände sagen und tun, ausser wenn sie ihre Schriften loben. Doch geht dieser Widerwillen nicht so weit, dass besagte Gelehrte nicht, wo sichs tun lässt, von Fürsten und Edelleuten Schutz und Wohltaten vorliebnehmen sollten.)
Gelehrter: "Der Augenschein kann jeden verständigen Menschen überzeugen, dass seine Angaben um mehr als zwei Drittel übertrieben sind. Noch nie hat er sich bis zu der Höhe irgend eines beträchtlichen berges erhoben. Betrachte man nur die römischen Zahlen auf dem Zifferblatte eines mässig hohen Turms! Sie sind mehrenteils über sechs Fuss lang und scheinen, wenn man unten steht, keine Spanne zu messen. Wie fast unsichtbar klein müsste nun nicht ein Ball erscheinen, dessen Durchschnitt ungefehr nur sechsmal grösser ist als die Länge jener Zahlen, wenn er wirklich zu einer so erstaunlichen Höhe emporstiege! – und nun vollends der kleine, geputzte Franzose mit seinem blauen Wämschen und seinem Federbusche! Wie würde der dem Auge verschwinden!"
Student: "Kann sein! kann sein! Wir wollen sehen. Nun, Herr Licentiat! Sie gehen doch diesen Abend in die Comödie?"
Licentiat: "Ich denke wohl –"
Landchirurgus: "Ach! was ist an so einer Comödie? hören Sie! ich habe in Stuttgard die grossen Opern