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könnte es also wohl noch so bunt in der Welt hergehn; ich verlöre nichts dabei. Aber ich denke immer, ich müsste doch auch so meine unmassgebliche Meinung sagen zu dem heutigen Revolutionswesen. Quaeritur: ob ihr dieses mein opusculum lesen werdet? – Das steht nun freilich dahin; indessen dixi, et liberavi animam meam.

Fussnoten

1 Ich, der ich dies sage, bin gewiss einer von denen, unter welchen Herr Campe am wenigsten seinen Lobredner suchen würde; allein der Unfug, den sich, während ich an diesen Blättern schrieb, ein feiler, unberühmter Fürstenschmeichler gegen diesen verdienstvollen Schriftsteller erlaubt hat, bewegt mich, der Wahrheit mein Opfer zu bringen. Die Schritte, die man seit kurzem gegen jeden unparteiisch frei redenden und denkenden Mann unternimmt und die heimlich von einer gewissen, sehr bekannten Gesellschaft geleitet werden, der daran gelegen ist, dass das Licht nicht durch die Finsternis dringe, machen es dem Häuflein unbestochner Wahrheitsfreunde zur Pflicht, ihre kleinen Privatzwistigkeiten zu vergessen und sich brüderlich die Hand zur Versöhnung und zur gegenseitigen Verteidigung zu reichen. Von jetzt an, bis sich die zeiten ändern und Herr Campe dessen nicht mehr bedarf, biete ich ihm von Herzen jeden Dienst an, den ich ihm mündlich, schriftlich und tätig zu leisten imstande bin. 2 Warum ich hier auf einmal die Volksreligion mit einmenge, davon ist die Ursache leicht einzusehn. Leider sind die Kirchensysteme so innig mit den tismus von jeher, nach gelegenheit, dem politischen entweder die Hand gereicht oder die Stange gehalten hat, dass beide Gegenstände nicht wohl zu trennen sind. 3 Doch dieser unwissende Schwätzer, welcher Professor des deutschen Stils ist und keine Seite ohne grammatikalische Fehler schreiben kann, der mit beispielloser Frechheit sich rühmt, der Kaiser sei Mitarbeiter an seinem albernen Journaleder wird nun wohl von seinen langöhrichten Mitbrüdern am wenigsten Nachteil stiften.