, was in einem andern Zusammenhang der Dinge böse sein würde, insofern als das Gute dadurch befördert wird, sich wirklich in etwas Gutes verwandelt, und also aufhört zu sein was es war. Ich erinnere mich, von Kerintus etwas diesem Aehnliches gehört zu haben; und wenn die Alexander und Cäsarn, wie zu vermuten ist, Augenblicke hatten, wo eine unfreiwillige innere Gewalt sie nötigte einem Richter in ihrem eigenen Busen Rechenschaft zu geben, so waren es ohne Zweifel Sophismen dieser Art, wodurch sie ihn zu bestechen suchten."
Wie es aber auch damit beschaffen sein mag, immer macht es dem Genie des Kerintus in meinen Augen Ehre, dass er (aller Wahrscheinlichkeit nach) der erste war, der in dem Glauben einer bisher so verachteten Secte das Mittel und Werkzeug fand, die grösste aller Revolutionen zu bewirken. Es ist sehr möglich, oder vielmehr es ist sehr wahrscheinlich, dass er mit seiner Unternehmung scheitern wird. Er betreibt sie zu lebhaft, und, als einer der die Früchte seiner Arbeit selbst geniessen möchte, zu eilfertig; die Welt ist zu einer so grossen Katastrophe noch nicht reif. Aber ich bin gewiss, wenn auch Kerintus unterliegt, das von ihm angefangene Werk wird von andern Händen im Verborgenen fortgeführt: und vielleicht in weniger als zweihundert Jahren werden unsre Nachkommen erstaunen, eine in ihren Anfängen so unscheinbare und nichts geachtete Verbrüderung auf einmal ihr Haupt erheben, die alte Religion und Verfassung verschwinden, und die Teokratie des Kerintus, vielleicht unter einem andern Namen und mit einer andern Aussenseite, aber ihrem Geist und ihren grundsätzen nach eben dieselbe, der Welt gesetz geben zu sehen. Ob diese sich viel besser dabei befinden wird, will ich dahin gestellt sein lassen. Ich meines Orts gestehe, dass ich kein Freund von den Teokratien bin, in welchen man die Gotteit die Rolle eines morgenländischen Schachs spielen lässt, während Menschen, unter dem Namen seiner Satrapen und Wessire, sich seiner Allgewalt so wohl oder so übel bedienen, als es ihre Fähigkeiten, Leidenschaften, Schwachheiten und Laster erlauben oder fordern.
"Ich weiss nur von Einer Teokratie, gegen welche keine Einwendung zu machen ist, weil sie weder Unrecht haben noch von irgend einer Macht aufgehalten werden kann; in welcher wir alle unsere Rolle spielen, ohne weder den Plan noch den Ausgang des Stücks zu kennen; in deren Plan alles, was ist und lebt, eingeflochten ist, alles von unbekannten Ursachen zu unbekannten Zwecken in ewiger Bewegung erhalten wird, alles zugleich Mittel und Zweck, Ursache und wirkung ist, und der erste Beweger von allem ewig unsichtbar hinter der Scene bleibt.
In dieser Teokratie, mein lieber Peregrin, bin ich was ich bin, wirke was ich kann, und leide was ich muss: von allen andern Autokratien, Demokratien, Aristokratien und Teokratien halte ich mich so fern als möglich. Ich verachte mich selbst nicht so sehr, dass ich von der Willkür eines andern abhangen möchte, so lang' es in der meinigen steht frei zu sein: aber ich bin auch nicht stolz oder eitel genug, um über meines gleichen herrschen zu wollen.
Aufrichtig zu reden, ist bei einer solchen Sinnesart gewöhnlich eine gute Portion Trägheit und Liebe zum seligen Leben der Götter im Himmel, dem goldnen Müssiggang; eine Liebhaberei, wovon ich mich selbst nicht frei sprechen will, und woraus du dir leicht erklären kannst, warum ich keine Lust hatte, mich mit dem hoch strebenden Kerintus auf das gefahrvolle Meer weit aussehender, mühsamer, und vielleicht undenkbarer Abenteuer einzuschiffen.
Du, Peregrin, hast keine Entschuldigungen dieser Art: aber, wie geschickt du dich auch während deiner Verbindung mit Kerintus und Hegesias gezeigt hast, in ihrem Operationsplan eine der tätigsten Rollen zu spielen, so begreife ich doch, wie dir durch die Entdeckung, dass, was du für Ernst hieltest, nur Spiel sei, die Lust dazu vergehen konnte. Aber, o mein Freund! du, dem es so innig zuwider ist andere zu betrügen oder von andern betrogen zu werden, warum wolltest du dich von neuem in Gefahr begeben, der Betrogne eines magischen Gauklers zu sein, der in deinem eignen Busen sitzt? Die Farben, womit er dir die Seligkeit vormalt, die im Schoosse der vermeintlichen Engel auf dem Meierhofe bei Pitane deiner warten soll, sind Zauberfarben; das Licht, worin du diese guten Menschen siehst, ist Zauberlicht. Eine Zeit lang würdest du dich in das Paradies der Morgenländer versetzt glauben, und unter deinen Idealen von Unschuld und Liebe in den seligsten Gefühlen zerfliessen. Aber sobald Zeit und Gewohnheit die erste Blüte des Genusses abgestreift hätte, würden diese Engel unvermerkt zu armen, einfältigen Menschen herabsinken, mit denen du, ausser einiger Gleichförmigkeit in Gesinnungen des Herzens, wenig oder nichts gemein haben könntest. Du bist von Jugend an gewohnt mit Personen von gebildetem geist zu leben, bist selbst viel zu sehr entwickelt, als dass du es, bei einer wenig oder bloss mechanisch beschäftigten Lebensart, unter so schlichten und einförmigen Landleuten in die Länge aushalten könntest. Ihr Unvermögen, das wirklich für dich zu sein, was dir deine Phantasie in ihrem Namen versprach, würde dich zuletzt übellaunig machen: und wäre es einmal dahin gekommen, so würde nicht nur das, was du an ihnen liebst, viel von seinem Wert und Reitz verlieren; es würden auch Unvollkommenheiten zum Vorschein kommen, die du ehemals nicht gesehen hattest, und die nun in deiner umgestimmten Einbildung (eben so gewiss wie ehemals das Schöne und Gute