als von den Komödianten und Gauklern, deren Spiel du bisher gewesen bist. Ich sehe diesen Ausgang zu gewiss voraus, um eher von dir abzulassen, bis ich dich überzeugt habe, dass dir, nachdem du einmal glücklich genug gewesen bist den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, keine andere Wahl übrig bleibt, als alle Gemeinschaft mit den Christianern aufzuheben.
Dein Unglück, lieber Peregrin, fuhr er fort, war bisher, dass du dich immer blindlings von zwei Führern leiten liessest, die dich notwendig irre führen mussten. Gefühl und Imagination sind sehr angenehme gefährten, aber gefährliche Wegweiser durch den Labyrint des Lebens. Du hast diess nun schon so oft erfahren, dass es wahrlich hohe Zeit ist, es endlich einmal mit einem Führer zu versuchen, der unmöglich irre führen kann. Lass' also, anstatt einem vielleicht betrüglichen zug nachzugeben, die Vernunft entscheiden, was für eine Partei du ergreifen sollst. Die Vernunft, glaube mir lieber Peregrin, die Vernunft ist der gute Dämon des Menschen, und die Eudämonie, nach welcher du strebest, ist die Frucht eines nach ihrer Vorschrift geführten Lebens, oder es gibt gar nichts, das diesen Namen verdient, diesseits des Mondes. Ich will jetzt nicht untersuchen, ob du, da du dich einmal so tief mit Kerintus eingelassen, da deine Fähigkeiten und Vorzüge dich zu einem ansehnlichen Posten in seinem unsichtbaren Reiche bestimmten, und die Freundschaft Diokleens (deren Aufrichtigkeit und Wärme zu bezweifeln, du, so viel ich sehe, keinen Grund hattest) dir unfehlbar das Innerste seines Ordens aufgeschlossen und einen unmittelbaren Anteil an den Vorteilen seiner Unternehmung verschafft haben würde, – ob du, sage ich, nicht klüger getan hättest, bei ihm auszuharren, und ob nicht gerade das, was dich bewog seine Partei zu verlassen, dich zum Gegenteil hätte bestimmen sollen.
Zwar bin ich so überzeugt als du, dass der ausserordentliche Mann, nach welchem die Christianer sich nennen und für dessen Jünger sie sich ausgeben, einen ganz andern Plan hatte, als der ist, an welchem Kerintus arbeitet. Ganz gewiss war das Reich Gottes, welches er ankündigte, und zu welchem er (nachdem ihm seine Absicht bei den Juden, seinen Stamm- und Glaubensgenossen, fehl geschlagen war) alle Menschen eingeladen wissen wollte, nichts weniger als eine politische Universalmonarchie. Alles müsste mich trügen, oder dieses Reich hatte mit der Teokratie oder Hierarchie, an welcher seine vorgeblichen Anhänger im Verborgnen arbeiten, und womit sie über lang oder kurz die erstaunende Welt überraschen werden, nicht mehr gemein, als sein Geist mit dem ihrigen. Er war ein Entusiast im erhabensten Sinne dieses ehrwürdigen Wortes, welches durch Vermengung mit Schwärmerei, Fanatismus und Magismus so häufig enteiligt wird: aber seine Lehre war zu einfach, sein Sinn zu lauter, die Vollkommenheit, zu welcher er einlud und die er an sich selbst darstellte, zu rein und gross, als dass es sich nur denken liesse, sie könnte jemals das Anteil von Hunderttausenden und Millionen sein. Was erfolgte also, und was musste erfolgen? Eines von beiden: entweder seine reine Teosophie musste, wie die Weisheit und Tugend (zwei nicht weniger profanirte Wörter!) eines Archytas oder Sokrates, sich immer nur, unsichtbarer Weise, unter den Wenigen erhalten und fortpflanzen, die seines Geistes waren; oder, wenn sie sichtbar werden, zu einer Art von herrschaft über die menschlichen Gemüter gelangen, und irgend eine wichtige Veränderung in der Welt hervorbringen sollte, so musste sie sich mit den Meinungen und Leidenschaften der Menschen amalgamieren, und in der Hand ehrgeiziger, planvoller und betriebsamer Menschen zu einer neuen Volksreligion, und als solche zum Mittel eines Zwecks, der nicht der Zweck des ersten Stifters war, kurz, zu dem gemacht werden, was der Glaube und die Mysterien der Christianer in den Händen eines Kerintus und Hegesias sind.
Wie viel Anteil aber auch Regiersucht und Eigennutz an der Unternehmung dieser Männer haben mögen, so ist doch nicht zu läugnen, dass etwas Grosses in dem Gedanken ist, die Menschheit zugleich von den Ketten des Aberglaubens und des Despotismus zu befreien, und alle Völker der Erde, durch einen Glauben, der die moralische natur des Menschen reinigt und veredelt, sie zu Kindern Eines Vaters, zu Mitgenossen gleicher Rechte, zu Erben eben derselben Hoffnung macht, in eine einzige Brüdergemeine zu versammeln. Mag doch diese idee, in ihrer höchsten Vollkommenheit gedacht, unerreichbar sein! Aber würden auch Jahrtausende dazu erfordert, um ihr von Stufe zu Stufe näher zu kommen, und müsste gleich das Gute, das für die Menschheit dadurch gewonnen würde, mit tausend vorübergehenden Uebeln erkauft werden: immer bliebe der, der den Grund zu einer solchen Revolution gelegt hätte, ein Wohltäter des menschlichen Geschlechts. Ich müsste mich sehr irren, oder Kerintus betrachtet sich selbst in diesem Lichte. Und, wiewohl man den keinen Schwärmer nennen kann, der so künstliche Maschinen mit so viel Klugheit und mit so feinen Handgriffen zu Ausführung eines Werks, wovon er selbst die Seele ist, zu verbinden weiss; wiewohl der Gebrauch wunderbarer Mittel und einer Art von moralischer Magie ihm sogar das Ansehen eines Betrügers geben; so wollte ich doch nicht behaupten, es sei unmöglich, dass er, von der Schönheit und Grösse seines Plans begeistert, sich selbst über die Mittel täusche, und alles für recht und gut halte, was zu einem so herrlichen Ziele führe; und diess um so mehr, je scheinbarer der Gedanke ist, dass durch eine solche Anwendung das