auf der Stelle in Freiheit zu setzen, unter der einzigen Bedingung, dass ich die Provinz Syrien sogleich verlassen und mich hüten sollte, noch einmal in verbotenen Versammlungen, von welcher Art sie sein möchten, betreten zu werden. Von der Klage, welche meine Verwandten der Verschleuderung meines Erbgutes halben gegen mich erhoben hatten, wurde gar nichts erwähnt. Vermutlich hatte die vorsichtige Dioklea, die mit ihrem Bruder auf Gewinn und Verlust in Gesellschaft getreten war, Mittel gefunden, diesen Punkt mit dem Stattalter in geheim auszumachen. Genug, meine guten Freunde zu Parium mussten sich an dem Bescheid ersättigen, dass man bei der vorgenommenen Untersuchung keine Ursache gefunden habe, den Beklagten der Gewalt, die ihm die gesetz in Rücksicht seines Alters über die Anwendung seines Vermögens gäben, zu berauben. Und so endigte sich, lieber Lucian, diese ganze Sache, ohne dass die Philosophie des Stattalters so viel zu meiner Entlassung mitgewirkt hätte, als dein Ungenannter zu Elis dich glauben machen wollte.
Lucian.
Aber wie lief es nun mit Diökleen ab?
Peregrin.
Die Lebhaftigkeit der Freude, womit sie mich empfing, hätte beinahe alle meine Entschlossenheit umgeworfen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, um das Bewusstsein des Widerspruchs zwischen meiner wirklichen Gesinnung und der person, die ich spielen musste, zu übertäuben, als dass ich mich dem Eindrukke, den die Gegenwart dieser sonderbaren Frau immer auf mich machte, gänzlich Preis gab, und den Gedanken an das, was wir vorhatten, so viel möglich von ihr und mir zu entfernen suchte. Indessen war es doch unmöglich, dass der innerliche Zwang, den ich mir antun musste um ruhiger und fröhlicher zu scheinen als ich war, einem so scharfen Auge wie das ihrige hätte entgehen können. Sie zeigte mir von Zeit zu Zeit einige Unruhe darüber; und da ich, in der drückenden notwendigkeit, sie durch eine Lüge zufrieden zu stellen, mich wenigstens derjenigen bedienen wollte, die der Wahrheit am ähnlichsten sah – oder vielmehr wirklich zur Hälfte Wahrheit war –
Lucian (lachend).
Das nenne ich einen gewissenhaften Schelm!
Peregrin.
– so gab ich ihr endlich zu verstehen, dass es sehr grausam von ihr gehandelt wäre, wenn sie dem Zwange, den sie mir in der verwichnen Nacht fürs Künftige zu einer Pflicht gemacht hätte, die mir, bei dem was ich für sie fühlte, weder leicht noch angenehm sein könnte, nicht wenigstens so viel zu gut halten wollte, um die unfreiwilligen Seufzer, die mir von Zeit zu Zeit entführen, ungeahndet zu lassen. Sie beantwortete diese Aeusserung, welche sie, ohne eine zu geringe Meinung von mir oder eine zu grosse von sich selbst zu hegen, für sehr natürlich halten konnte, durch ein Betragen, das mir einige Hoffnung liess, wenn ich mich ihres Zutrauens erst würdiger gemacht haben würde, von ihrem Herzen zu erhalten, was in der Tat bei einer Frau wie sie durch irgend eine andere Art von Verführung schwerlich zu erhalten war. Diese Wendung, welche unsre Unterhaltung nahm, führte unvermerkt Erinnerungen an Scenen aus der Vergangenheit herbei; dein armer Freund (wenn du ihn anders dieses Namens noch würdig findest) wurde eben so unvermerkt immer wärmer, und es kam so weit mit ihm, dass, wenn Dioklea nur die mindeste Ahndung der Gefahr, von ihm verlassen zu werden, gehabt hätte, es gänzlich in ihrer Gewalt gewesen wäre, ihn bis zum geständnis seines treulosen Vorhabens zu treiben, und ihm einen Rückfall wenigstens auf lange Zeit unmöglich zu machen. Aber von dieser Seite lebte sie in der vollkommensten Sicherheit: und da sie alle ihre Aufmerksamkeit und Kunst bloss darauf wandte, dem, was sie für die einzige Gefahr bei unserm neuen Verhältnisse hielt, mit guter Art vorzubauen; so entging ich zu meinem Glücke der einzigen, in welcher mein Entschluss unfehlbar gescheitert wäre. Denn ich hätte, in diesen zärtlichen Augenblicken, da meine Seele in dem Andenken so vieler unbeschreiblich wonnevoller Tage dahin schmolz, die mir in der zauberischen Einsamkeit der Villa Mamilia mit ihr zu einzelnen Stunden geworden waren, keine Stirne gehabt, ihr etwas zu verheimlichen oder abzuläugnen, wenn sie in meinem Inwendigen hätte lesen können. So hingegen schien sie, vielleicht aus Misstrauen in ihr eigenes Herz, nichts Angelegner's zu haben, als mich von jenen verführerischen Erinnerungen zurückzuziehen, und wusste mir auf ihre eigene feine Art unvermerkt fragen abzulocken, deren Beantwortung ihr gelegenheit gab, sich in eine umständliche Erzählung des Merkwürdigsten einzulassen, was ihr in den sieben Jahren unsrer Trennung begegnet war. Eine Vertraulichkeit, die meinem wankenden Vorsatz ungemein zu Statten kam, da es nicht fehlen konnte, dass sie mich dabei manchen blick in ihr Inneres tun liess, der mich in der alten Entdeckung bestätigte, dass sie eine zu grosse Meisterin in der Mimik sei, als dass ein Mensch von meinem Schlage jemals hoffen dürfe, das, was der natur oder der Kunst in ihr angehöre, mit einiger Sicherheit unterscheiden zu lernen.
Lucian.
Meine erste sorge, sobald du deine Lebensgeschichte glücklich zu Ende gebracht haben wirst, soll sein, diese Dioklea aufzusuchen, wofern sie anders in den Gegenden, die uns zur wohnung angewiesen sind, zu finden ist.
Peregrin.
über diesen Zweifel kann ich dich beruhigen, Lucian. Ich habe sie schon öfters und immer in sehr guter Gesellschaft angetroffen. Es soll mir ein Vergnügen sein dich mit ihr bekannt zu machen.
Lucian.
Eine gefälligkeit mehr, wofür ich dir verbunden sein werde. Aber nun zum Verfolg