doch aus ihrem eignen mund hören, wie es damit zugegangen; und sie ermangelte nicht, mir von freien Stücken alles Licht zu geben, das ich wünschen konnte.
Ich habe wohl nicht nötig (fuhr sie mit dem halb
ironischen Lächeln, das in ihrem Gesicht einen so eigenen Zauber hatte, fort), mich über meine begebenheiten, so lange ich in Verbindung mit Quintillen war, weitläufig auszubreiten, da du selbst eine Hauptrolle dabei gespielt, und schon damals, als wir in der Villa Mamilia beisammen lebten, den Schlüssel zu der ganzen Maschinerei, durch welche man dir so beneidenswürdige Täuschungen verschaffte, von mir bekommen hast. Ich eile also zu einem Umstande, der sich bald nach deiner Entfernung von uns zutrug, und dir einen neuen Schlüssel zu dem wunderbaren Abenteuer, das dir zu Smyrna aufstiess, geben wird.
Und nun erzählte sie mir: ihr Bruder hätte ihr seit
ihrer zweiten Trennung so viel Nachricht von sich gegeben, dass sie daraus ersehen können, er habe endlich einen Wirkungskreis gefunden, worin er seine Fähigkeiten zu einem sehr grossen und ehrenvollen Zweck anwende, und sich einen gewissermassen unsichtbaren, aber nur desto wichtigern Einfluss verschaffe, dessen grenzen nicht abzusehen wären. Er meldete ihr von Zeit zu Zeit, dass sein Geschäfte, trotz der vielen Schwierigkeiten die er zu bekämpfen habe, den glücklichsten Fortgang gewinne, sagte aber nie warum es eigentlich zu tun sei, und drückte sich über alles in einer so geheimnissvollen Sprache aus, dass ihre Neugier dadurch um so stärker gereizt werden musste, da er noch immer auf ihre künftige Mitwirkung Rechnung zu machen schien. Wenige Tage nach meiner Entweichung erschien er selbst zu Halikarnass, und lud seine Schwester zu einer geheimen Zusammenkunft ein, worin er sich über die natur seiner neuen Verbindungen, über seine Plane, und über die Mittel, wodurch er sich, so zu sagen, zum König eines unsichtbaren Reichs zu machen hoffte, ausführlich gegen sie heraus liess. "Seine Reisen durch den grössten teil des Reichs hätten ihm mancherlei Gelegenheiten verschafft die Christianer genauer kennen zu lernen, und sich von ihrem Institut, oder vielmehr von dem, was es unter den Händen eines fähigen und unternehmenden Mannes werden könne, ganz andere Begriffe zu machen als man gewöhnlich davon habe. Er hätte gefunden, was sich vielleicht noch keiner aus ihrem Mittel deutlich gedacht haben möchte, – dass es ganz dazu gemacht sei die grösste Revolution in der Welt zu bewirken, und dass dazu, nächst der Zeit, die alles zur Reife bringen muss, nichts weiter erfordert werde, als vermittelst eines geheimen Ordens wo nicht alle, wenigstens den grösseren teil der Brüdergemeinen, in ein wohl organisiertes Ganzes zu verbinden, und unter die unsichtbare Leitung eines Einzigen zu bringen, der durch seinen Geist, seine Talente, seinen Mut und eine unermüdliche Tätigkeit und Beharrlichkeit, einem so viel umfassenden amt gewachsen sei." – Du kennest meinen Bruder, fuhr sie fort, und so brauche ich dir nicht zu sagen, wer dieser einzige war, den er zur Ausführung seines Plans bestimmte, und ob er von dem Augenblick an, da dieser grosse Gedanke in seinem erfindungsreichen geist aufblitzte, mit etwas anderm beschäftigt war, als mit den Mitteln, wodurch er ihn in Wirklichkeit setzen könnte. Er wurde ein Christianer, und tat sich durch die Behendigkeit, womit er den Geist ihres Instituts erfasste, durch die Beredsamkeit und das Feuer seines Vortrags in ihren Versammlungen, durch den neuen Schwung, den er ihren Lieblingsideen zu geben wusste, und durch den brennenden, aber immer von Klugheit geleiteten Eifer, womit er sich für einzelne Gemeinen sowohl als für die allgemeine Sache verwendete, in kurzer Zeit so sehr hervor, dass er das Vertrauen vieler einzelner Vorsteher und dadurch immer neue Gelegenheiten erhielt, das Innere ihrer Verfassung und Umstände, und (was für ihn das Wichtigste war) die einzelnen Personen sehr genau kennen zu lernen, die entweder zu seinem geheimen Vorhaben als Werkzeuge oder als wirkliche Mitarbeiter brauchbar waren, oder, wenn er sie zu keinem von beiden aufgelegt fand, durch andere Mittel und Wege, wo nicht gewonnen, wenigstens verhindert werden mussten, ihm mit Erfolg entgegenzuarbeiten.
Mitten unter diesen rastlosen Bemühungen brachte er den geheimen Orden zu stand, mit dessen hülfe er nun, da die Mitglieder durch eine grosse Anzahl der Asiatischen Gemeinen zerstreut waren, an dem Vereinigungswerke arbeiten konnte, wodurch er dem Institut der Christianer die Festigkeit und den genauen Zusammenhang geben wollte, ohne welche (wie er glaubt) seine immer weitere und schnellere Ausbreitung und endlich sein Triumph über die herrschende religiöse und politische Verfassung unmöglich sein würde. Der Anfang zu diesem allem war gemacht. Aber noch immer suchte er Ordensglieder, denen er sich ganz vertrauen könnte, und welche mit den allzu seltnen Fähigkeiten ausgerüstet wären, die er bei den unmittelbaren Organen seines Plans zu finden wünschte: und da er mir (setzte sie hinzu) die Ehre erwies, von den meinigen eine sehr günstige Meinung zu hegen, so liess er nichts unversucht, um mich zu bewegen, dass ich alle andern Verbindungen und Entwürfe aufgeben, und die Geistesgaben, die mir seine brüderliche Parteilichkeit zuschrieb, der Beförderung eines Werkes widmen sollte, wovon er meine Vernunft selbst überzeugte, dass es das grösste, glänzendste und vorteilhafteste sei, was Personen, die sich über den gewöhnlichen Menschenschlag erhaben fühlten, jemals unternehmen könnten. Er beantwortete alle meine fragen, löste alle meine Zweifel, entdeckte mir alle seine Hülfsquellen, und überführte mich von der wirklichen Ausführbarkeit