begegnete, ihnen die nächste Anwartschaft gab, in die Brüdercasse der Christianer, wie in einen Strudel der nichts wieder zurückgab, hineinstürzte?
Peregrin.
Du hast es erraten, Lucian! Meine Entfernung von Parium – welcher man, wiewohl sie nichts weniger als heimlich geschehen war, in der Folge den Anschein einer Entweichung zu geben suchte – hatte grosses aufsehen erregt, sobald man gewahr wurde, dass ich an kein wiederkommen dachte, und sobald man ausgekundschaftet hatte, dass ich unter den Christianern lebe, und, wie es scheine, in sehr enge Verbindungen mit ihnen getreten sei. Einige Jahre lang hatten meine Verwandten sich vergebens Mühe gegeben, den Ort meines Aufentalts, seit der Zeit da ich Nikomedien verliess, ausfindig zu machen; bis endlich der alte Menekrates von einem seiner Freunde, der einen Correspondenten zu Antiochia hatte, erfuhr, dass ich mich, in der Qualität eines Propheten und Mystagogen der Christianer, bald zu Laodicea, bald zu Antiochia oder Seleucia aufhielte, und in grossem Ansehen bei dieser Secte stände. Meine Verwandten gingen nun mit einander zu Rate, wie sie es anfangen wollten, um wenigstens das, was von der väterlichen Verlassenschaft noch zu Parium war, und das Landgut meines Grossvaters aus den Klauen der Christianer zu retten. Das Resultat ihrer Beratschlagungen war endlich: durch Vermittlung des besagten Antiocheners mich dem kaiserlichen Stattalter als einen Christianer von der gefährlichsten Art anzuzeigen, dessen unruhige Schwärmerei die Aufmerksamkeit der Regierung um so mehr erregen müsse, weil er seinem Eifer für die Ausbreitung dieser hassenswürdigen Secte bereits den grössten teil eines ansehnlichen Erbgutes aufgeopfert habe.
Du erinnerst dich, Lucian, dass die Strafgesetze gegen alle heimliche Zusammenkünfte überhaupt, und gegen die ausdrücklich verbotenen geheimen Versammlungen der Christianer insonderheit, unter der milden Regierung des Kaisers Hadrianus zwar nicht aufgehoben, aber doch unvermerkt eingeschlafen waren. Da sich die Christianer um diese Zeit ziemlich ruhig verhielten, so waren die Obrigkeiten überall unter der Hand angewiesen worden, sie auch hinwieder in Ruhe zu lassen, und, ohne dass man sie ganz aus den Augen verlöre, zu tun als ob man sie nicht gewahr würde; so lange nicht besondere Umstände oder eine förmliche Anklage es etwa nötig machten, gegen diesen oder jenen nach der Strenge der gesetz zu verfahren. Die eben so unvernünftige als unmenschliche Maxime, keine andere Religion neben sich dulden zu wollen, war (wie du weisst) den Priestern der alten gesetzmässigen Religion so lange fremd geblieben, bis diese neue, welche geduldet sein wollte ohne eine andere zu dulden, im Dunkeln und durch die Nachsicht der Obrigkeiten und der Priester unvermerkt so weit um sich griff, dass die letzteren notwendig aus ihrer allzu grossen Sicherheit erwachen mussten. Es war seit geraumer Zeit zur Mode geworden, die Christianer und Epikuräer (weil beide darin, dass sie die alte Volksreligion für Aberglauben erklärten, gemeine Sache zu machen schienen) gewissermassen mit einander zu vermengen; und da die Epikuräische Secte schon einige Jahrhunderte lang bestanden hatte, ohne dem Interesse der Priesterschaft merklichen Abbruch zu tun (denn man hatte ja Beispiele, dass Priester selbst, ohne ihrem Amt oder ihrer Philosophie etwas dadurch zu vergeben, Epikuräer waren), so ging es ganz natürlich zu, dass man sich, gerade dieser Vermengung wegen, unvermerkt angewöhnte, die Christianer für eben so unschädlich anzusehen als jene. Gleichwohl war der Unterschied in diesem Punkte so gross, dass er auch den sorglosesten Priestern der alten Götter in die Augen springen musste. Die Epikuräer glaubten zwar so wenig als die Christianer an die Pronöa (Vorsehung) des grossen Jupiter, aber seine Gotteit machten sie ihm nicht streitig; sie spotteten über alle Arten von Aberglauben, aber die herrschende Religion respectirten sie als ein politisches Institut der Gesetzgeber. Indem sie also jenen verlachten, und diese unangetastet liessen, blieben sie (dem Geist ihrer Philosophie gemäss) in einer Gleichgültigkeit gegen beide, die keinen Eifer, ihre Secte auf Unkosten der staates- und Priesterreligion auszubreiten, unter ihnen aufkommen liess. Bei den Christianern hingegen fand das vollkommenste Gegenteil statt. Sie waren die erklärten Gegner nicht nur des Aberglaubens, sondern des gesetzmässigen Dienstes der Götter selbst; und der Entusiasmus, womit sie den Dienst ihres Einzigen, der keine andern neben sich duldete, und den Glauben an seinen Gesandten, welcher das Reich dieses Einzigen allgemein machen sollte, auszubreiten suchten, liess mit Recht von ihnen erwarten, dass sie nicht eher ruhen würden, bis sie den alten Volksglauben und den darauf gegründeten Götterdienst, oder, in ihrer Sprache zu reden, das Reich der Dämonen, gänzlich vertilgt haben würden.
Meine Verwandten zu Parium hatten, bei dem Anschlag den sie gegen mich fassten, sehr richtig darauf gerechnet, dass Vorstellungen dieser Art die Priesterschaft zu Antiochia in Feuer setzen und geneigt machen würden, ihre Angebung bei dem Stattalter von Syrien durch eine förmliche Klage zu unterstützen; und, um dieser den gehörigen Nachdruck zu geben, hatte man solche Massregeln genommen, dass ich in einer nächtlichen Versammlung der Brüder, mitten in der Begehung unsrer heiligsten Mysterien ergriffen wurde. Man begnügte sich, die übrigen, mit der ernstlichen Verwarnung, sich nie wieder in einer solchen gesetzwidrigen Zusammenkunft betreten zu lassen, nach haus zu schicken: ich hingegen, als Vorsteher und Mystagog dieser verbotenen nächtlichen Zusammenkünfte, wurde vor den Richter der ersten Instanz gebracht, und sobald ich die Frage, ob ich ein Christianer sei? mit aller Entschlossenheit eines Märtyrers bejahet hatte, dem Trajanischen Edict zufolge in ein öffentliches gefängnis abgeführt.
Diese Begebenheit machte anfangs um