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die Tat bewiesen, dass eine gewisse Divinationskraft in unsrer Seele schlummert, die vielleicht (wie so viele andere Fähigkeiten) in den meisten Menschen nie erweckt wird, aber denen, in welchen sie erwacht und zu einem gewissen Grade von ren und Zukünftigen gibt, das in einer feurigen und tätigen Seele natürlicherweise nicht ohne wirkung bleiben kann.

Lucian.

Freund Peregrin, wenn es erlaubt ist über einen Tersites29 zu spotten, der schöner als Phaon und Adonis zu sein wähnt, oder einen Zwerg lächerlich zu finden, der sich unter einer sechs Schuh hohen Tür bückt, aus Furcht im Durchgehen die Stirne anzustossen: so sehe ich nicht, warum es so unrecht sein sollte, über einen Ehrenmann zu lachen, der, zum Beispiel, sich einbildete, vermittelst ich weiss nicht welches eigenen Sinnes das Gras wachsen zu hören, und den Umstand, dass das Gras wirklich gewachsen ist, als eine Bestätigung dieser ihm beiwohnenden Gabe geltend machen wollte.

Peregrin.

Und ich sehe eben so wenig, wie man ihm beweisen könnte, dass er diesen Sinn nicht habe, als warum man ihm seinen Wahn, wenn es auch Wahn wäre, nicht unverspottet lassen sollte, zumal wenn er sonst ein unschuldiger und guter Mensch ist.

Lucian.

Es gibt wohl unter der ganzen unermesslichen Last von Torheiten, woran der Verstand der armen Erdenkinder krank ist, wenige, die nicht an sich selbst so unbedeutend und unschuldig sind oder scheinen, dass sie nicht mit gleichem Rechte sollten fordern können, unverspottet ihren Weg gehen zu dürfen: und doch sind eben diese kleinen unschuldigen Torheiten zusammengenommen die Quellen der grössten Uebel, von denen das Menschengeschlecht geplagt wird. Keine Torheit, wie unschuldig sie auch scheinen mag, kann also einen Freibrief gegen den Spott verlangen, der beinahe das einzige wirksame Verwahrungsmittel gegen ihren schädlichen Einfluss ist.

Peregrin.

Gut! aber gestehe mir auch, dass gerade dieser grosse Hang der Menschen zur Torheit, und diese fast allgemeine Betörung, womit selbst diejenigen, die sich die klügsten dünken, unwissend angesteckt sind, es ihnen oft schwer macht, sich in ihren raschen Urteilen über das, was töricht oder nicht töricht ist, vor Irrtum zu bewahren. Immer wird viel Behutsamkeit vonnöten sein, damit wir den Menschen, indem wir ihnen Gutes zu tun glauben, nicht Schaden zufügen, wenn unsre Arznei noch viel schlimmere Wirkungen tut, als das Uebel ist, dem wir abhelfen wollen. Welcher weise und gute Mann wird sich gern der beschämenden Reue aussetzen, eine Meinung, die den Menschen veredelt, die ihn über sich selbst erhebt und zu allem was schön und gross ist begeistert, als einen törichten Wahn dem Spotte der Narren und Gecken Preis gegeben zu haben?

Lucian.

Nicht alles was gleisst ist Gold, mein edler Freund, und manche Meinung, die kein guter Mensch ihrer selbst wegen anfechten würde, wird durch den törichten Gebrauch, welchen alberne oder brennende Köpfe von ihr machen, belachenswürdig. Ueberhaupt, lieber Peregrin, hat mich ein ruhiger blick auf die menschlichen Dinge in jenem Leben etwas misstrauisch gegen alle hoch fliegenden Anmassungen gewisser Leute, deren Absichten selten lange zweideutig bleiben, gemacht; und ich argwohne immer eine Natter unter den Blumen, wenn ich von Mysterien oder magischen Operationen höre, wodurch die menschliche natur über sich selbst erhoben, wo nicht gar vergöttert werden soll. Meistens habe ich gesehen, dass diese Dinge nichts als goldfarbige Fliegen sind, womit Betrüger ihre Angeln bestecken und guterzige Schwindelköpfe damit anlocken, um, wenn sie einmal in den Hamen gebissen haben, etwas weniger als blinde Werkzeuge ihrer geheimen Absichten aus ihnen zu machen. Wer zum Menschen geboren wurde, soll und kann nichts Edleres, Grösseres und Besseres sein als ein Menschund wohl ihm, wenn er weder mehr noch weniger sein will!

Peregrin.

Aber, lieber Lucian, gerade um nicht weniger zu werden als ein Mensch, muss er sich bestreben mehr zu sein. Unläugbar ist etwas Dämonisches in unsrer natur; wir schweben zwischen Himmel und Erde in der Mitte, von der Vaterseite, so zu sagen, den höhern Naturen, von unsrer Mutter Erde Seite den Tieren des Feldes verwandt. Arbeitet sich der Geist nicht immer empor, so wird der tierische teil sich bald im Schlamme der Erde verfangen, und der Mensch, der nicht ein Gott zu werden strebt, wird sich am Ende in ein Tier verwandelt finden.

Lucian.

Es wäre denn, dass ihn die wohltätige natur, wie Mercur den Ulysses beim Homer, mit einem Moly30 beschenkt hätte, durch dessen Tugend er allen solchen Bezauberungen Trotz bieten kann.

Peregrin.

Und wie nennest du diesen wundervollen Talisman? Denn so viel ich mich aus meinem Homer besinne, ist Moly nur der Name, den ihm die Götter gaben.

Lucian.

Verstand nenne ich ihn, lieber Peregrin, gemeinen, aber gesunden Menschenverstand.

Peregrin (indem er ihm scharf in die Augen sieht).

Und dieses Moly hätte dich in deinem Leben immer vor der Zauberrute der schönen Circe verwahrt?

Lucian.

Vor ihren Verwandlungen allerdings: es setzte mich ungefähr in das nämliche verhältnis mit ihr, worein Ulysses durch die Kraft seines Moly mit der Sonnentochter kam. Denn seinem Moly allein, so wie ich dem meinigen, hatte er es zu danken, dass er jenes Aristippische εχω ουκ εχομαι31 sagen konnte, worauf in solchen Dingen alles ankommt, wie du weisst.

Peregrin.

Dass du hier bist, beweiset viel für dichaber Ab

Lucian.

Davon kann wohl niemand besser aus