arglose Guterzigkeit die Hauptzüge waren) kommt auf den Einfall, den Cynischen Weiberfeind von person kennen zu lernen. Peregrin wird ihr vorgestellt, und benimmt sich auf eine so linkische Art, dass Faustina in einem Anstoss von mutwilliger Fröhlichkeit Lust bekommt, den Versuch selbst zu machen, ob die Apatie dieses seltsamen Sonderlings gegen die feineren Verführungskünste, die sie gegen ihn anzuwenden gedenkt, aushalten werde. Sie geht darüber mit einer andern Römischen Dame eine Wette ein, und weiss, ohne ihrer eigenen Würde etwas zu vergeben, die bald von ihr ausfindig gemachte schwache Seite des unheilbaren Schwärmers so geschickt anzugreifen, dass sie endlich einen Triumph über seine Misogynie erhält, der ihr selbst zwar den Preis der Wette verschafft, aber den armen Peregrin zur Fabel des Hofes und der Stadt macht. Der Unwille über diesen, seinem nichts Arges besorgenden Herzen gespielten Streich treibt jetzt seinen Cynischen Menschenhass so weit, dass er alle grenzen der Klugheit überspringt, und nicht nur Faustinen und ihre Freundinnen, sondern auch ihren Gemahl und den Kaiser ihren Vater selbst in seinen Declamationen nicht verschont. Faustina, die sich zu einer billigen Entschädigung gegen Peregrin verbunden glaubt, wird mit allem, was sie für ihn tun will, auf eine so beleidigende Art abgewiesen, dass Peregrin am nächsten Morgen vom Präfect der Stadt Rom den Rat erhält, die Stadt ohne Aufschub zu verlassen. Er gehorcht, und kehrt nach Griechenland mit dem Vorsatze zurück, der Menschen weniger als jemals zu schonen, und, da er sie nicht besser machen könne, sie durch den ungefälligen Spiegel, in welchen er sie zu sehen zwingen wollte, wenigstens zu demütigen und zu beschämen. Das gegenseitige unangenehme verhältnis, das zwischen ihm und der Welt daraus entsteht, nötigt ihn, sich unweit von Aten in die einsamste Abgeschiedenheit zurückzuziehen, wo der Cyniker Teagenes, wiewohl wegen seiner plumpen Rohheit zu einer engern Verbindung mit Peregrin unfähig, beinahe der einzige Mensch ist, der sich ihm durch seine anhänglichkeit erträglich macht. Endlich fühlt sich Peregrin von einem Lebensüberdruss und von einer Lust zu sterben ergriffen, die mit jedem Tage zunehmen, und die für ihn anständigste Art, sein Leben freiwillig zu endigen, zum Hauptgegenstand seiner Gedanken machen. So wie seine ganze Art zu sein, seine strenge Entaltsamkeit, und, mehr als alles andere, seine Erfahrungen, die dünnen Fäden, wodurch er noch am Leben hängt, einen nach dem andern abreissen, erwacht hingegen das alte, nie ganz erloschne Gefühl seiner dämonischen natur wieder in seiner ganzen Stärke und in eben demselben verhältnis, wie der natürliche Trieb zum Leben die seinige verliert. Er sehnt sich immer ungeduldiger nach jenem höhern Leben der Wesen seiner Gattung; er fühlt, dass er den Menschen nur noch durch seinen Tod nützen kann, und beschliesst zu sterben. Gründe, die ihn bewegen, die Todesart des Hercules allen andern vorzuziehen, und vier Jahre zuvor öffentlich anzukündigen. Erwähnung der Cirkelbriefe, die er unmittelbar vor seinem Tod an alle Griechischen Städte abgehen liess, in der schwärmerischen Erwartung, dass sie, als der letzte Wille eines zur Bestätigung seiner Lehre sterbenden Weisen, gewaltig auf die Gemüter wirken, und ihn noch im tod selbst zum Wohltäter der ganzen Hellas machen würden. Peregrin beschliesst damit seine nicht selten auf Unkosten seines Verstandes aufrichtigen Bekenntnisse, indem er sich, wie es scheint, mit der Hoffnung tröstet, seinen neuen Freund überzeugt zu haben, dass er in seinem Erdeleben, wenn auch ein Schwärmer, wenigstens (was ziemlich selten ist) ein ehrlicher Schwärmer gewesen sei.
Zweiter teil.
Sechster Abschnitt.
Peregrin (fährt in seiner geschichte fort).
Nach etlichen Jahren erfolgte der Tod meines Vaters; plötzlich, aber niemand befremdend, da man, seiner Leibesbeschaffenheit und Lebensweise nach, schon lange voraus vermutet hatte, dass ein Stickfluss etwas früher oder später seinem Leben ein Ende machen würde. Keiner Seele in Parium, am wenigsten mir selbst, fiel nur der Gedanke einer Möglichkeit ein, dass nach mehrern Jahren die boshafteste Verleumdung fähig sein könnte, von diesem Umstande den Stoff zu jenem schändlichen Gerüchte herzunehmen, dessen dein ungenannter Redner zu Elis sich so boshaft und zuversichtlich gegen mich bedient hat. Das gute Vernehmen, welches immer zwischen meinem Vater und mir, der Verschiedenheit unsrer Grundsätze und Neigungen ungeachtet, verwaltete, und die achtung, in welche mein sittlicher Charakter und ein Betragen, das keiner Art von Verleumdung die mindeste Blösse gab, mich bei meinen Mitbürgern gesetzt hatte, machte einen solchen Argwohn eben so unnatürlich, als es die Tat selbst gewesen wäre. Meines Wissens hatte ich um diese Zeit in ganz Parium keinen Feind. Der einzige Menekrates, der seit mehrern Jahren alle deinen Todtengesprächen so meisterlich geschildert hast) angewandt hatte, um sich eine ansehnliche Stelle in dem letzten Willen meines Vaters zu verschaffen, liess mich einige Erkältung seiner Freundschaft spüren, nachdem sich bei Bekanntmachung des Testaments gezeigt hatte, dass seiner gar nicht darin erwähnt, und nur seine Gemahlin Kallippe, als Nichte meines Vaters, mit einem nicht sehr erheblichen Legat bedacht worden war. Die Wahrheit zu gestehen, auch diese Dame, die seit meiner Zurückkunft nach Parium ihre alten Ansprüche an mich bei jeder gelegenheit ohne Erfolg erneuerte, gab mir seit Eröffnung des Testaments wenig Ursache, sie für meine besondere Gönnerin zu halten; indessen kam ihr Missvergnügen doch zu keinem öffentlichen Ausbruch. Erst nachdem ich durch meine Entfernung von Parium, und durch das Gerüchte, dass ich unter die Christianer gegangen sei, ein Gegenstand des allgemeinen Tadels meiner Mitbürger geworden war,