zum letzten Act gespielt haben würde, sich, unter Begünstigung der Dunkelheit, unvermerkt an ihren Platz zu setzen, und das übrige in ihrem Namen vollends auszuspielen. Der arme Bacchus, von einer zweifachen Trunkenheit erhitzt, fand den Betrug, als er ihn endlich entdeckte, so angenehm, dass er in dem Taumel, worein der Zusammenfluss so vieler berauschenden Umstände seine Sinne setzte, mehr Bacchus war als einem Sterblichen geziemet. Mamilia liess nichts, was dem Charakter einer Bacchantin Ehre machen konnte, unversucht, ihn dazu aufzumuntern; und um dieses ächte Satyrspiel mit einem recht lustigen Ende zu krönen, musste zuletzt Ariadne an der Spitze eines Schwarms von Faunen, Satyrn, Mänaden, Amoretten und Nymphen, alle mit fackeln in der Hand, unversehens dazu kommen, und ihren Ungetreuen, unter einem ungezähmten Gelächter des ganzen Tyasos69, auf der Tat ertappen.
Dieser letzte Zug stellte den bestürzten After-Bacchus auf einmal in die vollkommenste Nüchternheit her, und der Zauber, unter welchem er so lange gelegen, war unwiederbringlich aufgelöst. Ein Mensch, der in einem entzückenden Traum an Jupiters Tafel mitten unter den seligen Göttern gesessen hätte, und im Erwachen sich von Gespenstern, Furien, Gorgonen und Harpyien umzingelt fände, könnte von keinem grauenvollern Erstaunen ergriffen werden, als ich, da ich mich in einer solchen Lage dem unsittigen Mutwillen einer solchen Gesellschaft Preis gegeben sah. Indessen behielt ich doch so viel Gewalt über mich selbst, dass ich die Bewegungen zurückhielt, deren Ausbruch meine Demütigung nur vergrössert, und die Entschliessung, die ich auf der Stelle fasste, vielleicht unausführbar gemacht haben würde. Aber sobald das Unvermögen es länger auszuhalten diesen Scenen der wildesten Schwärmerei endlich ein Ende machte, und die sämmtlichen Bewohner der Villa, die daran teil genommen hatten, in einen allgemeinen Schlaf versunken lagen: raffte ich mich auf, bekleidete mich mit der einfachsten Kleidung die ich finden konnte, und verliess, ohne von Mamilien und ihrer Freundin Urlaub zu nehmen, mit einem Vorrat neuer Begriffe und Erfahrungen, den ich mit dem Verlust meiner Unschuld und Gemütsruhe teuer genug bezahlt hatte, diesen verhassten Boden, ohne auch nur Einen blick auf die Wunder der natur und Kunst, womit er bedeckt war, zurückzuwerfen.
Lucian.
Vermutlich war diess gerade was die edle Römerin wollte. Denn, ich kann dir nicht bergen, dieses Bacchanal, und diese Abrede mit der ehrwürdigen Venuspriesterin Anagallis, hat mir ganz das Ansehen eines Anschlags, einen Menschen, der uns lästig zu werden anfängt, mit guter oder böser Art los zu werden. Die scharfsichtige Dioklea musste dich zu gut kennen, um die wirkung, die ein so übertrieben ausschweifendes Possenspiel auf dich tun musste, nicht voraus zu sehen.
Peregrin.
Ich denke du hast es getroffen, ob ich gleich noch immer glaube, dass Dioklea bei dieser ganzen Sache bloss einer allzu grossen gefälligkeit gegen ihre Freundin schuldig war. Wie es aber auch damit sein mochte, so war doch jeder Tag, um den ich eher aus diesen Sirenenklippen entrann, Dankes wert; und wenn ich ihn auch dem Ueberdruss der edlen Mamilia Quintilla schuldig gewesen wäre. Allein so viel Gutes traute ich ihr damals nicht zu; ich besorgte vielmehr, dass es der launischen und viel vermögenden Römerin leicht einfallen könnte, mir nachsetzen zu lassen. Diese unnötige Furcht bewog mich, sobald ich zu Halikarnass anlangte, anstatt den Weg gerade nach Milet zu nehmen, tiefer ins Land hineinzugehen; wo ich einige Wochen in grosser Verborgenheit damit zubrachte, dem was mit mir vorgegangen war nachzudenken, und zu überlegen, was für Mittel mir übrig geblieben sein könnten, das so übel verfehlte Ziel meiner Wünsche zu erreichen.
Vierter Abschnitt.
Lucian.
Ich muss gestehen, Freund Peregrin, dass du einen reichen Stoff zu Selbstgesprächen aus der Villa Mamilia mitgebracht hattest. Mit aller meiner Kälte kann ich mich doch so ziemlich in deine damalige Lage hineindenken, und ich zweifle sehr, ob sich eine schmerzlichere für einen Jüngling, der mit so hohen Erwartungen dahin gekommen war, ersinnen liesse.
Peregrin.
So wie du mich nun kennest, wirst du mir ohne Mühe glauben, dass das, was mich am meisten schmerzte, nicht der Verlust der Wollüste und Vergnügungen war, womit die schöne Römerin und ihre sinnreiche Freundin mich ein ganzes Jahr lang überfüllt hatten. Selbst die Vernichtung der schwärmerischen Hoffnungen, die mich nach Halikarnassus zogen, kränkte mich jetzt so wenig, dass ich im Gegenteil unbegreiflich fand, wie es möglich gewesen, dem Urbilde der Vollkommenheit eine Venus Urania, und dieser ein Marmorbild, das am Ende doch nur eine wollustatmende Erdentochter vorstellte, unterzuschieben. Meine ganze ehemalige Vorstellungsart hatte durch eine physische Folge meiner neuen Erfahrungen eine grosse Veränderung erlitten. Meine Einbildungskraft war abgekühlt. Alles was in meinen ekstatischen Träumen und Gesichten Täuschung gewesen war, erschien mir jetzt auch als solche; und ich glaubte deutlich zu sehen, wofern es ja möglich wäre, zu jener einst so feurig gewünschten Erhöhung meines Wesens und Empfänglichkeit für die Einflüsse der göttlichen Naturen zu gelangen, so müsste es wenigstens auf einem ganz andern Wege geschehen, als auf dem, der mich an der Hand der sehr unächten Tochter des Apollonius in die arme einer Venus Mamilia geführt hatte.
Aber, wenn gleich die Phantomen, die ich ehemals als Wahrheit liebte, verschwunden waren, so war doch der Raum noch da, den sie eingenommen hatten; und dieses ungeheure Leere wieder auszufüllen, wurde nun das dringendste meiner Bedürfnisse. Ich hatte mich verirrt; aber das Ziel,