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weit über die meisten Personen ihrer klasse erhob. Nachdem sie noch durch verschiedene andere hände gegangen war, und allerlei Abenteuer bestanden hatte, erschien sie zu Antiochia und Alexandria unter dem Namen Anagallis als die schönste und geschickteste Mimentänzerin, die man jemals in Syrien und Aegypten gesehen hatte. Sie zeigte sich nach und nach in dieser Eigenschaft in verschiedenen Provinzen des Römischen Reichs, und endlich in Rom selbst, wo sie einige der ersten Senatoren und Hofleute unter ihren Anbetern zählte. Nun erschien sie nicht mehr öffentlich auf dem Schauplatz, sondern lebte von den Einkünften ihrer Reize und Geschicklichkeiten, mit dem verschwenderischen Aufwand einer person, die es in ihrer Gewalt zu haben glaubt, sich überall die Mächtigsten und Reichsten zinsbar zu machen. Indessen hörte sie unvermerkt auf neu und jung zu sein, die Quellen ihres Aufwands flossen immer spärlicher, und sie fand sich endlich genötiget, in Gallien, Sicilien und Griechenland ihre vorige Profession wieder auszuüben. Da sie aber die grosse wirkung nicht mehr tat, die sie in der glänzendsten Zeit ihrer Blüte zu tun gewohnt worden war, so gab sie diese Lebensart wieder auf, veränderte ihren Namen, und gesellte sich zu einer in Pontus, Cappadocien und Syrien herumwandernden Bande von Isispriestern, deren Gewerbe sie durch ihre erfinderische Einbildungskraft und die Mannichfaltigkeit ihrer Talente sehr einträglich zu machen wusste. In dieser Epoche ihres Lebens, fuhr die Nymphe fort, war es, wo sie sich mit allen den goëtischen, magischen und teurgischen Mysterien und Künsten vertraut machte, wodurch sie geschickt wurde, einige Zeit darauf, als die besagte Bande durch ein unangenehmes Abenteuer aus einander getrieben worden war, die Rolle einer vorgeblichen Tochter des göttlichen Apollonius zu spielen, und unter dem Schutze der Römerin Mamilia Quintilla, einer erklärten Liebhaberin alles Ausserordentlichen, eine Art von Orakelbude in dem heiligen Hain der Venus Urania, der ein Zugehör ihrer Halikarnassischen Güter ist, aufzurichten. Der Name einer Erbin der Wissenschaften des grossen Apollonius, der mystische Schleier worein sie sich hüllte, ihre sonderbare Lebensart, und die vielerlei Gerüchte, die sie von ihrer prophetischen Gabe, ihrem geheimen Umgang mit den Göttern, und den Wunderdingen die sie verrichtet hätte, unter das Volk zu bringen wusste, fing schon an in Karien und den benachbarten Gegenden zu wirken, und gab der Prophetin gute Hoffnung, in dem Aberglauben begüterter Toren eine neue ergiebige Quelle von Einkünften zu finden: als die Entschliessung der Dame Mamilia, diese Villa zu ihrem gewöhnlichen Aufentalte zu machen, der ganzen Sache eine andere Wendung gab. Dioklea wurde nun bekannter mit der edlen Römerin, und bemächtigte sich in kurzem ihrer Zuneigung in einem so hohen Grade, dass sie die vertrautesten Freundinnen wurden: und da die Prophetin kein geheimnis mehr für ihre neue Freundin hatte, so wurde beschlossen, dass sie die angefangene Rolle, wiewohl mit verschiedenen Abänderungen die zu Mamiliens Absichten nötig schienen, fortsetzen sollte. Die Mysterien der Venus Urania, zu deren Priesterin sie sich aufwarf, schienen der wollüstigen Römerin eine Menge unterhaltender Scenen zu versprechen, wodurch sie das Einförmige des ländlichen Lebens zu vermannichfaltigen, und ihrem Hang zu romantischen Einfällen und sonderbaren Liebesabenteuern Nahrung zu geben hoffte. Dioklea ordnete alle Einrichtungen an, die in den Gebäuden und Gärten der Villa zu diesem Ende für dienlich gehalten wurden, alles ging nach Wunsch von Statten, und schon mancher Unvorsichtige hatte sich in den Schlingen gefangen, die der treuherzigen oder lüsternen Jugend hier überall gelegt waren, ehe mein Verhängniss, oderum die Sache mit ihrem rechten Namen zu nennen, meine Torheit mich, wiewohl auf meine eigene Weise, zu ihrem Nachfolger machte. Es wäre, setzte die geschwätzige Nymphe hinzu, zwischen den beiden Sirenen verabredet, dass Mamilia die Unglücklichen, die ihnen in die Klauen gerieten, sobald ihr die Phantasie zu ihnen vergangen wäre, ihrer dienstfertigen Freundin überliesse. Dieses schreckliche Schicksal würde, wofern ich es nicht bereits erfahren hätte, auch das meinige sein. Sie schilderte mir hierauf die Dame mit den vielen Namen als eine wahre Zaubrerin; es sei nicht anders möglich, sagte sie, das Weib müsse unerlaubte magische Mittel dazu gebrauchen, um die feinsten Männer so unbegreiflich zu verstricken, dass sie in einer Hetäre, die der halben Welt angehört habe, und die ohne die hülfe der Färbekunst, des Pinsels und aller nur ersinnlichen Geheimnisse des Putztisches, der Kumäischen Sibylle gleich sehen würde, die liebenswürdigste person ihres Geschlechtes zu umarmen glaubten. Aber diess sei gewiss, dass ich mir vergeblich schmeicheln würde, jemals diesen Ort verlassen zu können, so lange Dioklea mich zurück behalten wolle; und ich könnte versichert sein, dass sie diess so lange wolle, bis sie mich durch ihre verderblichen Liebkosungen zum Schatten abgemergelt, und in ein wahres Gespenst verwandelt haben werde.

Die Lebhaftigkeit, womit die schöne Myrto diese Uebertreibungen vorbrachte, hatte mir ihre Absicht bei der ganzen Vertraulichkeit schon verdächtig gemacht, als sie, nach einer kleinen Pause, mit dem Tone des zärtlichsten Mitleidens und mit aller Verführung, die sie in ihre schwarzen Augen legen konnte, fortfuhr: der Gedanke, dass ein so liebenswürdiger Mann wie ein Wachsbild an dem Zauberfeuer einer so schändlichen Empuse dahin schmelzen sollte67, sei ihr unerträglich; sie hätte seit dem ersten augenblicke, da sie mich in der Felsenwohnung gesehen, einen Anteil an mir genommen, der sie zu meiner genauen Beobachterin gemacht habe; sie finde mich eines bessern Looses würdig; und kurz, wenn ich ihre uneigennützige Freundschaft mit einiger Gegengunst belohnen wollte, so fühle sie sich stark genug, mir alle