Tochter des Apollonius nicht ohne das Vergnügen erinnern, welches den Gedanken, irgend etwas Schönes oder Gutes in seiner höchsten Vollkommenheit genossen zu haben, natürlicherweise begleitet. Wie weit war die Römerin auch in diesem Stücke unter der seiner organisierten, seelenvollern, erfindungsreichern Griechin, die, von allen Musen und Grazien mit ihren Gaben überschüttet, einige Jahre lang unter andern Namen, als Mimentänzerin die Augenlust und der angebetete Liebling der halben Welt gewesen war!
Lucian.
Du kannst dich nun verbrennen wenn du willst, Peregrin! Du hast gelebt, und in einer einzigen Woche auf der Villa Mamilia zu Halikarnass des Lebens mehr genossen, als Millionen Menschen in der ganzen Zeit ihres Daseins.
Peregrin.
Gut! Aber ehe wir zu jenem letzten und höchsten
Lebensgenuss, zu meinem Verbrennen kommen, Lucian, wirst du wohl noch einige Scenen meines Lebensmimus (wie es Cäsar Augustus nannte) anhören müssen, die zur Vorbereitung dieses letzten Auftritts notwendig waren.
Lucian.
Für jetzt bin ich nur begierig zu sehen, wie du dich aus den Händen zweier so gefährlichen Personen, als deine Venus Mamilia und ihre Priesterin zu sein scheinen, retten wirst.
Peregrin.
Wiewohl Dioklea die priesterliche Maske mit der Gleichgültigkeit einer Schauspielerin, die ihre Teaterkleidung von sich wirft, abgelegt hatte, so war sie doch viel zu klug, meinen Entusiasmus, durch dessen magische wirkung sie Vorteile, die ihr nicht gleichgültig zu sein schienen, über mich gewonnen hatte, geradezu bestreiten zu wollen. Sie suchte ihm nur eine andere Richtung zu geben, und unvermerkt den Gedanken in mir zu veranlassen, dass es keine andere Göttinnen gebe als liebenswürdige Weiber, und keine höhere Magie als den Zauber ihrer Reizungen und des Instinkts der uns zu ihnen zieht; und diesem Plan zufolge fand sie für gut, mir in einer vertraulichen Stunde den Schlüssel zu dem ganzen Zauberspiele zu geben, dessen Held ich, ohne es zu merken, gewesen war.
Nachdem sie mir von Mamiliens person und Charakter, und von ihrer eigenen Verbindung mit dieser Römerin, so viel als ich (ihrer Meinung nach) zu wissen brauchte, entdeckt hatte, sagte sie mir: diese Dame werde durch gewisse Kundschafter, welche sie zu Halikarnass und an verschiedenen noch entferntern Orten halte, so gut bedient, dass sie schon am ersten Tage meiner Ankunft eine ziemlich genaue Beschreibung meiner person erhalten habe. Da ihre Aufmerksamkeit dadurch nicht wenig gereizt worden sei, habe sie nicht nur alle meine Schritte aufs genaueste beobachten lassen, sondern auch bald Mittel gefunden, aus meinem alten Diener (einem arglosen und kurzsinnigen Phrygier) so viel von meinen Lebensumständen auszufischen, dass der Anschlag, sich meiner auf die eine oder andere Art zu bemächtigen, schon vor dem Empfang meines seltsamen Briefes an die göttliche Dioklea eine beschlossene Sache gewesen sei. Dieser Brief (sagte Dioklea), indem er die schöne Römerin mit einem Charakter bekannt machte, der allen möglichen Reiz der Neuheit und des Wunderbaren für sie hatte, trieb ihre Vorstellung von der Wichtigkeit deiner Eroberung auf den höchsten Grad, und zeigte uns zugleich den einzig möglichen Weg, auf welchem sie zu machen war. Wie viel Dank wurde jetzt dem Unbekannten gesagt, der vor mehrern hundert Jahren einen teil der Waldungen, welche zu Mamiliens Halikarnassischen Gütern gehörten, der Venus Urania geheiligt hatte! Wie glücklich pries man sich, dass man den Einfall gehabt hatte, der Göttin, statt ihres alten in Ruinen gefallnen Capellchens, den schönen marmornen Tempel aufzuführen, und ihn mit den Hauptgebäuden der Villa, besonders mit demjenigen, welches zu teatralischen Vorstellungen eingerichtet war, in unmittelbare Verbindung zu bringen! – Der Plan und die Ausführung gab sich nun von selbst; und die wenigen Tage, die du in dem heiligen Hain und bei mir in meiner Felsenwohnung zubrachtest, waren völlig hinreichend, alle zu unserem Zauberspiele nötigen Maschinen in Bereitschaft zu setzen.
Du begreifst nun, fuhr Dioklea fort, wie natürlich es zuging, dass du auf deinen Brief ohne Namen eine Antwort mit der Aufschrift, an Peregrinus Proteus von Parium, auf deinem Schoosse fandest, als du im Hain aus einem Schlafe erwachtest, der, ohne dass du es merktest, sehr genau beobachtet worden war. Mamilia, die vor Ungeduld brannte den wunderbaren Jüngling selbst in Augenschein zu nehmen, hatte ihn mit eigner Hand auf deinen Schooss gelegt. Der schlafende Endymion kann schwerlich seine Göttin stärker bezaubert haben als du die deinige, da sie dich, wie in einem süssen Traume, in der schönsten Beleuchtung des durch einige Zweige gebrochnen Mondlichtes, vor sich liegen sah. Du wirst mir, da du die Lebhaftigkeit dieser feurigen Römerin nun kennst, gern glauben, dass ich alle Mühe von der Welt hatte, sie wieder wegzubringen, ehe sie sich, durch den Kuss den sie dir geben wollte, in Gefahr setzte, den schlummernden Träumer zur Unzeit aufzuwecken. Mir kostete diese Scene meinen Schlaf; denn ich musste den ganzen Rest der Nacht an Mamiliens Bette zubringen, um die Ergiessungen ihrer leidenschaft anzuhören, und ihre Ungeduld durch die Beschreibung aller Maschinen, die zu ihrem Vorteile zusammenspielen sollten, einzuschläfern. Wir konnten nicht zweifeln, dass die blosse Versetzung in einen so romantischen, mit lauter schönen Gegenständen angefüllten Ort, verbunden mit dem Scheine des Wunderbaren, den alles von sich werfen sollte, auf einen Neuling, den seine eigene Schwärmerei und die ihm unbewusste Magie des noch mit seiner ganzen Stärke wirkenden Naturtriebes so ganz wehrlos in unsre hände lieferte, schon sehr viel zur Beförderung unsers Anschlages tun würde. Aber das meiste