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es dem Christentum ist, wusste man gleichwohl mit ihm in Verbindung zu bringen. 5 Jene entielt das allgemein Mitteilbare, was auch ausserhalb der Schule jeder wissen durfte, diese das Geheimnis der Schule. 6 Die Paphlagonier waren wegen Stumpfheit des Verstandes und Rohheit in üblem Rufe. 7 Der Akolut in der Christianischen Kirche war eins Art Küster, Diener der Diakonen, der ihn in allen Amtsverrichtungen begleitete, beim Gottesdienste die Lichter anzündete, bei Einweihung und Ordination ein Wachslicht in der Hand hielt, und für Reinigung der Kirche und kirchlichen Gefässe sorgte.

Siebenter Abschnitt.

8 So hiessen diejenigen Schüler des Pytagoras, vor welchen er nichts Geheimes hatte. W. 9 Vergl. die natur der Dinge, Anm. 8. zu 1. Buch, Bb. 25.

Achter Abschnitt.

10 Ungefähr drei Groschen. 11 S. das Schiff oder die Wünsche in Lucians Werken, übers. von Wieland Bd. 1. S. 317 fg. 12 S. Bd. 10. S. 521 ff. 13 Demetrius, war ein griechischer Philosoph der Cynischen Schule, der sich unter der Regierung des Caligula, Claudius und Nero zu Rom aufhielt. Seneca gedenkt seiner öfters aufs rühmlichste. So sagt er im 62sten Briefe: von Demetrius, dem besten der Männer, lasse ich nicht ab; ich verlasse die Bepurpurten; mit diesem Halbnackten spreche ich, ihn bewundre ich. Und wie sollte ich ihn nicht bewundern? Ich sehe, dass ihm nichts mangelt. Es kann jemand alles verachten; alles haben niemand. Der kürzeste Weg der zu Reichtum führt, ist Verachtung desselben. Unser Demetrius aber lebt, nicht als ob er alles verachtete, sondern als ob er andern alles überlassen habe. Man vergleiche die Stelle de beneficiis K. 8. 9. 14 Dieses Namens wurden zwei hingerichtet Cäcina Pätus hatte in dem Aufstande gegen Claudius des Seribenianus Partei ergriffen, und wurde zum tod verurteilt. Seine Gemahlin Arria, die ihn auch im tod nicht verlassen und diesen ihm erleichtern wollte, stiess sich zuerst den Dolch in die Brust, reichte ihn dem Gemahl, und sagte: es schmerzt nicht, Pätus. – Dieser Arria gleichnamige Tochter war vermählt an Traseas Pätus, von welchem hier die Rede ist. Er wurde unter Nero zum tod verurteilt, und da man ihm die Wahl des Todes liess, wählte er Oeffnung der Adern. Seine letzten Tage brachte dieser tugendhafte Mann, in Erwartung des gegen ihn gefällten Spruches, in seinen Gärten zu, und unterhielt sich eben mit Demetrius über die natur der Seele und deren Trennung von dem Körper, als ihm das gefällte Urteil bekannt ward. Seiner Gemahlin, die dem Beispiel ihrer Mutter folgen wollte, riet er im Leben zurückzubleiben, und der gemeinschaftlichen Tochter nicht die einzige Stütze zu rauben, begab sich mit seinem Schwiegersohn Helvidius und Demetrius in das Schlafgemach, und liess sich die Adern öffnen. Das erste Blut spritzte er auf die Erde, und sagte: diess opfere ich Jupiter dem Befreier! Hierauf zu Helvidius: merke auf, junger Mann! Zwar mögen die Götter schlimme Vorbedeutung abwenden, deine Geburt aber ist in eine Zeit gefallen, wo es frommt, durch Beispiele der Standhaftigkeit das Gemüt zu stärken. – Nun heftete der langsam Sterbende den blick auf Demetrius; – leider aber bricht hier des Tacitus Erzählung ab, und seine Annalen schliessen mit diesem Blicke des tugendhaften Sterbenden. 15 Lucian ist der einzige, der von diesem Philosophen spricht, in welchem er das Ideal eines Weisen schildert. Er scheint ihn also bloss zum Contrast mit den damaligen Philosophen Roms unter den Antoninen erdichtet zu haben. Lucians Dialog Nigrinus s. in Wielands Uebersetzung Bd. 1 S. 18 fgg.

Neunter Abschnitt.

16 Weiberhass. 17 Ein durch drei Anticyren unheilbares Haupt. So nennt Horaz einen schlechten Dichter, der von Wut der Versmacherei nicht geheilt werden kann. Auf der Insel Anticyra wuchs viel Nieswurz, deren Gebrauch gegen die Tollheit helfen sollte. 18 Platon setzte die vernünftige Seele in das Haupt, die begehrende in die Brust, und die tierische unter das Zwerchfell in den Unterleib. Der Grund errät sich leicht. 19 War bei den Stoikern keineswegs völlige Fühllosigkeit für Vergnügen und Schmerz, sondern Uebermacht der Vernunft über die Macht der sinnlichen Eindrücke und der Affecte. 20 S. 137. K ü n f t i g e A u g u s t a – Augusta (die Erhabene) war der Titel, welchen die Gemahlinnen der römischen Kaiser führten, welcher selbst Augustus hiess. 21 Augusta (die Erhabene) war der Titel, welchen die Gemahlinnen der römischen Kaiser führten, welcher selbst Augustus hiess. 22 In seiner Schilderung von dem Cyniker Demonax erzählt Lucian einige Anekdoten von diesem Herodes Attikus, dessen früher schon gedacht worden ist, wobei Wieland bemerkt: "Dieser zu seiner Zeit so ausgezeichnete Mann hatte bei einem fürstlichen Ansehen und Vermögen, wie es scheint, auch fürstliche Launen, und weiter könnte es doch wohl kein poetischer Schach oder Sultan treiben, als schlechterdings nicht leiden zu wollen, dass ihm ein Liebling gestorben sei, und alles in der Welt zu tun, um sich selbst in der Illusion, dass er noch lebe, zu erhalten." Herodes gab nicht nur Befehl, dass der Gestorbene in seinem haus noch immer so bedient werden musste als ob er noch da wäre und lebte: er verlangte sogar von seinen Freunden, dass sie sich nach dieser Grille richten sollten, und fand sich geschmeichelt, da sie es