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, eh' ich ihr entwischen konnte, zu einer Unterredung nötigte, worin sie nichts vergass, was vielleicht jeden andern in meiner Lage hätte bewegen können, den Antrag, den sie mir mit der jungfräulichsten Bescheidenheit im Namen der Prinzessin machte, dankbarlich anzunehmen. Aber die schöne Myrto fand einen Mann vor sich, dem die unvergessliche Mitternachtsstunde und der Hermaphrodit, dem er aufgeopfert worden war, seine ganze Apatie wiedergegeben hatte. Ihre Eigenliebe wurde schon bei diesem ersten Versuche durch die Kälte und Unbeweglichkeit, die ich ihr entgegen setzte, so empfindlich beleidigt, dass ihr alle Lust zu einem zweiten verging.

Einige Wochen verflossen, ohne dass ich von ihr oder Faustinen weiter etwas hörte, oder mich um sie bekümmerte. Aber einsmals, da ich in der Abenddämmerung auf den Esquilien einsam herumirrte, nahte sich mir eine verschleierte Gestalt, welche mich um einige Augenblicke Gehör bat. Ich folgte ihr hinter eine Gruppe von Bäumen, und sobald sie sicher zu sein glaubte dass sie von niemand gesehen werde, gab sie sichfür meine alte FreundinDioklea zu erkennen.

Ihr Anblick versteinte mich beinahe im eigentlichen verstand dieses Wortes. Dioklea! wollte ich ausrufen, aber das Wort erstarrte auf meinen Lippen. Sie schien die wirkung, die ihre so unverhoffte Erscheinung auf mich tat, keiner Aufmerksamkeit zu würdigen. Faustina, sagte sie mit ruhigem Ernst, hat erfahren, dass du dich durch das, was zwischen ihr und dir vorgegangen, berechtigt hältst, übel von ihr zu sprechen. Die Rede geht sogar, man habe dich vor ziemlich vielen Zuhörern von dem Kaiser ihrem Vater, und von ihrem Gemahl, den sie über alle Anfälle der Satyre hinweg gesetzt glaubte, in sehr unziemlichen Ausdrücken reden gehört. Die Prinzessin ist geneigt, diese unbedachtsamen Ergiessungen einer allzu reizbaren Galle deiner Menschlichkeit zu gut zu halten: aber sie bittet dich, um deiner eigenen Ruhe willen, die Stadt unverzüglich zu verlassen, und hofft, dass du diesen von ihr selbst gestrickten Beutel, zum Behuf deiner Rückreise nach Griechenland, als ein Zeichen ihres guten Willens annehmen werdest. Mit diesen Worten überreichte sie mir einen ziemlich grossen Beutel, der dem Ansehen nach mit Gold angefüllt war.

Es war immer eine von meinen unglücklichsten Eigenheiten, dass ich in Fällen, wo ich zwischen zwei entgegen gesetzten Parteien auf der Stelle wählen musste, immer die ergriff, die ich nach besserer überlegung wünschen musste nicht genommen zu haben. Offenbar war es höchst unklug, die Bitte der Prinzessin für etwas anderes als einen milderen Befehl anzusehen; und eben so unschicklich war es, ihr Geschenk mit Verachtung von mir zu weisen. Aber mein Gemüt war noch zu sehr verstimmt, und das Gelächter hinter dem Vorhang und die fatalen Worte – "Ich habe die Wette gewonnen, Flaviana!" – ertönten noch zu stark in meiner Seele als dass ich diese Botschaft einer Dame, von welcher ich mich so unverzeihlich gemisshandelt glaubte, aus dem mund einer alten Freundin, die mich das zwischen uns bestehende Missverhältniss auf eine so kränkende Art fühlen liess, so gut hätte aufnehmen können wie sie gemeint war.

Ich antwortete trotzig: ich wäre mir keines Verbrechens bewusst, das mich der freien Wahl meines Aufentalts, die mir als einem Römischen Bürger zukomme, berauben könnte. Was die milde Gabe der Prinzessin betreffe, so brauchte ich zu meinen Bedürfnissen nur Obolen; und da ich deren gerade so viele hätte als ich brauchte, so bäte ich sie, ihr Gold einem andern zuzuwenden, der dessen bedürftiger wäre als Proteus. – Und nach dieser impertinenten Gegenrede wandte ich Diokleen, die einen blick voll kalter Verachtung auf mich heftete, mit aller Selbstzufriedenheit eines Menschen, der unverbesserlich geantwortet zu haben glaubt, den rücken zu, und ging davon.

Kaum war der nächste Morgen angebrochen, so wurde ich zum Präfect der Stadt Rom berufen. Ich zweifelte nicht, dass mir der Vorgang am gestrigen Abend diese Ehre zuzöge, und versah mir daher wenig Gutes zu ihm. Aber es war mein los, die Menschen immer anders zu finden als ich sie erwartete. Der Präfect nahm mich auf die Seite, und sagte mir mit einem sehr strengen blick, aber mit einem eben so sanften Ton der stimme: er habe Ursache zu glauben, dass die Luft und der Aufentalt zu Rom mir ganz und gar nicht zuträglich sei, und wolle mir also, als mein guter Freund, geraten haben, mich ohne Verzug aus Italien zu entfernen, und nach Griechenland oder Aegypten zurückzukehren. – Ja wohl, rief ich, ist die Luft von Rom Pest für mich! Dein Rat ist ein Befehl meines guten Dämons; ich gehorche ihm auf der Stelle. Und hiermit flog ich meiner Herberge zu, packte meinen Quersack, und machte mich noch in der nämlichen Stunde auf den Weg nach Brundusium.

Lucian.

Du eilest, wie ich sehe, zur entwicklung der seltsamen Tragikomödie deines Lebens; und doch kann ich dich nicht mit der Frage verschonen, durch welchen seltsamen Zufall wir die Schwester des Propheten Kerintus, die wir als eine eifrige Teilnehmerin an seinen weitgränzenden Entwürfen verliessen, so unvermutet unter den Hausgenossen der schönen Faustina wiederfinden?

Peregrin.

Eine völlig befriedigende Auskunft über diesen, auch mir damals sehr unerwarteten Zufall, würde eine umständliche geschichte des Fortgangs und Ausgangs der Unternehmungen dieses ausserordentlichen Mannes erfordern, welche du bei gelegenheit besser aus eben der Quelle, woraus ich sie selbst habe, nämlich aus seinem oder Diokleens eigenem mund, schöpfen wirst. Alles was ich dir mit wenigem