ihr meinen Schmerz über den Verlust so seliger Stunden auf eine Art zu erkennen zu geben, die mich zum Mitleiden einer Frau, die mir schon so viel Güte gezeigt hatte, berechtigte. Du bist für einen Endymion ein wenig dringend, mein lieber Proteus, sagte sie: doch, ich beurteile deine Empfindungen nach den meinigen. Auch ich entsage diesen angenehmen Unterhaltungen zwischen Seele und Seele, die durch das Elysische einer stillen Mondnacht so schön befördert werden, ungern: aber, was kann ich tun, sie dir zu ersetzen?
Ein tiefer Seufzer war alles, was der bezauberte Wahnsinnige darauf antworten konnte.
Ich will sehen was möglich ist, fuhr sie nach einigem Bedenken fort; du sollst in kurzem wieder von mir hören. Aber, wenn ich mich nun, um deinen und meinen Wunsch zu befriedigen, genötiget fände, deinen Platonismus auf eine etwas harte probe zu stellen?
Ich glaubte zu erraten was sie damit sagen wollte, und schwor ihr bei der himmlischen Cytere und den Grazien des Sokrates, sie würde, auf welche probe sie mich auch stellen wollte, niemals Ursache finden, sich ihr Zutrauen gegen mich gereuen zu lassen.
Die schöne, aber ein wenig leichtfertige Gemahlin des Kaisers Marcus war nun am rand der Ausführung ihres Plans. Sie spielte mir übel mit, und ich hab' es ihr längst vergeben: aber was ich mir selbst nie vergeben werde, war die Blindheit, mit welcher ich in ihre –
Lucian.
– von dir selbst gewebten –
Peregrin.
– Schlingen fiel. – Gut! – auch diess vermehrt die Vorwürfe, die ich mir zu machen habe.
Lucian.
Wunderliche Seele! wozu? Sie kommen nun zu spät; und es ist, däucht mich, klar, dass deine Eitelkeit damals eine solche Demütigung noch nötig hatte.
Peregrin.
Wie gross auch meine Schuld bei diesem allen war, so würdest du mir doch Unrecht tun, wenn du glaubtest, dass ich, mitten in diesen Ausschweifungen meiner leidenschaft für die schöne Faustina, mich auch nur des leisesten Anschlags auf ihre Tugend schuldig gemacht hätte. Im Gegenteil, meine Schwärmerei (wie du es nennen wirst) ging so weit, dass ich, falls es möglich sein sollte dass Faustina schwach würde, fest entschlossen war, ihrer guten Seele mit der meinigen zu hülfe zu kommen, und dass ich sogar auf diesen Fall hin eine Menge der sublimsten und herzrührendsten Sachen, die ich ihr sagen wollte, in Bereitschaft hielt.
Lucian.
Diess, lieber Peregrin, werde ich, – der ich in meinem Leben nie der Tugend, sondern nur der falschen oder übertriebenen Anmassungen einer dem Menschen nicht gegebenen Vollkommenheit gespottet habe – diess, Peregrin, werde ich nie Schwärmerei nennen. Aber dass du dich vorsetzlich in den Fall setztest, dir selbst vielleicht nicht Wort halten zu können; dass du, nach so manchen Erfahrungen des Gegenteils, – auf den blossen Triumph hin, den dein Eigensinn über eine Alexandrinische Hetäre erhalten hatte – dir selbst eine Stärke zutrautest, die sich kein Sterblicher eher, als bis er ohne seine Schuld in dem Fall ist ihrer zu bedürfen, zutrauen soll: das nenne ich Schwärmerei!
Peregrin.
Gib dich zufrieden, Freund Lucian! du wirst mich streng genug dafür büssen sehen. Es vergingen einige Tage, ohne dass ich die Prinzessin auf ihren gewöhnlichen Spaziergängen wieder zu sehen bekam, wiewohl ich sie überall, selbst in der Grotte, wo ich sie einst schlafend gefunden hatte, aufsuchte. Aber am vierten oder fünften Tage nach unsrer letzten Zusammenkunft, da ich zur gewöhnlichen Morgenstunde in einem Gange, der zum Tempel der Grazien führte, traurig auf und nieder ging, fiel ein Granatapfel vor mir nieder, in dessen Krone ich ein kleines Papier stecken fand. Ich entfaltete es mit zitternder Freude, und las ungefähr folgende Worte: "Du kannst die ausserordentliche probe, die du von meinem Vertrauen auf deine Gesinnungen erwartest, nicht lebhafter wünschen, als ich wünsche, was ich für dich tue durch dein Betragen gerechtfertigt zu sehen. Hast du noch Mut, die probe, worauf ich dich dadurch stelle, zu bestehen, so finde dich eine Stunde vor Mitternacht bei dem Seitenpförtchen ein, das aus der Galerie des Apollo in die Rosengebüsche führt, und folge dem, den du daselbst antreffen wirst."
Beides, die hohe Meinung, die ich von der Unschuld und Güte der schönen Faustina hegte, und das Vertrauen auf die Stärke meines eigenen Vorsatzes, war zu gross, als dass mein Entzücken über diesen mehr gewünschten als gehofften Beweis ihrer Gesinnung gegen mich durch den mindesten Zweifel hätte unterbrochen werden können. Die Zwischenzeit, die einem andern Liebhaber eine Ewigkeit geschienen hätte, verfloss mir unter wonnevollen Vorgefühlen unvermerkt; kaum hatte ich mich in den schönsten Tagen meiner Jugend, selbst im heiligen Haine der Venus Urania zu Halikarnass, so entkörpert, so ganz Dämon gefühlt, als in der Erwartung dieser heiligen Mitternachtsstunde, in welcher der Bund einer ewigen Liebe zwischen der schönsten aller Seelen und der meinigen beschworen werden sollte.
Sie kam endlich. Die kleine Pforte öffnete sich; eine junge Sklavin nahm mich bei der Hand, und führte mich durch eine Menge dunkler Gänge in ein hell erleuchtetes und fürstlich ausgeschmücktes Gemach, dessen offne Mitteltür in eine Reihe kleiner Zimmer führte, welche ich zu durchwandern hatte, um zu der Göttin zu gelangen, die in dem letzten derselben ihres seligen Endymions wartete. In jedem der Zwischengemächer, aus welchen mir der lieblichste Wohlgeruch entgegen duftete, nahm die