und des Plans meines künftigen Lebens erklärte: da ich künftig nur sehr wenig bedürfen und Parium ungesäumt verlassen würde, um zu dem weisen Agatobulus nach Alexandrien zu reisen, so glaubte ich von meinem väterlichen haus und von dem Landgute meines Grossvaters keinen edlern Gebrauch machen zu können, als indem ich, wie hiermit geschehe, meinen geliebten Mitbürgern, dem volk von Parium, eine mündliche und in gehöriger Form schriftlich beurkundete Schenkung davon machte.
Die wirkung, welche diese Handlung auf die untern Volksclassen tat, denen nach meiner Verordnung die Einkünfte jener Grundstücke vornehmlich zu gut kommen sollten, hat dein Ungenannter (der sich in allen unbedeutenden Dingen immer genau an die Wahrheit hält) so richtig beschrieben, dass ich nichts weiter davon zu sagen brauche. Ich war nun auf einmal an meinen Verwandten gerochen, und bei meinen Mitbürgern gerechtfertigt. Aber während die Lüfte von Lobpreisungen und Segnungen des edlen, grossmütigen und weisen Peregrinus erschallten, schlich ich mich aus dem Getümmel fort, und verliess Parium mit den Empfindungen, die seine Einwohner wert waren, auf immer.
Ein kleiner Meierhof in Bitynien, und einige böse Schuldforderungen aus der väterlichen Verlassenschaft, welche ich noch in Taurien einzutreiben hatte, wenn ich die Reisekosten daran wagen wollte, machten nun den ganzen Rest meines ehemaligen Vermögens aus. Das Gütchen warf etwas über vierhundert Drachmen jährlich ab. Ich machte also den Ueberschlag, dass mein Einkommen, insofern meine tägliche Ausgabe die Summe von vier Obolen10 nicht überstiege, zu den unentbehrlichsten Bedürfnissen meines tierischen Teils hinreichen würde, und damit hielt ich mich für reich genug. Hatte Sokrates jemals mehr, oder Antistenes und Diogenes nur so viel gehabt? Nur der Schmutz – mit deiner erlaubnis, Lucian –
Lucian (lachend).
Was für ein Gedächtniss du hast, Peregrin! Wie? du erinnerst dich noch der ziemlich schmutzigen Tunica, worin ich dich in meiner Erzählung vor dem Scheiterhaufen paradiren liess?
Peregrin.
Wäre sie zufälliger Weise (wie es sich doch auch hätte fügen können) just schneeweiss gewesen, so würdest du es mir, in der Laune worin du damals warst, zur Hoffart ausgedeutet haben. – Der Schmutz also – war das einzige, worüber ich mit dem Cynismus capitulierte; ich wollte, im Notfall, lieber tierischer essen, um etwas menschlicher gekleidet zu sein. Ich machte mir also zum Gesetz, das wasser nicht zu sparen, da ich es doch beinahe überall, so gut als die freie Luft, umsonst haben konnte. Indessen gestehe ich gern ein, dass ich keinen Anspruch an den Titel eines eleganten Cynikers machte. Ich vertauschte nun den Namen Peregrinus, den ich unter den Christianern geführt hatte, wieder mit dem Namen meines Grossvaters Proteus, und schickte mich zu meiner Reise nach Aegypten an, über welcher, da ich sie zu fuss machte, und überall, wo die natur meinem geist oder gute Menschen meinem Herzen Nahrung gaben, verweilte, beinahe ein ganzes Jahr verstrich.
Aber, ehe ich zu meinem Aufentalt bei Agatobulus komme, muss ich noch mit zwei Worten berichtigen, was der Ungenannte zu Elis von dem vergeblichen und schimpflichen Processe sagt, den ich mit den Parianern wegen der bewussten Schenkung vor dem Kaiser geführt haben sollte. Es ist, wie an allen seinen Anekdoten, etwas Wahres auch an dieser, aber mit so viel Unwahrheit vermischt, als er nötig hatte, damit eine an sich sehr unschuldige Handlung mich bei seinen Zuhörern zugleich lächerlich und verächtlich machen müsste. Die Sache verhielt sich so.
Es waren einige Jahre verstrichen, ehe meine Verwandten zu Parium erfuhren, dass ich das vorerwähnte kleine Gütchen in Bitynien, woraus ich meinen notdürftigen Unterhalt zog, aus dem allgemeinen Schiffbruche meines Vermögens gerettet hätte. Der Streich, den ich ihrer Bosheit durch die mehr erwähnte Schenkung gespielt hatte, war zu empfindlich, als dass sie nicht jede gelegenheit, sich desswegen zu rächen, mit Begierde hätten ergreifen sollen. Sie zeigten also die gemachte Entdeckung dem Volk an, und behaupteten: da ich mir in der Schenkung, die ich der Stadt Parium von meinen noch übrigen liegenden Gründen gemacht, nichts ausdrücklich vorbehalten hätte; so wäre unstreitig auch der Bitynische Meierhof darunter begriffen, und die Stadt wäre nicht nur vollkommen berechtiget denselben als ihr Eigentum anzusprechen, sondern auch den Ersatz der seit mehrern Jahren von mir bezogenen Nutzniessung zurückzufordern. Die Parianer liessen sich diess wohlgefallen, und fanden bei dem Stattalter von Bitynien so gutes Gehör, dass sie ohne weitere Untersuchung in augenblicklichen Besitz gesetzt wurden. Ich befand mich damals noch zu Alexandrien, und erfuhr diesen Vorgang nicht eher als durch das Ausbleiben meines kleinen Einkommens, welches mir jährlich durch die Vermittelung eines alten Freundes zu Smyrna (eines ehemaligen Freigelassnen meines Vaters) zugeflossen war. Die Verlegenheiten, in welche ich dadurch gesetzt wurde, nötigten mich an die Parianer zu schreiben, und ihnen mit allem nur möglichen Glimpf vorzustellen: wenn ich mich auch in der Schenkungsurkunde unvorsichtiger Weise so ausgedrückt hätte, dass sie meinen eignen Buchstaben gegen mich geltend machen könnten; so forderte doch die Billigkeit von ihnen zu bedenken, dass es unmöglich meine Meinung habe sein können, mich selbst zu ihrem Vorteil sogar des Unentbehrlichsten, was ich zum Leben nötig hätte, zu berauben. Weil aber diese Vorstellungen ohne wirkung blieben, wandte sich mein Smyrnischer Freund, wiewohl er keinen Auftrag dazu von mir hatte, aus blossem Mitleiden in meinem Namen unmittelbar an den Kaiser: aber alles was er auch bei diesem mit vielem Bitten und Betreiben ausrichtete, war, dass das strenge Recht den