der nicht mit in den Vertrag geschlossen war, gerade vor sich auf den Sopha gelegt, als ob er, wie die Hand des Gerechten, nicht wissen sollte, was der Linke täte – Und –
Und voller Güte streckte sie
Den auserwählten Fuss bis an das weisse Knie,
Und sah, errötend, mich bei meiner Arbeit lauschen.
Mit zitternder verwöhnter Hand
Löst' ich das eingetauschte Band
Voll Scham, so wenig einzutauschen. –
Ach, dass ich's eher nicht bedacht!
Was hätt' ich nicht mit einer Träne
Der heiligen, erfahrnen Magdalene
Für einen guten Kauf gemacht!
Der richtigen Erklärung des Grundtextes allein hatte ich es zu verdanken, dass meine Augen sich nicht bloss mit der herrlichen Form des Fusses begnügen mussten, der, mit einem weissseidenen Strumpfe bedeckt, mir in der Hand lag. Nein, Eduard, ich gewann, kraft meiner Exegese, auch noch den Anblick einer guten Spanne der blendendsten Haut, wie sie wohl selten ein Schriftgelehrter zu sehen bekommt. Welche Entdeckungen der Sinnlichkeit versprach mir nicht diese kleine probe der unverhüllten natur, sobald ich nur die heiligen drei Könige hinter mir haben würde, die mir verzweifelt langsam zu reisen schienen. Die Lust des Anschauens fesselte mich so sehr, dass ich – wer kann mir's verdenken? – alle Kunstgriffe der Analyse und Polemik aufsuchte, um nur mein Wohlbehagen zu verlängern. – "Hier, schöne Klara," stotterte ich, indem ich bald dieser, bald jener Hand vergönnte, wechselsweise den elastischen Fuss zu umspannen, damit keine bei der Spende eines süssen Gefühls zu kurz käme, "hier ist die Gegend, wie die besten Ausleger des Talmud versichern, wo die Jungfrauen in Kanaan und Judäa den Gürtel zu tragen pflegten, obgleich" – meine Finger wagten sich noch über einen Zoll hinauf – "der gelehrte Ritter Michaelis behaupten will, dass es sehr die Frage sei, ob nicht nach dem samaritanischen Texte" ... "Mein Herr," fiel mir hier Klärchen hastig in's Wort, indem sie sich ein wenig höher setzte, "ich dächte, die jüdischen Gebräuche wären sehr albern, und Sie würden mir wirklich einen Gefallen tun, wenn Sie Sich nicht weiter dabei aufhielten." – "Dieser kurze, kalte Zuruf machte mich irre. Ich kam mit meinen Beweisen in's Stocken, verknüpften den heiligen Gürtel so ungeschickt als möglich, und sah sogar vor Betäubung nicht eher, als bis die Auswechselung vorbei war, was für ein neues himmelblaues seidenes Band, mit einer grossen Schleife, ich statt des verblichenen linnenen Fetzen der Reliquie eingetauscht hatte. Die kleine bräutliche Koketterie, die ich in der gesuchten Auswahl dieses schimmernden Bandes zu entdecken glaubte, schien mir von der besten Vorbedeutung. Ich wies mein prophetisches Herz, bis zu der nahen Erfüllung seiner ungestümen Wünsche, zur Ruhen und dachte, wie ich mir vorstelle, dass die zu einer Spiel-Partie um das Königreich Pohlen vereinigten Mächte gedacht haben, als sie die Scheidungslinie ihres leichten Gewinnes, vermutlich in der kühnen Voraussetzung entwarfen, sie gelegentlich wohl noch zu erweitern, und nach und nach, erst diese, dann jene angränzende Starostei, oder diesen und jenen Pass in das offne Land an sich zu ziehen.
Klärchen erlaubte mir, nachdem der Vorhang des ersten Akts gefallen war, noch über drei Stunden bei ihr zu bleiben. Das ist eine entsetzlich lange erlaubnis, wirst Du denken. Aber lass Dir nicht bange sein! Das Mädchen gibt so viel zu beobachten und zu enträtseln, dass, wenn ich Dir die mannigfaltigen Blüten ihrer Unterhaltung nur so frisch zubringen könnte, als sie mir in die hände fielen, Du wohl begreifen solltest, wie einem die Zeit in ihrem Zirkel vergehen kann. Aber da liegt eben der Knoten! Es fällt der Feder lange nicht so leicht zu schwatzen, als der Zunge, die von hundert Kleinigkeiten: unterstützt wird, welche auf dem Papiere verschwinden. Das Spiel der Mienen, das den Fügungen der Worte besser zu Statten kommt als alle Regeln des Syntaxes, geht in der Beschreibung so gut wie verloren. Die Modulation eines wohl angebrachten Seufzerchens, das oft einem dunkeln oder müssigen Ausdrucke erst den Verstand gibt – das Dehnen – das Verschlucken – das Steigen und Fallen der stimme, ach! alle jene vielfältigen bedeutenden Schätzungen der Rede – wer ist vermögend, sie mit der wirkung wieder zu geben, die sie nicht allein auf das Ohr, sondern öfter noch auf das Herz haben? Diese gewöhnlichen Schwierigkeiten, die allen Erzählern gemein sind, wie sehr würden sie mich erst zwängen und drängen, wenn ich es unternähme, den Dialog eines Mädchens zur Schau zu legen, das solche mitsprechende Augen, solch ein beredtes Stillschweigen, solch ein bedeutendes Lächeln, und eine Art von Errötung in ihrer Gewalt hat, die mir nirgends noch vorkam! Setze noch dazu, dass dieses Mädchen ein Kind auf der einen Seite – eine ausgebildete Heilige auf der andern – mit dem Gegenwärtigen nur halb zufrieden – über das Bevorstehende nicht einig mit sich selbst, und seit Minuten erst in dem erborgten Besitze eines Kleinods ist, das sie übermorgen bezahlen soll, ohne zu wissen woher? – und Du müsstest blind sein, um nicht einzusehen, dass sie nichts weiter zu entwickeln braucht, um es dem besten Erzähler unmöglich zu machen, s o feinen Uebergängen des Geschwätzes und des Gefühls, als bei einer s o l c h e n Zusammensetzung von Charakter und Verhältnissen notwendig vorkommen müssen"