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sie überlesen, doch immer noch über meine Erfahrung und meinen Verstand gehen, und eile zu dem desto deutlichern Inhalte des siebenten Paragraphs, an welchem ich für meine person diessmal genug habe. Er beweist klar für mich, entschuldigt mich hinlänglich, und gibt Ihnen, in dem Falle, den der heilige Vater auf das genaueste bestimmt, zugleich mit dem zärtlichsten Wunsche meines Herzens, die einzige Bedingung zu erkennen, unter der ich meinen gestrigen Tauschhandel noch zu erfüllen bereit bin."

§. 7.

Mulierem aut virginem, quae tempore, quo hanc ligaturam cruralem sanctissimam portat, cum bruto, monacho aut haeretico, peccatum quodcunque carnale committit, eo ipso et auctoritate nostra Papali, inculpabilem declaramus, absolvimus et in integrum restituimus.

Ich hielt nicht für nötig, diese kitzliche Stelle meiner schönen Freundin zu übersetzen, da nach der guten Erziehung, die hier auch das andere Geschlecht erhält, die meisten jungen Frauenzimmer, oft vor dem zehnten Jahre, im stand sein sollen, das elegante Latein päpstlicher Bullen zu verstehen. Ich glaubte es auch zur Genüge an Klärchens verfärbten Wangen wahrzunehmen, dass sie den Gedanken des heiligen Vaters vollkommen fasste; ob sie mir gleich durch ein paar Worte, die noch dazu unter Weges verunglückten, das allzu grosse Zutrauen benehmen wollte, das ich in ihre Kenntnisse zu setzen schien. – "Sie werden nun gern zugeben, schöne Klara," fuhr ich in dieser vielleicht zu freigebigen Voraussetzung fort, indem ich meinen Zeigefinger auf dem haeretico meines Paragraphs stehen liess, "dass ich es gegen mich und meine Nachkommen nie verantworten könnte, wenn ich diese bestimmte Erklärung des heiligen Vaters, mit blindem Undanke gegen die Wohltaten die sie mich hoffen lässt, so schnöde verachten wollte, um nicht entweder in Rom selbst unter dem Glanze seines ehemaligen Trons, oder doch in andern seiner geistlichen Gewalt untergebenen Städten und Ländern, eine der Schönsten Ihres Geschlechts aufzusuchen, die zugleich fromm genug wäre, für diese ligatura cruralis der Gebenedeiten grossmütig eine Indulgenz mit mir zu teilen; und noch dazu eine, die von allen, die er diesem heiligen Bande verlieh, die kleinste istEs müsste denn sein," fuhr ich nach einer kurzen Pause fort, "dass Sie selbst zur Gewinnung dieses Ablasses sich geneigt fühlten. Sie haben das Vorrecht; nutzen Sie es, meine schöne Nachbarin, und diese vorzüglich dotirte Reliquie kann in einer Stunde Ihr Eigentum sein. Ach liebe Kleine!" indem ich einmal über das andere ihre zitternde Hand küsste, "könnten Sie begreifen, wie mich dieser siebente Paragraph begeistert, Sie würdenach! gewiss Sie würden mir keine Zeit lassen, mein Anerbieten mit kaltem Blute zu überlegen." – "Mein Herr," fiel mir das gute Kind mit weinerlicher stimme ins Wort, "lassen Sie doch, ich bitte Sie, meine Empfindungen auch für etwas gelten! Der Fall ist zu verwickeltIhre Forderungen sind mir noch gar nicht deutlich; aber gewiss sie sind zu ungestüm um gleichgültig zu sein, – ach! und ich fürchte mich zu sehr vor Uebereilung. Vergönnen Sie mir Bedenkzeitnur bis auf übermorgen, an dem Namenstage meiner Tante, wo ich wieder, wie heute, mir selbst überlassen sein werde. Sie wissen nicht, was mein Gewissensrat für schwere Interdikte auf mich gelegt hat! Sie wissen nicht, mein Herr," (o ja, ich wusste es noch von ihrer Tante her, als sie mir die Tür wies), "unter welchem mächtigen Zeichen ich stehe! Nein, wahrlich, die Veranlassung mag noch so löblich seinich darf mich ohne Vorwissen ihr Hochwürden zu gar nichts verstehen."

Hier trat nun der Fall ein, lieber Eduard, meinen Sachwaltern Ehre zu machen. Ich tat es mit der feurigsten Beredsamkeit, die mir bei einer halben Stunde die Aufmerksamkeit meiner Freundin zuzog. Ich sah jede Minute deutlicher, wie mächtig die Salbung eines Kasuisten auf das Herz einer Heiligen wirkt; und nachdem ich sie von den Vorrechten der päpstlichen Schlüssel, von der überwiegenden Gewalt des Papstes gegen alle heiligen und heimlichen Künste subalterner Geistlichen, und besonders durch meine herzhaften und liebevollen Augen überzeugt hatte, dass ich in allem, was zu der grossen Wirtschaft der natur gehört, an keinen mystischen Widerstand glaube, so ward es mir immer wahrscheinlicher, dass eine noch nähere Ursache, als ein Gewissenszweifel, da sein müsse, die das gute Kind nötigen konnte, hartnäckig auf ihrer Bedenkzeit stehen zu bleiben. Sie zog während meiner Rede das Sammetkästchen einigemal vor sich, und betrachtete das heilige Band, als ob sie sich nicht satt daran sehen könne, und schob es immer mit einem neuen Seufzer von sich. Ich hätte mit kindischen und weiblichen Gelüsten sehr unbekannt sein müssen, wenn ich nicht daraus geschlossen hätte, was zu schliessen war; und noch weniger müsste ich meine eigenen verstanden haben, wenn ich nicht den ihrigen in so weit zu hülfe gekommen wäre, als es die Umstände erlaubten. Wie sie also zum drittenmale: nach dem Schatzkästchen griff, legte ich mich grossmütig ins Mittel: "Wissen Sie was, Klärchen," sagte ich mit dem Tone der gefälligkeit, "da ich sehe, wie schwer es Ihnen ankommen würde, Sich von der heiligen ligatura, zu trennen, so will ich Ihnen den Gebrauch derselben, jedoch mit Vorbehalt meines Eigentums, bis auf den Entscheidungstag überlassen. Es wird alsdann von Ihnen immer noch abhängen, den einstweiligen Tausch zu bestätigen oder aufzuheben. Wissen Sie doch