mit Klärchen nicht den besten Ausgang gewinnen? Und doch – unbegreiflich! – bin ich mutlos, wie einer der seinen Rechten nicht traut, wie einer der sich noch nicht ganz in den Sinn seiner Konsulenten einstudiert hat. Doch wie mag ich meine Zeit so verplaudern, da Klärchen wartet?
Indem ich vor drei Stunden, mein schwarzes Sammetkästchen in der Hand, das kleine artige Zimmer des lieben Kindes zum erstenmale betrat, kam sie mir mit einer Miene entgegen, die aus Ernst, Freude und Bescheidenheit zusammen gesetzt schien. Wie leicht lässt es sich mit so einem Mädchen sprechen! Ihr Herz, das so hell auf ihrer Physiognomie wiederscheint – wie schön erklärt es nicht das konventionelle Dunkel ihrer Rede! Einem erfahrnen mann, der solche Dolmetscher gegen über hat, kann keine Verhandlung, sie sei noch so verwickelt, zu schwer fallen.
Ich nahm, wie billig, das erste Wort, das in Verhältnissen, wie die unsrigen, immer so drückend ist. "Meine liebe Nachbarin," hub ich an, "ich stelle mich Ihnen zwar als ein ehrlicher Mann; aber urteilen Sie selbst, bestes Klärchen, von meiner Verlegenheit, da ich mit der Erklärung voraustreten muss, dass unser Handel, in dem Masse, wie ich ihn gestern abschloss, unmöglich bestehen kann." – Sie machte gewaltig grosse Augen bei diesen Worten, die sie unter allen wohl am wenigsten erwartete. Der Ernst ihres Gesichtchens nahm zu, die Freude nahm ab, und die Bescheidenheit wusste nicht woran sie war. – "hören Sie nur einige geduldige Augenblicke zu," antwortete ich ihrer Miene: "Das Strumpfband der Maria, wie wir es einstweilen so benennen wollen, müsste zwar nach den freiwilligen Bedingungen, denen ich mich gestern unterwarf, Ihnen, bestes Kind, nach allen Rechten gehören, wenn es nur möglich wäre, diese kostbare Reliquie von dem Ablasse zu trennen, den weiland Papst Alexander der Sechste an den Besitz dieses Kleinods gebunden hat. Ich war in Unwissenheit, als ich den Tausch Ihnen antrug, hatte das wichtige Dokument nicht gesehen – nicht gelesen, konnte mir nicht vorstellen, dass es Dinge entielte, die mich, wenn ich den Vertrag erfüllte, weit über die Hälfte verletzen würden; ein Umstand, der alle Verträge in der Welt aufhebt." – Ich bemerkte, während des Eingangs meiner patetischen Erklärung, mit geheimem Vergnügen, wie sich alles nach und nach aus den Mienen des guten Kindes entfernte, was mich in der Fortsetzung hätte scheu machen können. Statt aller Einwendungen, oder statt der, mir am meisten furchtbaren Gegenerklärung, dass sonach jeder teil sein Eigentum behalten solle, wusste sie nur die kurze neugierige Frage heraus zu stottern: Wie denn in einem so veralteten Briefe Punkte von solcher Wichtigkeit für mich entalten sein könnten, die –? Hier hielt sie inne; aber ihr unruhiges Auge sagte mir zur Genüge das übrige, und ich fuhr schon viel gefasster fort: "Ja wohl, meine Teuerste, sind sie von solcher Wichtigkeit, dass ich mich des grössten Leichtsinns schuldig machen würde, wenn ich mich darüber wegsetzen wollte – sie sind wahrlich von so einem Gehalte, dass der Engel selbst, dem ich doch schwach genug bin, alle Anwartschaften der Zukunft gegen einen gegenwärtigen billigen Ersatz anzubieten, kaum im stand ist, die Erwartungen zu vergüten, zu denen mich dieses Dokument berechtigt. Doch, Klärchen, Sie sollen erst das heilige Band sehen, dem so grosse Vorrechte ankleben." – Und hiermit zog ich es aus seiner Hülle, und legte es in die weissen hände der kleinen Heiligen. Sie besah es lange mit ehrfurchtsvollem Stillschweigen, während ich das Pergament des Ablassbriefs behutsam aus einander schlug. Und als sie sich endlich seufzend von der Reliquie trennte, deren Besitz ihr noch nicht verstattet war, und nun willig und bereit schien, meine weitere Rechtfertigung und die neuen Vergleichsvorschläge anzuhören, rückte ich ihr einen Stuhl an den Tisch, den meine ausgebreitete Urkunde beinahe zur Hälfte bedeckte, setzte mich ihr zur Seite, und erleichterte ihr, kraft meiner Vorkenntnisse, die geschwinde Uebersicht und die Untersuchung meiner Beweise. – "Hier sehen Sie zuerst, liebenswürdige Klara, die eigenhändige Unterschrift des grossen Papstes, die vollkommen mit dem an die Gräfin Vanotia15 gerichteten Breve übereintrifft, mittelst dessen er dieser seiner Busenfreundin das geweihte Band überschickt. Sehen Sie, wie gut das grosse Siegel unter dem Ablassbriefe, so wie der Abdruck des Fischerrings auf dem Umschlage des Breve, erhalten ist? Ein klarer Beweis, welchen Wert alle vorhergehende Besitzer dieser wichtigen Schriften, bis auf den Tag, wo das sonderbarste Glück sie in meine hände gebracht hat, darauf gesetzt haben. Und nun lassen Sie uns den Inhalt der päpstlichen Bulle selbst durchgehen. Die flüchtigste Uebersicht wird schon hinlänglich sein, Sie von der Billigkeit meiner erhöhten Forderung zu überzeugen. Den ersten Punkt überschlagen wir, da er bloss die eigenen Verhältnisse der seligen Gräfin betrifft, die mit ihrem tod aufhörten. Der zweite Satz entält die Entsündigung eines Falls, der uns beide nichts angeht, da Sie, meine Beste, wie ich glaube, so wenig Brüder und Söhne haben, als ich Schwestern und Töchter. Von der erlaubnis des dritten und vierten Punkts, hoffe ich, wollen wir auch nie in die Verlegenheit kommen, Gebrauch zu machen; denn es ist doch wahrlich kein Zufall wahrscheinlich, der uns auf eine wüste Insel verschlagen könnte. Ich überhüpfe auch diesen und diesen Abschnitt, die mir beide, so wiederholt ich