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Augenblicke, als Sie auf dieses Kleinod boten, und es ward mir unmöglich, nicht nach einer Sache zu ringen, die Ihnen lieb war, um sie Ihnen als einen Beweis meiner Hochachtung auszuliefern. Ich wünschte nur, dass sie dadurch in Ihren Augen noch einigen Wert mehr bekäme. In dieser Rücksicht" – Hier stockte ich ein wenig, und ihre grossen Augen schienen zu fragen, wo das hinaus wollte? – "hätte ich eben so gern mein ganzes Vermögen, als einen armseligen teil davon daran gewendet. Ich empfahl mich der heiligen Concordia, meiner Beschützerin, und, wie Sie gesehen haben, nicht ohne eine recht auffallende wirkung: sie verstopfte allen andern Liebhabern den Mund, selbst Ihre frommen Lippen, liebenswürdiges Mädchen, und verschaffte mir diese kostbare Reliquie für diesen unbegreiflich geringen Preis." Klärchen errötete von Sekunde zu Sekunde immer mehr, ohne mich zu unterbrechen – "Um Ihnen indess," fuhr ich traulicher fort, "auch die kleinste Bedenklichkeit zu ersparen, ein Kleinod für Sie zwar von unendlichem, für mich aber nur relativem Wert anzunehmenso erlauben Sie mir, meine schöne Nachbarin, es Ihnennicht als Geschenk, sondern gegen einen Tausch anzutragen." Sie errötete noch mehr, und ihr Stillschweigen gab mir Mut, weiter zu reden – "Wenn ich," fuhr ich fort, "das Vergnügen haben kann, Ihnen morgen früh" ... O wie dankte ich hier dem ehrlichen Kirchner, der mich so genau von den Festen der alten Tante unterrichtet hatte! – "aufzuwarten ... gewiss, teuerstes Klärchen, ein ähnliches Band, das mir alsdann Ihre Güte erlauben wird dagegen einzutauschen, soll meinem Herzen tausendmal werter sein, als jenes."

Jetzt erwachte der Stolz der kleinen Heiligen. – "Es ist nicht grossmütig von Ihnen, mein Herr," gurgelte sie mit sanfter stimme hervor, "dass Sie die Verlegenheit, in die mich diess Volksgedränge versetzt, noch vermehren. Sie erlauben Sich eine Sprache, die mirum nur wenig zu sagenganz fremd ist. Sie müssen wissen, mein Herr, dass ich von meiner Tante abhänge, und keine Besuche anzunehmen habe; und Ihr angebotner Tausch, mein Herr ..."

"Setzt doch gewiss," fiel ich ihr geschwind in's Wort – "keinen Betrug voraus. Wie könnte er wohlüberlegen Sie es selbst, bestes Klärchenbei einem Heiligtum, so einzig in seiner Art, Statt finden?"

Ich schwieg, als ob ich ihr Zeit zur überlegung lassen wollteSie brüstete sich ein wenigund: "Ihre Auslage," fuhr sie jetzt mit einer stimme fort, die mir nur zu gut verriet, wie viel ihr an dem Besitze dieses Bandes gelegen sein mochte – "würde Ihnen meine Tante gewiss gern ersetzen, wenn Sie geneigt sein sollten ..."

"Klärchen!" unterbrach ich sie, mit angenommenem Erstaunen – "Mir? sagen Sie das? – Doch ich entschuldige SieSie kennen mich noch nichtaber der Erfolg wird es zeigen, wie unrecht Sie taten, ein Unterpfand des himmels gegen eine irdische Kleinigkeit, um die Sie ein Freund bittet, auf's Spiel zu setzen. Entwedermeine liebe, bedenkliche Freundin, erlauben Sie mir, dass ich meine gute Absicht ausführe, und Ihnen das Band, das einst den linken Fuss der hochgelobten Jungfrau umschloss, längstens morgen, an demselben Orte befestige, wo sie es trug; oder ich schwöre, dass, wie ich nach haus komme, ohne auf die achtzehnhundert Jahre zu achten, die das ehrwürdige Band überlebt hat, ich es dem Feuer meines Kamins übergebe, und Ihnen den Frevel zuschiebe, der dadurch begangen wird." –

O Eduard! Wie erschreckte ich nicht das arme Kind durch meinen Schwur, und durch den entschlossenen Ton, mit dem ich ihn ausstiess! Sie erblasste, schlug die Augen staunend empor, und drückte ihre gefalteten hände an ihre Brust – "Nun denn," rief sie endlich in einer kleinen angenehmen Begeisterung – "bin ich, heiligste Mutter, von dir ausersehen, diesen deinen Nachlass aus dem Feuer zu rettenso folge ich in Demutso geschehe dein Wille! – Eine einzige Bitte nur, mein Herr! bewilligen Sie mir nur noch den Aufschub eines Tages!" –

"Und warum das, meine Beste?" fragte ich.

"Weil Sie nicht verlangen werden," versetzte sie mit gesenktem blick, "dass ich Ihren Besuch in Abwesenheit meiner Tante annehme; und diese ist morgen durch ein fest gebunden und den grössten teil des Tages in der Kirche."

"Wie, mein liebes frommes Klärchen?" erwiderte ich etwas spöttelnd: "Liegt Ihnen der baldige Besitz dieses Heiligtums so wenig am Herzen, dass Sie ihn über eine armselige Bedenklichkeit aufschieben mögen? Oder glauben Sie weniger dadurch begünstigt zu sein, wenn es nicht auch andere wissen? Und wollen Sie mutwillig den Samen des Neids in den Busen einer Freundin ausstreuen? Denn ach! Ihre gute Tante müsste nicht so fromm sein als sie ist, wenn sie einer andern als sich selbst diese so einzige Reliquie gönnen sollte, da wohl selbst Klöster und Kirchen um weit geringere in Hader und Streit liegen? Ich berufe mich auf Sie selbst, liebes Klärchen! Mit was für einer Empfindung würden Sie es ansehen, wenn ich mit diesem unschätzbaren Bande den Fuss Ihrer würdigen Tante schmückte