und das Kleinod verdiente auch mehr als ein anderes diese ausgezeichnete achtung – Der Ausrufer selbst nahm ehrerbietig den Hut ab, als er das Sammetkästchen, das es verschloss, in die Höhe hielt, und nun unter einer allgemeinen Stille, die nur dann und wann ein Seufzer des Unglücklichen im Nebenzimmer unterbrach, folgendes Heiligtum ankündigte: "Nummer Ein tausend vierhundert und drei und dreissig; das Strumpfband der gebenedeiten Jungfrau und Mutter, das sie an ihrem linken fuss zu tragen gewohnt war, inklusive eines dazu gehörigen Ablassbriefs weiland ihr Päpstlichen Heiligkeit Alexander des Sechsten, nebst einem Handschreiben gedachten heiligen Vaters an die Gräfin Vanotia."
Diese Reliquie machte den Eindruck, der zu erwarten stand. Der ganze Haufe der Umstehenden geriet in Bewegung, und verschiedene Stimmen zugleich erhoben sich mit einem Gebot von zehn, fünfzehn und zwanzig Dukaten. Bei dem zweiten Ausrufe stieg es bis auf vier und dreissig. Nach einem kleinen Stillstande trat ein ansehnlicher Mann, mit der gesetzten Miene eines ächten Kenners, in's Mittel, und bot die gerade Summe von vierzig. Der Auktionator fing von vorn, und, um jedermann Zeit zu lassen sich zu bedenken, mit gedehnter stimme an: Einmal vierzig – zum zweitenmal vierzig Dukaten – Der Hammer war schon aufgehoben, und ich glaubte den vornehmen Mann schon ganz gewiss in dem Besitze dieser merkwürdigen Reliquie, als, aus der fernsten Ecke des Zimmers, unvermutet eine helle stimme mit einem halben Dukaten überbot. Der Schall fiel mir sonderbar in das Ohr – Ich erhob mich auf meine Fusszehen, und entdeckte – Himmel, wie ward mir! – das reizende Ovalgesichtchen meiner kleinen Nachbarin. War es Freude, oder Betäubung? – war es unwillkürlicher Trieb, ihr nachzulallen? – oder sollte es eine Aufforderung sein, ihre sonorische stimme noch einmal hören zu lassen? Genug, kaum prallte ihr wohl bekannter Diskant an die saiten meines Herzens, so schlug mein Bass als ein Echo zurück: Einen halben Dukaten. – Der laut war entwischt – Klärchen schwieg – die ganze Versammlung schwieg – und zu meinem Erstaunen ward mir das Heiligtum für ein und vierzig Dukaten zugeschlagen.
Wer war betroffener als ich, da mir die Nebenstehenden zu dem erlangten Besitze dieser Kostbarkeit Glück wünschten, und mir Platz am Zahlungstische machten, um den unschuldigen Einklang mit Klärchens Diskante teuer genug zu büssen! Um aller Heiligen und aller Götter willen! was willst du mit diesem Kabinetsstücke anfangen? sagte ich heimlich zu mir selbst, als ich die Summe aufzählte; und der Gedanke, dass ich zugleich in ihr das Versprechen der heiligen Concordia auf ein und vierzigmal zurück gab, vermehrte mein Herzklopfen um ein merkliches. Nie hat wohl der Neid, der, als ich das Sammetkästchen in Empfang nahm, aus den Blicken derer hervor brach, die vor mir darauf geboten hatten, sich gröber versehen, als diessmal. Denn ungeachtet alle Umstehende, bei denen ich mit meinem Heiligtume vorbei ging, mich anlächelten und die Hüte abzogen; so hätte ich doch so unbefangen sein müssen, als der Esel in der Fabel, der das Bild der Diana trug, wenn ich mir diese Ehrenbezeugung hätte zueignen wollen. Ich kam mir im Gegenteil in diesem Augenblicke überaus albern vor, und hätte nimmermehr vermutet, dass mich diese misslichen Umstände doch noch am Ende auf einen so klugen Einfall leiten würden, als ich eben fasste, wie mit der letzten Nummer eine Feder aus dem linken Flügel des Würgengels verkauft, die Versteigerung geendigt, die Versammlung im Aufbruch, und jedes nur darauf bedacht war, das erste auf der Gasse zu sein.
Wenn ich prahlen wollte, Eduard, so könnte ich es Dir als einen Zug meines erfindungsreichen Genies angeben, dass ich in diesem Tumulte den wichtigen Vorteil zu ergreifen wusste, den mir doch vermutlich nur die gelegenheit und meine Schutzpatronin Concordia darbot. Ich übersah mit einem geschwinden Blicke, was hier für mich zu tun sei, studirte jeden meiner Schritte, den ich vor- oder seitwärts tat, und leitete das Volk so geschickt, dass es notwendig, beim Austritte aus dem saal, mich und Klärchen in einen so verengten Zirkel zusammenbrachte, dass sie heilfroh sein musste, auf einen hülfreichen Arm zu treffen, um den sie ihre zarte Hand schlingen, und nun hoffen konnte, sich, ohne erdrückt zu werden, aus diesem unbändigen Gedränge zu ziehen. Mächtiger Zufall! mein Verstand wirft sich hier nochmals in Staub vor dir nieder, und erkennt dich als seinen Herrn und Wohltäter.
Ich wäre der heiligen Atmosphäre, die mich umgab, wäre des Dankes des Engels nicht wert gewesen, wenn ich den einzigen Augenblick, in welchem so viel für die Folge lag, ungenutzt hätte verstreichen lassen. "Meine vortreffliche Nachbarin," flüsterte ich ihr zu, indem wir uns auf dem Vorsaale so lange in ein Fenster zurück zogen, bis sich das Volk würde verteilt haben, das die Treppe verstopft hielt, "es war wohl unartig, dass ich Sie überbot; ich hoffe aber, meine gute Absicht soll mich bei Ihnen entschuldigen. Sie können wohl denken, dass, so kostbar auch das Strumpfband sein mag, das mir das Glück verschaffte, es doch für mich nur dann einen Wert haben kann, wenn ich es wieder an eine person bringe, die es zu tragen verdient. Ein glückliches Ungefähr hat mich zu Ihrem Nachbar – aber Ihre Verdienste, liebes Klärchen, haben mich auch zu Ihrem eifrigsten Bewunderer gemacht. Ich dachte an Sie, teuerste Freundin, ich erblickte Sie in dem