: so viel dass ein rechtgläubiger Katolik an meiner Stelle darauf schwören würde, die heilige Concordia habe sie veranstaltet. – Ich schreibe sie auf Rechnung des Zufalls, der immer mein Freund war. Der Kirchner zuckte die Achseln, indem er mir die Hand zum Abschiede reichte, und bat mich bald wieder zu kommen, welches ich ihm denn auch treulich versprach. Der goldne Wahlspruch der sieben Provinzen hat zwischen diesem guten mann und mir eine stärkere Vereinigung zu stand gebracht, als, glaube ich, zwischen den sieben Provinzen selbst. Es ist doch eine hübsche Sache um die Freundschaft!
Ich taumelte, ohne mich um den nächsten Weg nach haus zu bekümmern, aus einer Gasse in die andere, und mir war beinahe so zu Mute, als einem jungen Gelehrten, der nicht recht weiss, was er in aller Welt mit den vielen neuen Kenntnissen anfangen soll, die er aus dem Hörsaale mitnimmt. Darüber stiess ich – Ehre sei dem freundlichen Zufalle! auf die launigste Begebenheit, die er je aus seinem weiten Aermel geschüttelt hat. Eine Menge Menschen, die aus einem ansehnlichen haus teils heraus stürzten, teils ihm zuströmten, erregte meine Aufmerksamkeit. Ich erkundigte mich nach der Ursache dieses Gedränges, und erfuhr, dass hier eine wichtige Versteigerung von Kostbarkeiten gehalten würde. Nun mag ich Wohl dann und wann dergleichen öffentlichen Glücksspielen beiwohnen; denn, ob ich mich gleich entalte, mein Inventar auf diesem Wege zu verstärken, seitdem ich einmal in Holland einen englischen Tubus erstand, in welchem, als ich ihn zu haus genauer untersuchte, das Objektiv-Glas fehlte, so kann es doch immer den Geist angenehm beschäftigen, wenn man mit philosophischen Augen die verschiedenen Hülfsmittel übersieht, die der Besitzer derselben vor seinem physischen oder moralischen tod gebrauchte, so gelehrt, so artig oder so arm zu werden, als er war. Selbst die kleinen Absichten, die sich manchmal bei denen recht gut erraten lassen, die jetzt dieses oder jenes Stück aus dem Nachlasse des Verstorbenen an sich bringen, gewährt schon einige Unterhaltung. Ich widmete also auch diessmal meiner Neugierde die halbe Stunde, die mir noch bis zum Mittage frei blieb, und stieg, nicht ohne Mühe, die von Menschen angefüllte Treppe hinauf nach dem Auktions-Zimmer.
Hätte ich einige Stunden früher eintreffen können, ohne mich um das belehrende Gespräch des Kirchners, das mir über alles gehen musste, zu bringen, so wäre der Zeitvertreib, den ich hier fand, freilich noch vollkommner gewesen. Jetzt waren ungefähr nur noch ein Dutzend Nummern von einer der seltensten Sammlungen übrig, die wohl jemals versteigert wurden. Der arme Mann, der sie mit Aufopferung seines Vermögens errichtet hatte, und nun sein mühsames, kostbares Gebäude durch unbarmherzige Gläubiger zerstören sah, sass, von Schmerz und Unruhe gefoltert, in einem ausgeleerten Nebenzimmer, und flösste mir gleich beim Eintritt in den Saal das grösste Mitleid ein, selbst ehe ich noch einen blick auf seine Sammlung warf.
Ich habe zwar oft gesehen, lieber Eduard, dass vernünftige Männer Weib und Kinder und jedes andere Glück des Lebens hintan setzten, um Muscheln, Steine, Bücher, Schmetterlinge oder Gemälde zusammen auf einen Haufen zu bringen – habe ihnen oft, nach Verlauf eines ängstlichen Zeitraums, diese Spielwerke ihres Geistes durch die gesetz und zu Abfindung ihrer Schulden entreissen, und sie an andere berühmte Kenner, wahrscheinlich zu einem einst ähnlichen Schicksale, übergehen sehen – aber noch nie fand ich den Vermögensbestand eines freien Mannes so sonderbar in einem Kabinet koncentrirt, als hier: denn stelle Dir vor, Eduard! ich befand mich, ehe ich mir so etwas versah, unter einer vollständigen, Gott weiss nach was für einem System! geordneten Sammlung heiliger Reliquien. Die ersten und wichtigsten Stücke an ganzen Körpern, Gerippen und andern Schätzen aus den Katakomben, waren zwar schon an Mann gebracht; doch waren die noch vorrätigen Nummern, die eben ausgerufen werden sollten, dessen ungeachtet noch von sehr schätzbarem Gehalte. sechs Fläschchen mit Tränen der heiligen Magdalene wurden einzeln verlassen, und, nach meiner Einsicht, weit unter ihrem Werte. Ein artiger Mann, der neben mir stand, erklärte mir die Ursache davon, als er meine Verwunderung merkte, und mir ansah, dass ich fremd war. "Wir sitzen hier," sagte er, "an der Quelle dieser Waare. Die Höhle von Beaumont, wo die Heilige zwölf Jahre ihre Sünden beweinte, liegt uns in der Nähe – Aber Sie, als ein Fremder, mein Herr, sollten sie auf Spekulation für das Ausland kaufen; denn es ist keine Frage, dass Sie nicht hundert Procent daran gewinnen könnten." – Ich hätte vielleicht nicht übel getan, seinem Rate zu folgen; aber, Du weisst es, Eduard, ich habe zu wenig Kaufmannsgeist, und ich liess, einfältig genug, auch diesen wahrscheinlichen Gewinn einem Juden zu gute gehen, der mit Reliquien handelt.
Ein Finger des H. Nepomuk, an dessen Aechteit einige anwesende Kenner zweifeln wollten, und ein Schlussbein des heiligen Franz, hatten eben so wenig Glück, und mussten zusammen ausgeboten werden, ehe sie einen Abnehmer fanden. Ja, sogar Etwas von der keuschen Petronelle, in Weingeist aufgehängt, und recht hübsch konservirt, ging an einen Benediktiner, der es in Kommission erstand, für ein solches Spottgeld weg, dass ein paar artige Geschöpfe, die vermutlich gleichen Namen führten, die hände über den Kopf zusammen schlugen. dafür fanden sich aber zu der folgenden Nummer desto mehr Liebhaber,