diese.
"Mein wahres Mitleid jedem Erdensohne,
Er trage eine Königskrone,
Er schleich' an einem Hirtenstab,
Den ein erzürnter Gott, zur Strafe
Hier, seines Hofs – dort, seiner Schafe,
Der Laune Dämon übergab!
Ihn lockt der Mara Lied, ihn lockt der Lerche Kehle
Umsonst; er überhört die Kunst und die natur:
Im Krampfe seiner kranken Seele
Hört er auf ihr Gewinsel nur.
Die Laune schleicht dem Bettler in die Hütte,
Dem Fürsten in sein Staatsgemach,
Schleicht uns sogar mit abgemessnem Schritte
Zu Hymens stillem Glücksspiel nach,
Wo, selbst beim Anspruch auf die beste Nummer,
Dem Mürrischen nur eine Niete fällt,
Die das Gepräg von seinem Stundenkummer
Oft Enkeln noch vor Augen stellt.
Wenn Heinrich in dem Arm der schönen Gabriele
Nach einer edlen Tat der Liebe Lohn empfäht,
Wer zweifelt, dass nicht da die Farbe semer Seele
Auf einen Bastard übergeht;
Indess der Erbe seiner Krone
Nicht ihm, nur seinem Missmut gleicht,
Mit welchem er zur königlichen Frohne
In's Bette der Infantin schleicht."
"O! wie hat meine freie Schweizerseele mit dem Gegendrucke des Murrsinns dieses unglücklichen Fürsten gekämpft! Wie gerne hätte ich oft in der Beklemmung meines Herzens einen Tag meines dortigen Lebens nur um einen Atemzug auf unsern Alpen gegeben, um jene stärkende Luft, die die Brust erweitert und zu edlen Taten fest macht! Wie werde ich mich deiner wieder freuen, gesunde, unverdorbene natur! Mit welchem Bedacht werde ich jetzt die Süssigkeit Einer Stunde einschlürfen, um jene verlornen Tage wieder einzubringen! Mein kleines Feld mit dem Amphiteater jener Gebirge umringt, die durch freien Genuss auch mir gehören werden! – Mein freundlicher Bach! – Meine Büschchen! und ihr, ihr Bewohner friedlicher Hütten! – Welch ein Schlag von Menschen gegen jene, die ich jetzt hinter mir sehe! Doch Freund, lass uns gehen, es ist angespannt."
Da der Mann, ich wusste selbst nicht wie, mein Herz in seine hände bekommen hatte, – da meine Gedanken jetzt mit ihm auf seinen Gebirgen, seinen Wiesen und unter den Horden seiner frohen Naturmenschen herum irrten, und das Gemälde eines bald ganz Glücklichen – eines von einem traurigen hof Geretteten meine Seele sympatetisch an sich zog: so erschreckte mich sein Aufbruch wie ein Donnerschlag, der uns aus süssen Träumen, aus der Vergessenheit unsers leidenden Daseins erweckt. – Ich stand auf, machte eine unwillkührliche Bewegung nach ihm zu, als wenn ich ihn bitten wollte, mich nicht zu verlassen – und als er an der Hand seines Freundes aus dem Zimmer verschwand, als sein Wagen davon rollte – Gott wie ward mir zu Mute! Die Blicke seiner empörten Menschenliebe – das schwarze Bild des Fürstell schwebten mir lange noch vor den Augen. – Sinnreich eignete sich mein Gefühl einige entfernte Aehnlichkeiten seiner Krankheit mit der meinigen zu, und dieser unholde Gedanke demütigte mich so sehr, dass ich, kleinmütig und schwach, mich in meinen Lehnstuhl zurück warf, und um ein gutes Wort würde geweint haben. –
Als bald nachher der Wirt herein trat, suchte ich die freundlichsten Mienen hervor, die mir zu Gebote stehen wollten. – "Seine Suppe," sagte ich, "hätte mich recht gelabt." – Ich bat ihn, meinem Bedienten eine Flasche seines besten Weins zu geben, da ich selbst keinen trinken dürfe, und ich bat ihn auch, für meinen guten Mops zu sorgen. – "Wenn ich wieder zurück komme, lieber Herr Wirt," sagte ich zu ihm mit schmeichelnder stimme, und legte meine Hand dabei vertraulich auf seine Schulter, "so will ich gewiss mehrere Tage in dieser schönen Stadt verweilen, und in keinem andern Hotel absteigen, als in dem Ihrigen." – Mit Einem Worte, ich ging nicht eher in mein heimliches artiges Stübchen, wie ich es jetzt nannte, als bis ich hoffen durfte, den widrigen Eindruck meines unfreundlichen Bezeigens wieder gut gemacht zu haben. – Die Strafpredigt des Fremden über die unerkannte Sünde der übeln Laune hatte mich so gerührt, dass wenig fehlte, so hätte ich mich für schuldig gehalten, den Einnehmern am Tore das Trinkgeld zu vergüten, das ihnen meine Harterzigkeit entzog.
So bald ich mich aber allein sah, verfiel ich erst in
die ausschweifendsten Betrachtungen über das Uebel, das jetzt in den höhern Ständen so viele Verwüstungen anrichtet – über den Krebsschaden der übeln Laune. Da ich zu ehrlich war, mich ganz davon frei zu sprechen, so dankte ich nur Gott, dass ich nicht Beherrscher eines Landes – und dankte Gott, dass ich noch ohne Gattin und nicht in naher Gefahr wäre, meinen Nachkommen zu schaden. Wer weiss, wohin mich noch der Schweizer und sein System würde gebracht haben, da ich schon anfing, Findel- und Waisenhäuser als Magazine menschlicher Würde und vorzüglicher Genie's anzusehen, da alle gross gewordene Bastarde, E r a s m u s , l a C h a p e l l e u n d d ' A l e m b e r t an der Spitze des Marschalls von Sachsen sich zur Verteidigung meines Grundsatzes in Reihe und Gliedern um mich herstellten, da ich die arme und unschuldige Generation zu beklagen begann, die, wie ich, den Vorzug ehelicher Geburt so teuer mit Mangel an Kraft und Freude bezahlen müsse, – wenn mir nicht zum Glück mein dienstfertiger versöhnter Wirt zu hülfe gekommen wäre!
Er trat herein, um sich zu erkundigen, ob ich nicht dem Koncerte