Grösse nach, die sie errungen hatten,
In Reih' und Gliedern aufgestellt:
Sie, die der Freude sich verweigert,
Als noch die Sonne sie beschien:
Um in Journalen ausgeschrien,
Einmal verkauft, zehnmal versteigert,
Gespenstern gleich herum zu ziehen:
Ich liess sie stehen, die aufgeblähten Werke,
Geburten mancher kalten Nacht,
Sammt dem Gefolg in Kindertracht
Des Zwerggeschlechts, das ihre Riesenstärke
Mit flinker Hand in eine Nuss gebracht.
Vergebens luden mich an ihres Tempels Toren
Minervens Schreier ein! Ich schätzte den Gewinn,
Den sie verheissen, als verloren;
Und hatte' ich noch für eine Muse Sinn,
So lag er mir, wenn ich nicht irrig bin,
Doch anderwärts als in den Ohren.
Ungeachtet dessen erwartete ich doch von der Dienstfertigkeit eines Mannes, der in so aufgeklärter Gesellschaft, einer Sängerin gegen über, wohnte, zu viel, um nicht in meiner geringen Kenntniss der französischen Litteratur Mittel aufzusuchen, mich seiner Freundschaft so viel als möglich zu versichern, ohne dass ich doch selbst etwas mehr, als allenfalls ein paar verschleuderte Louisdor, dabei wagte.
Wie gut kam mir nicht jetzt eine und die andere langweilige Stunde zu Statten, die ich beim Durchlesen der Gazette ecclésiastique – des Journals von Trevoux, und anderer dergleichen berühmter Zeitschriften, viel zu voreilig, wie ich nun wohl sah, für verloren gehalten hatte! Ich strengte mein Gedächtniss an, und forderte, zu dem freudigen Erstaunen des Herrn Fez, manche dort angepriesene Schrift, nach der seit ihrem Dasein wohl keinem vernünftigen Menschen noch eingefallen sehen mochte zu fragen; und versorgte mich zuletzt, um mein Ansehn bei ihm ganz lobten Trauerspiels jenes glücklichen Dichters zu Nimes, für mich und meine auswärtigen Freunde.
Der Mann ward zusehends freundlicher, je länger und tiefer er unter dem seit Jahren angewachsenen Schutte nach diesen vergessenen Kleinodien suchen musste. Er konnte nicht aufhören, die so seltenen Kenntnisse eines Ausländers in der französischen Litteratur – und meinen gebildeten Geschmack zu erheben; und ich dachte wahrlich, er würde mich gar umarmen, als ich ihm beiläufig vertraute, dass ich in der gelehrten Absicht reiste, nach und nach alle die fliegenden Blätter zu sammeln, die, ihrer Leichtigkeit ungeachtet, so selten bis über die grenzen des Königreichs flögen.
"Ich opfere," sagte ich mit einer Treuherzigkeit, die den Mann entzückte, "den grössten teil meiner Zeit den keuschen Musen, suche deshalb immer den berühmtesten Buchhändlern in der Nähe zu wohnen, und habe auch hier, wie Sie sehen, die stillste wohnung bezogen, die in Ihrer Nachbarschaft zu finden war; die alte Dame, deren Mietmann ich bin, wird mich sicher nicht in meinen Studien stören." –
"Das wohl nicht," fiel mir Herr Fez in's Wort, "wenn es nur nicht ihre Nichte tut, die das alte Weib bei sich hat!" –
"So?" antwortete ich ganz gelassen, "eine Nichte?"
"Ja," erwiderte er laut seufzend, "eine gewisse Klara. Gott gebe Ihnen Ruhe vor ihr! Mich jagt sie allemal von meinen Rechnungen auf, so oft in die Kirche geläutet wird; denn zu keiner andern Zeit ist sie mir sichtbar. Eine wahre Heilige! und dabei – denken Sie, mein Herr! – erst fünfzehn Jahr alt. Als Kind schon soll ihr ein Marienbild lieber gewesen sein, als alle andere Puppen. Schliessen Sie nun, wie gross erst jetzt ihre Andacht für die Gebenedeite sein mag, da sie zu reifern Jahren gekommen! Sie soll, sagt man, alle ihre Gliedmassen der Mutter Gottes geweiht haben; und es ist zu glauben, wenn man sie gehen sieht, so jungfräulich sind alle ihre Bewegungen. Wollten Sie nur wenige Augenblicke verziehen, und Sich einstweilen in meinen Büchern umsehen, so würden Sie Sich mit eigenen Augen überzeugen, wie gross die Gefahr Ihrer wohnung sei. Das Frühamt bei den Minimen wird bald angehn, und da muss sie ganz nahe bei meinem Laden vorbei – da sollen Sie sehen, mein Herr! da sollen Sie erstaunen!"
Inzwischen nun Herr Fez nach Makulatur suchte, um diejenige einzuschlagen, die ich gekauft hatte, las ich, die Zeit hinzubringen, die Aufschriften seiner Ballen, und zählte gähnend die Bände der Encyklopädie. Die Minimen liessen uns nicht lange warten; und kaum fingen ihre Glocken, bei dem Einklange meines ungeduldigen Herzens, ihr Spiel an, so warf der Buchhändler geschwind seinen Plunder aus der Hand, und: "Kommen Sie, mein Herr! – hier! – hierher! – Lassen Sie jetzt den Abbadie und den Bourdaloue stehen!" schrie er mir zu, und zog mich mit Gewalt an die Tür seines Ladens. Und in demselben augenblicke erschien – wie sich ein Frühlingstag an ein Sekulum schliesst – Klara, unter Voraustretung der Alten. Je näher sie meinen Augen kam, je stiller und tiefgefühlter meine Bewunderung ward, desto schwatzhafter und lärmender ward Herr Fez in der seinigen.
"Welch ein gang!" flüsterte er mir einmal über das andere in's Ohr: "was das für ein Wuchs ist! und mit welcher natürlichen Bescheidenheit sie einher tritt! O, über das herrliche Madonnengesichtchen! So sanft und glänzend, wie ein Didotischer Druck, und rein, wie in Kupfer gestochen. Ah! sehen Sie nur, wie aller Augen auf ihre niedlichen Schritte geheftet sind, indess sie, nur in sich gekehrt, keinen blick ausschickt, der nicht Andacht und Ruhe