f a l l ! freundlicher Erhalter
Des Lorborg, den uns Neid und Alter
Gern von dem haupt nimmt, verleih
Auch mir den Schutz, den Du dem hohen Sänger
Verliehst, dass mein Gesang, gleich seiner Litanei,
Noch manchem Müssiggänger
Der Nachwelt heilig sei.
Wie vieler Unsinn, klug betitelt,
Hätt' es D e i n Kompass nicht vermittelt,
Schwämm' unbemerkt im Strom der Nacht!
D i r danken wir die Kunst, den Schall zu malen,
Du hast manch Quentchen Witz zu einer Zentnerfracht
Erhöht, und Kern und Schalen
Der Schreibsucht flott gemacht.
Gewohnt dem Grübler nachzuwandern,
So weit ein Zirkel in den andern
Als über unsre grenzen tritt.
Sprichst Du ihm Hohn, wenn er das Unsichtbare
In einer Tiefe sucht, die noch kein Mensch beschritt,
Und bringst dafür uns Waare,
Die wir bedürfen, mit.
Der Propagande Jünger dringen,
Für Gott mehr Ernten zu erringen,
Bis in der Bonzen Heiligtum,
Der Feind verdirbt zwar ihre frommen Saaten:
Doch Du entschädigst sie, D u schickst sie heim mit Ruhm,
Mit Putern und Pataten
In's Refektorium
Und Heidenkost strömt neuen Segen
Auf Länder, die des Lichtes pflegen,
Das aus der Offenbarung strahlt.
Schmaust ein Prälat, – seht, ob nicht in der Mitte
Des christlichen Gelags, das die Kommun bezahlt,
Ein fetter Proselyte
Des Lands Kalkutta prahlt?
So bringen selbst aus D e i n e n Schachten
Die Heiligen, die D i c h verachten,
Beweise D e i n e r Huld an Bord:
Europens Ruhm trägst Du nach China über,
Führst uns Rhabarber zu, getauscht um Gottes Wort,
Und peitschest deutsche Fieber
Mit Peru's Ruten fort.
So trage denn, o mein Begleiter
Und Freund, auch meinen Schnupfen weiter
Nach Monomotapa, zum Schach.8
Dort feiert man der hohen Zirbeldrüsen
Getös: kaum niest der Fürst, so niest das Vorgemach;
Bis an die grenzen niesen
Ihm seine Sklaven nach.
Doch, ohne Nasen zu verhöhnen,
Die Hof und Stadt und Land durchtönen,
Wie viel hingst D u der meinen an!
Hingst D u nicht ihr die jugendliche Runde,
Die ich nicht ganz umsonst um Amors Zelt getan,
Und die Vollendungsstunde
Der guten Margot dran?
Und alle die Erobrungsplane,
Die Amor dem z u i h r e r Fahne
Geschwornen Fremdling überträgt –
Das falsche Kind! Wie freundlich, wie ermuntert,
gibt sie die Rosen Preis, die ich so treu gehegt,
Und die ihr Freund verwundert
Nun, Blatt für Blatt, zerlegt.
Hört mich, ihr Glücklichen! Verirret
Euch nicht zu weit! Der Zufall schwirret
Dem Traume nach, der euch verzückt:
Ach! möglich, dass auf euerm Schwanenbette
Zu rasche Lüsternheit ein Wesen niederdrückt,
Das an des Schicksals Kette
Mehr als ein Glied verrückt!
Doch möglich auch der Weihungsstille,
Dass Merciers erhabne Grille
Mit in die Zukunft überschwimmt,
Und dass vielleicht diess Kinderspiel, das sausend
Mir jetzt das Ohr zerreisst, den gang des Wohllauts nimmt
Der zu dem Jahr: Zweitausend
Vierhundert vierzig stimmt;9
Und dass, der nächsten Nacht entsprossen,
Ein Keim, fortwuchernd nur Genossen
Der Tugend, all einander reiht,
Alis deren Schooss zum Wohl der bessern Erde,
Gott, welch ein Traum! der Genius gedeiht,
Der einst der Menschenherde
Das höchste Gut verleiht.
Wohlanl so folg' ich D e i n e n Zügeln
Gutwillig, D u , den auszuklügeln
Selbst Meistern nicht vom Stuhl gelingt;
Weil doch der Weg zum wahren Menschenglücke,
Den oft ein Magus zeigt, der selbst die hände ringt,
Uns eher an die Krücke,
Als an die Scheibe bringt.
Nichts ist doch geschickter uns sanft über einen lästigen Zeitraum zu heben, als der Bau einer Ode. Ich hatte meine Station so unbemerkt zurück gelegt, dass mich die ausgezackten Mauern von Avignon mitten in meinem hoch tönenden Gesange, wie ein Epigramm, überraschten, das den ernsten gang eines Heldengedichts unterbricht, und uns zum lachen bewegt. Kaum hatte ich noch Zeit, meinem Feentempel den Schlussstein aufzusetzen, als ich mich schon mitten auf dem Markte befand. Doch konnte mich das Geräusch, das mir von allen Ecken her zuströmte, so wenig in meiner fortschreitenden Andacht stören, dass ich vielmehr, um sogleich von der frommen Sorglosigkeit!, zu der mich meine Hymne gestärkt hatte, Gebrauch zu machen, und noch ehe ich den schmutzigen Gastof betrat, vor welchem ich ausstieg, meinen Bastian abfertigte, mir in der Stadt irgendwo auf gut Glück eine wohnung zu suchen.
Ich hätte dem Z u f a l l auf keine tätigere Art mein unbegrünztes Zutrauen beweisen können, als dass ich die bedenkliche Wahl meines Quartiers einem jungen Flüchtlinge überliess, der nur seit wenig Stunden in meinen Diensten stand, meinen Geschmack nicht kannte, und die erste probe des seinigen, in einer ihm ganz fremden Stadt ablegen sollte – in einer Stadt, wo der Vorzug, den man einer von den vier Klassen ihrer Einwohner gibt, seine eigene Gefahr hat, und wo es nicht gleichgültig ist, ob man sich bei einem Orangenhändler, bei einem Juden, neben einem geistlichen Herrn, oder bei einer Seidenspinnerin einmietet.
Ich machte unterdessen einen Spaziergang nach der Burg des Legaten, die, wie fast alle Prälaten-Schlösser, ihre demütige Lage auf dem höchsten Flecke der Stadt hat. Der Hausknecht, der mich dahin führte, schwatzte mir, unterwegs viel von einem dort befindlichen offenen platz vor,