1791_Thmmel_094_6.txt

, der, wie sein Fürst im moralischen Sinne, das geheimnis der natur in dem physischen entdeckt hat, geringe Arten von Blumen durch den Abstaub einer edlen zu verbessern, und, wie es ihm oft gelingt, eine Kartäuserin eine Purpurnelke zu verwandeln.

Kein Deutscher kann wohl aus dem badenschen in das französische Gebiet treten, ohne eine gewisse achtung für sein Vaterland mit hinüber zu nehmen, ob er gleich klug handeln wird, wenn er diese frohe Empfindung nicht weniger zu verbergen sucht, als jede andere kontrebande Waare, deren er sich etwa bewusst ist. Ich schärfte mir diese Vorsicht ein, sobald mir auf der letzten Poststation zu K e h l vier Rappen vorgespannt wurden, aus denen dieselbe Empfindung zu wiehern schien.

Dieser kleine Ort steht diesseits und jenseits des Rheins in einem etwas zweideutigen Rufe, der ihm übrigens gleich einer hübschen Dirne, ohne dass die Gesicht irre machen lassen, vortrefflich zu seinem Gewerbe dient.

An diesem Gränzort zweier Reiche lauschet

Der Contreband, und wälzt den wuchernden Gewinn

Verbotnen Tands, den es von E i n e m tauschet,

Für gleichen Tand dem A n d e r n hin.

Auch siedelte sich jüngst in diesem Freiheitshafen

Ein zweiter Caron an.3 Mit gleicher Sicherheit,

Als jener, der am Styx so lange her den braven

Piloten macht, führt sein, durch hundert Rudersklaven

Bemannter Kahn, den Proteus unsrer Zeit,4

Wie eben der Gestalt, in der er ihm sich beut,

Gebührt, hinüber jetzt in das Gebiet der Strafen,

Um auf den Mohn, den Freron ausgestreut,

Den Rausch, der beide h i e r entzweit,

Am Lete selbst, nicht zu verschlafen; –

Hinüber jetzt in's Tal, wo der Unsterblichkeit

Gesalbtes Priesterchor sich seiner Ankunft freut,

Und Lucian von hundert frommen Schafen

Ihm eine Hekatombe weiht.

Du kennst den Passagier! Des aufgeklärten Spottes

Vertrautesten, der nimmer sich

Zu gleichen schien, und immer glich.

Wenn er mit dem Gesang des Gottes

Der Musen Höh' und Tal durchstrich,

Die Geissel Rousseau's undNonottes,

Den grossen Freund des grösseren F r i e d e r i c h .

Du kennst den Mächtigen, der des Tyrannen Riegel,

Der Unschuld Fesselband zerschlug,

Und den Geretteten auf eines Seraphs Flügel

Sanft in den Schoos des Mitleids trug;

Der oft die Quellen meines Kummers,

Eh' es die Zeit noch tat, besiegt,

Und, wie der Genius des Schlummers,

Oft meine Schmerzen eingewiegt!

Mit dem ich oft beim stillen Scheine

Der Lampe Nächte durchgewacht,

Und d e s s e n Leben mir das m e i n e

Erst wünschenswert und froh gemacht.

Doch kennst auch Du den wandelbaren,

Zweizüngigen, entnervten Mann,

Dess freche Stirne den Gefahren

Der dem Vertrieb verfälschter Waaren

Bestimmten Strafe kaum entrann;

Den, der mit der geweihten Leier,

Die er zu Heinrichs Lob empfing,

Um niedern Lohn gemeiner Schreier

Oft zu der frechen Mittagsfeier

Namloser Sklaven überging;

Der nie zufriedener, nie weiser,

Die Blumen Anderer, mit heiser

Giftatmender Begier, verdarb;

Der selbst im Schutz der tausend Lorberreiser,

Die ihm sein Genius erwarb,

Nur nicht besucht von unserm Kaiser,

Am Spleen gekränkter Ehre starb?

Der Gedanke, den ich an diesen grossen Geist, den das merkantilische Genie eines Beaumarchais aus diesen Scheideweg von Deutschland und Frankreich gebannt hat, im Vorbeifahren bei den weitläuftigen Werkstätten mit mir nahm, die hier den Umtrieb seiner Schriften eben so mechanisch befördern, als es ihr Inhalt auf eine geistige Art tut; – dieser Gedanke war wirklich für die kürzeste unter allen Stationen zu reichhaltig: denn man könnte sich mit dem Stoff, den das Leben dieses wundernswürdigen Sterblichen darbietet, auf einer Reise um die Welt beschäftigen, ohne ihn zu erschöpfen. Mein Geist stand eben vor ihm, um seine Grösse zu messen, wie ein Zwerg vor einem Koloss, als ich auf die unangenehmste Art genötigt wurde, dem Blicke meines Erstaunens eine andere Richtung zu geben, um ihn mit Verachtung auf die elendesten unter allen Geschäftsträgern des Königs zu werfen, die an der Barriere von Strassburg meine Ankunft erwarteten. Der Postillon schien so wenig an sie zu denken als ich; aber ein aus den zehn Hälsen dieser Lotterbuben gestossenes Schimpfwort, das hinter ihm drein flog, hemmte auf einmal den deutschen Trapp, mit dem er eben bei ihnen vorbei fahren wollte.

Schnell sprangen die Knechte

Der schimpflichen Rechte

Des Schlagbaums hervor;

"Schelm!" schrie'n sie: "Gehalten!"

Und "Schelm" wiederschallten

Die Riegel am Tor. –

Nun lauscht' ich, der Dinge

Des Lumpengerichts.

"Was soll ich von Ihren – – –"

Fragt' einer, "plombiren?"

"Was geben Sie?" – Nichts!

"Nichts!" fuhr aus den Ecken

Des Wagens zum Schrecken

Der Nymphen am Rhein.

"Nichts?" bellten die Glieder

Des Zollamtes wieder:

"Schliesst keinen Verein!"

Gott sah nun durchsuchen,

Betasten, befluchen

Mein armes Gepäck:

Nicht gieriger graben

Die Ratten und Raben

Nach duftendem Speck.

Doch da die Gesandten

Des Hungers nichts fanden,

Erhub sich ihr Scherz:

"Herr! Zollfrei passieret

Der SpleenEr verlieret

In jedem Kommerz." –

So rechnen Verdammte,

Versetzt' ich, und flammte

Und wünschte sie zum – – –

Und fuhr, zwar vom Zolle

Erlös't, doch im Grolle

Den Schlagbaum herum.

Freilich, freilich, lieber