, der dazwischen kam, zeigte mir bald, dass es nichts weiter als philosophische Dünste waren, die gern so geschwind verfliegen als sie aufsteigen, und zu allen zeiten wohl selten etwas beitragen mögen, die Gesundheit einer kranken Seele zu befestigen.
Der gute Junge, den ich gestern mietete – ich hatte ihn ganz aus der Acht gelassen – trat seinen Dienst bei mir an, und pflanzte sich, da ich mich seiner am wenigsten versah, schön gekräuselt und in die Livrei gekleidet, die sein Schwager ehrlich getragen und glücklich abgelegt hatte, vor mein Bette. Die Sache ging sehr natürlich zu, und doch kam sie mir als eine unerwartete Erscheinung vor, und erregte Ideen bei mir, die meiner armen Philosophie nichts weniger als zuträglich waren. – Urteile nun selbst, wie es mit einem solchen kopf aussehen mag, den so gleichgültige Dinge schon aus seiner Fassung bringen. Das reisefertige Ansechen Bastians, sein freundlicher Glückwunsch zum neuen Jahre, und seine überraschende Frage: ob er das Anspannen bestellen solle? machten mich, eins wie das andere, mit mir selbst irre. – Ich blickte ihm ungewiss in das Gesicht, als ob mir eine dunkle Erinnerung von ihmvorschwebte, und runzelte, statt ihm zu antworten, die Stirn. Endlich merkte ich was mir war. – "Keinen Gruss von Margot?" sagte ich heimlich zu mir; "das heisst deine Befehle fast zu pünktlich befolgt!" und legte mich unwillig auf das andere Ohr. Er musste mich noch ein paarmal mit der sonorischen stimme seiner Schwester und mit den Aehnlichkeiten ihres lieben Gesichtchens erschrecken, ehe ich gefasst genug war, ihn mit einem grämlichen Ja! abzufertigen. – Er verliess mich – und ich – nicht halb mehr so zufrieden mit mir als vor einigen Minuten, stand lässig auf; meine Morgenbetrachtungen blieben unvollendet in der Nachtmütze hängen, die ich abwarf, und ich trat mit einer Art von Trotz in das Nebenzimmer, wo eine Kleinigkeit, die meiner wartete, mich vollends, und eben so geschwind verstimmte, als sie mir in die Augen fiel.
Es war eine Rose, die mir Bastian von seiner Schwester mitgebracht, und auf den Bogen, woran ich jetzt schreibe, gelegt hatte. Ich erkannte sie sogleich, wie ich ihrer ansichtig ward. Es war die oberste von den dreien, die gestern noch als Knospen an dem Stocke hingen, den Margot täglich in die Sonne trug und begoss. – "Die erste die sich entfalten wird," sagte immer das liebe Kind, "soll niemand bekommen als Sie, mein gütiger Herr!" und wie wird sie sich freuen, dass sie mir noch Wort halten konnte! Ich hob die Blume zitternd in die Höhe, und die Tränen traten mir in die Augen. Alle die frohen Erinnerungen der ländlichen Stunden, wo sie mit aufgestreiften Aermeln vor ihrem Blumenstocke stand, ihn genau musterte, und bald eine summende Mücke, bald eine näschige Wespe davon verjagte – schienen jetzt mit dem Geruche dieser lieblichen Blume in mich überzuströmen, und ich konnte mich an der frischen Farbe dieser Erstlingin des Jahres nicht satt sehen.
Du kennst doch die Provencer Rosen, trauter Eduard? Viel kleiner als die unsern, röter, elastischer und koncentrischer, als es bei weitem unsre Centifolien sind, scheinen sie dem Auge eines Deutschen nur desto reizender – und nun vollends so früh im Jahre, und in der feierlichen Nacht entfaltet, die mich, ach! auf immer, von dem nachbarlichen Bette meiner guten Margot entfernt hat! Wäre es ein Wunder, wenn ich, trotz einem B r o k e s und seinem irdischen Vergnügen in Gott, über Betrachtung dieser Blume zum kind würde? Ich habe sie zwischen meinem Busenstreife verborgen, nahe bei meinem pochenden Herzen, und würde es für Sünde halten, wenn ich sie mit prahlendem Leichtsinn auf meinen Reisehut stecken wollte. Nein! sie soll durch ihren sanften Gegendruck – durch den Aushauch ihres Wohlgeruchs, mir nur fühlbarer machen, dass ich noch atme, und ein Mensch bin; und selbst über ihre sterbenden Blätter will ich eine gewissenhafte Rechnung halten, sie, wie sie abfallen, in meine Brieftasche sammeln, und sie nur empfindsamen Freunden, als kostbare Reliquien aus dem heiligen Caverac, zeigen.
Der ungeduldige Junge hat mir schon zweimal gemeldet, dass alles zu meiner Abreise fertig sei. Er tat es, und das weiss ich ihm Dank – ohne des wichtigen Geschenks zu erwähnen, das er mir so heimlich zugebracht hat. Ich werde suchen, ihm in der Unbefangenheit nachzuahmen, die er gegen mich über das Vergangene heuchelt. Ich will ihn von nun an nicht weiter als den Bruder Meiner Margot, sondern als Johanns Schwager und meinen Bedienten betrachten, und nie gegen ihn meine Empfindungen laut werden lassen: denn, kann Etwas unserm Ansehn nachteilig werden, so ist es wohl die Schwachheit unsres Herzens. Verrate sie ja keiner, wer sich in jenem bei seinen Untergebenen zu erhalten wünscht! Die Hengste vor meinem Wagen wiehern und stampfen, und der Postillion knallt einmal über das andere. – So muss ich denn wohl mein Tagebuch einpacken. Ich muss fort, trauter Eduard, fort aus der paradiesischen Gegend, wo ich jenes herrliche Mädchen fand, das einzige vielleicht, das der Unkosten der Liebe noch wert ist.
Avignon.
Abends.
Kaum hatte ich mich heute Morgens mit meiner Provencer Rose in den Wagen, und Bastian sich mir gegen über zurechte gesetzt; so sah ich schon, dass ich eine Torheit