verzeihen, wo er ihn selbst fasste, und, wie wir wissen, königlich ausführte. 14 La Fontaine war, ausser Pelisson, welcher den Advokaten von Fouquet machte, der einzige Unbedachtsame, der es wagte, das Unglück seines ehemaligen Beschützers laut zu bejammern, anstatt einen neuen in dessen Nachfolger zu suchen. Er unterstand sich sogar, den König mit einer Elegie zu behelligen, in der er auf's rührendste für den gestürzten Minister um Gnade bat. Dieser Beweis seiner wenigen Lebensart brachte ihn so sehr um allen Kredit bei hof, dass der stolze Monarch, dessen Freigebigkeit sich doch sogar auf die Gelehrten fremder Länder erstreckte – für einen solchen Schafskopf, als la Fontaine, nicht das geringste tun mochte. Der gute Fabler lebte beinahe nur von den Allmosen einiger wenigen Freunde. Er – dessen Schriften jetzt die Nation durch einen immer prächtigern Druch nach dem andern, vor allen seinen Zeitgenossen ehrenvoll auszeichnet, hatte nicht so viel, um sich ein neues Kleid schaffen zu können! Er – der, wie alle grosse Schriftsteller, durch den Ausfluss seines Geistes, auch nur als Kaufmannswaare betrachtet, seinem vaterland ein ewig fortwucherndes Kapital hinterliess, war selbst einmal im Begriff, über das Meer zu gehen, um in der Fremde seinen Unterhalt zu suchen. Obige zwei Verse auf Fouquet sind von ihm entlehnt:
Jours sans soleil,
Nuits sans sommeil,
Quelque peu d'air pour toute grace etc.
Zweiter Band.
Zweiter teil.
Nimes.
Den 1sten Januar.
Freund! dass ein frisches Gesicht, im Schatten wild flie
genden Haares,
Dem keine Feder, kein Schmuck den Bau der Locken
verbog;
Ein Busen, welcher, bei Gott! mit allem, was er auch
Nares
Entdeckt' und verbarg, zwo Mirabellen kaum wog;
Ein kleines närrisches Ding, das gaukelnd – sonder ein
klares
Bewusstsein seines Berufs, mit dem Geschwätze des
Stahres
Den Baum der erkenntnis des Guten und Bösen um
flog –
Dass eine Fee dieser Art jüngst auf ein eben so wahres
Als seltnes Weihnachtsgeschenk an ihre Tafel mich
zog,
Und, als ich hungrig erschien, mich, wie wir wissen,
betrog –
Für einen Schüler Berlins war das zum Schlusse des
Jahres
Ein ärgerlicher Epilog!
Doch dass, zu meinem Ruhm, es Welt und Nachwelt
wisse!
Ich stahl bei dem Geräusch mir nicht bestimmter
Küsse
Vom Schauplatz mich hinweg, und wie ein Held, ver
wies
Ich mir sogar den blick, den hinter die Kulisse
Die Lüsternheit mich werfen hiess!
Der letzte Nest von Amors Sorgen
Schwand mit dem Traum der letzten Nacht. –
Aus solchem Sturm der leidenschaft geborgen,
Ist wohl nie mutiger am ersten Feiermorgen
Des Jahrs ein Philosoph erwacht! –
So bang um den Ersatz, so ernst, wie ein Verschwen
der
Das Gold, das er verlor, im Geist zusammen reiht,
Durchzählt' auch ich den Wert der mir entflohnen
Zeit,
Und webte mir ein Jahr im künftigen Kalender
Aus Festen der Entaltsamkeit.
O Weisheit! rief ich aus, o du, die in der Mitte
Der Freuden sitzt, die keine Reu vergällt –
Entziehe mich der Schmach, die jede niedre Bitte
Um eines Weibes Gunst entält!
Verleih, dass ich, selbst unerschüttert
Im Brennpunkt einer Griechin steh,
Und, wenn auch schon an ihrem Negligee
Das Band sich bläht, der Atlas knittert,
Doch nicht in Gährung übergeh!
Gieb, dass ein höh'rer Zweck der Neugier Zügel lenke,
Als der an Ruhebetten lauscht,
Und auch dem Glücklichsten, dem dort die Zeit ver
rauscht,
Doch nur armselige Geschenke
Auf Kosten seiner selbst vertauscht! –
Ist's möglich, dass ein Geist, der Sonnen zu erklettern
vermag, und ihre Strahlen teilt,
Zum Tron des Ewigen in blitzerfüllten Wettern
Mit unversengtem Fittich eilt,
Nun diesen Fittich senkt, und kindisch sich verweilt,
Um eine Rose zu entblättern?
So tief sank Newton nie. An weis're Sorgen band
Er seine Tätigkeit und seines Namens Ehre;
Zu stolz für ein System, das weniger Verstand
Als Mark erheischt – war ihm ein Kuss – ein Druck der
Hand,
Und was ein M a n n nur wünscht, dass ihm ein
W e i b gewähre,
Ein Spiel, das er nicht wert der Untersuchung fand,
Unnötig zum Beweis der Lehre,
Die er von dem G e s e t z d e r S c h w e r e
Der sträubenden natur entwand.
Von allen Globen, die uns Licht
Und Ebb' und Flut und Tag und Nacht gewähren,
Kannt' er den Lauf und das Gewicht,
Hob alle Schleier auf, das Dunkel aufzuklären,
Selbst von Johannes Traumgesicht:1
D i e Globen nur, die, wie ihr Schmeichler spricht,
Den Musen gleich,2 uns in der Kindheit nähren,
Als Mann, als Greis erfreun, selbst unsern Wohlstand
ehren,
Und unsre Freunde sind, wenn Rat und Trost ge
bricht,
Nur die besuchtesten von allen Hemisphären
Besucht' er nie und kannt' er nicht.3
Es ist eine herzerhebende Empfindung für einen Mann, der an seiner Vervollkommnung arbeitet, wenn er sich beim Erwachen klüger wieder findet, als er sich den Abend vorher verliess. – Ich fühlte die frommen Morgengedanken, die ich Dir eben mitteilte, mein Eduard, mir so nahe und so warm am Herzen liegen, dass ich sie, ehrlicher Weise, für sichere Anzeigen seiner Besserung hielt, und schon mit Vergnügen die guten Folgen davon berechnete: ein kleiner Umstand aber