meinen Pavillon zu Nimes einsam durchschreiten und Liedchen singen, damit ich nicht höre, wie mir das Herz pocht.
Mein Tagebuch – noch hat es in meinen Taschen Raum – nehme ich allein von hier mit. Meine übrigen kleinen Effekten soll mir Bastian mit Anbruch des folgenden Tages nachbringen.
So wäre denn meine Abschiedsstunde von Caverac mit so vieler Schonung meines wunden Gefühls angelegt, als kaum ein Hofprediger der letzten Stunde einräumen kann, in der sein Fürst aus der Welt geht.
Bastian soll unter acht Tagen seiner Verwandten nicht gegen mich erwähnen. Das habe ich ihm bei meiner Ungnade eingeschärft.
Nimes.
Freund! Ich bin nun gerettet – wie ein fisch, der den Köder vom Faden gebissen hat, und mit dem Angelhaken in der Gurgel davon schwimmt. Hätte ich, zu einem Bettler herab gesunken, mein Land verlassen müssen, wo ich als König regierte, bänger hätte mir kaum um das Herz sein können, als da mir nun die wohnung der Unschuld und Freude im rücken – und, abgeschnitten von allem, was mir lieb war, die ganze weite freudenlose Welt vor mir lag. Ach! nichts begleitete mich, als mein trauriger Schatten. – Mir fehlte Margots sonorische stimme – ich vermisste den Nachtrab meines treuen schwatzhaften Johann, und mein zerstreuter blick, der selbst manchmal sich nach meinem guten astmatischen Mops umsah, kehrte betroffen über seinen Verlust zurück. Und o wie viele andere stachlichte Empfindungen – die ich aus Zärtlichkeit gegen mich nicht berühren mag – kletteten sich nicht an dieses belastende Gefühl von Trennung und Einsamkeit! Es war mir, als ob an jedem Pflasterstein, über den ich auf meinem Wege fortschritt, ein teil meines Eigentums hängen blieb, so dass ich es mit jeder Minute kleiner, unbedeutender werden, und zuletzt in ein Nichts verschwunden sah.
Ich konnte es nicht über mich gewinnen, auf der Chaussee fort – bei der steinernen Bank vorbei zu gehen, auf der sich meine Eigenliebe, und, wie Du weisst, ganz ohne Not, brüstete, und aus einem Missverständnisse, das ich mir noch nicht vergeben kann, in so lebhafte Bewegung geriet. In solchen Umständen, lieber Eduard, ist es sehr bequem, wenn man neben der Landstrasse noch einen Rasenweg findet. Wie klein war indess die Erleichterung, die ich m i r damit verschaffte! – Denn, ob ich gleich weder Menschen noch Esel begegnete, die mich an mein Dörfchen erinnerten, so konnte ich doch unmöglich jedem Moose, jedem sprossenden Strauche, das den Moosen und Gesträuchen auf dem Fichtenberge ähnlich sah, aus dem Wege gehen: und als ich mir vollends einfallen liess, einen seitwärts gelegenen Hügel zu besteigen, so brachte ich mich auf einmal um allen Vorteil meines listigen Umwegs; denn nun trat mir, in dem weiten Zirkel des freundlichen Languedocs, den ich übersah, das kleine liebe Caverac so nahe vor die Augen, dass sie mir übergingen, ehe ich es wehren konnte.
Ein Weilchen liess ich meinem kindischen Herzen seinen Willen: da aber der annähernde Abend die Gegend immer mehr in's Dunklere zog, so nahm ich den Zeitpunkt wahr, ehe sie mir entwischte, ihr meinen feierlichen Segen zu geben. Es war ein süsser belohnender Augenblick, der mich über mich selbst erhob – ein Gefühl, wie es nur der heilige Vater haben kann, wenn er auf dem Balkon der Peterskirche seine segnende Hand erhebt, und sein ganzes Volk in andächtiger Schwärmerei vor ihm zur Erde niederstürzet. – Der Fleck, wo Margot wohnte, schien noch, ehe er meinen Blicken verschwand, einen sanften Schimmer von sich zu werfen, der meine Seele stärkte, erwärmte, beruhigte. Ich ergriff gutes Muts meinen Wanderstab, und suchte mich zu überreden, ich wäre gefasst und zufrieden.
Ueberlege noch mit mir, Eduard, indem ich unter dem Wiederscheine des Abendrots nach meinem Pavillon schleiche, wie viele wichtige Geschenke, die vielleicht eine grössere Summe von Glückseligkeit umfassen, als das ganze Königreich Schweden zu seinen! Anteil erhielt, diesem von der natur so begünstigten Winkel der Erde und seinen Bewohnern zugefallen sind.
Die dreimal Glücklichen! Wie leicht
Wird's ihnen nicht, in ihrem vollen Garten
Des Lebens Traum, durch Sorgen nie verscheucht,
Ganz durchgeführt, so weit er reicht,
In jener Einfalt abzuwarten,
Die dem Gefühl so gütlich däucht!
Die Freude tanzt hier ohne Regeln,
Der Scherz gesellt sich ohne Zwang
Zu ihrem Wein, zu ihren Kegeln
Und ihrem baskischen Gesang.
Sie haben das, was sie bedürfen:
Ein leichtes Blut und Lieb' und Wein,
Und alle ihre Sinne schlürfen
Den Zaubertrank des Lebens ein.
Im Schatten ihres Oelbaums wohnen
Glück und Zufriedenheit. Kein Sturm der leidenschaft
Jagt sie aus ihrer Ruh nach weit entfernten Frohnen
In's magere Gebiet wurmstichiger Patronen,
Nach Gnadenmitteln ohne Kraft,
Und die der Müh des weges nicht lohnen –
gibt es für Wallungen ein sichrers, als den Saft
Von ihren kühlenden Limonen?
Wenn C o l a s Händedruck, im Ringeltanz mit
Rosen,
Die erste Scham des lieblichen Gesichts,
Den ersten Seufzer weckt, so fragt er nicht nach
Mosen,
Nach dem Propheten und dem grossen
Christophel, wenig oder nichts.
Welch ein Elysium! Schon dreizehn Jahre steuern
Des Landes Töchter aus. Ihr spähendes Gesicht
Trifft unter einem Trupp von Freiern
Bald auf den Glücklichen, dem nicht der Mut
gebricht,
Auch ohne Heiratsgut der Liebe fest zu feiern.
Willst Du den ächten Ton von ihren Hochzeitleiern,
So trällre nach, was