des meinigen.
Jedes Wort, das Johann vorbrachte, gab mir einen Stich in's Herz, und trieb mir das Blut in's Gesicht. – – – Alberner – ich schwör' es Dir zu – bin ich mir in meinem Leben nicht vorgekommen, als da ich, während dass der Kerl von seiner heissen Liebe zu Margot, und ihrer eben so feurigen Gegenliebe, mir vorstotterte, mich an meine schöne Tiraden über die Ungleichheit der Stände – über die gefundene ächte Perle und an allen den Unsinn erinnerte, der mir einige Tage her durch den Kopf und durch die Feder gegangen war. Mein Zustand glich zuletzt förmlich der Stupidität, in die gewöhnlich nur grosse Gelehrte fallen, wenn ihnen im gemeinen Leben – in ihrer Küche und in ihrem Keller etwas aufstösst, das nicht sogleich in ihr System passt. Ich staunte vor mir hin, und verlor die Hälfte von dem, was Johann auskramte. –
"Ja, lieber Herr," fuhr er eben fort, als ich meine Gedanken endlich besser zusammen nahm – "nun wissen Sie mein ganzes Anliegen. Es hat mir und Margotchen immer auf der Zunge geschwebt; aber – mein Gott! – keines konnte Herz genug fassen, es an den Tag zu bringen, und jedes wollte es dem andern zuschieben. Vorgestern noch, wie wir den ganzen Morgen zusammen vertändelten – es war den Tag, wie Sie mich in die Stadt schickten – –"
"Und wie habt Ihr ihn denn vertändelt?" – unterbrach ich ihn neugierig.
"Ach es ist nicht der Rede wert," versetzte Johann: "Das Mädchen zeigte mir nur ein wenig den gang und die Vorteile des Seidenbaues" – sagte mir, dass die Liebe dieser kleinen Würmer Segen über das ganze Land verbreitete, und dass, wer nur mit einiger Sorgfalt die Begattungsfreuden dieser kleinen Geschöpfe Gottes beförderte, reichlich dafür – wie für eine gute Tat – belohnt würde. – Und darüber kamen wir so ganz natürlich auf unsre eigene Liebe und unsern künftigen Haushalt. – Ein Wort gab das andere – ein Kuss folgte dem andern, und da ... Was wollte ich doch sagen? – Ja, da fasste Margot Mut, und gab mir die Hand darauf, denselben Tag noch mit Ihnen davon zu sprechen. – "Ich will Dir," – sagte sie, – "bis an das Tor entgegen kommen – und Deinen Herrn mitbringen. – Unterweges will ich ihm erzählen, wie sehr ich Dich liebe – will um Dich anhalten; und damit Du gleich wissen kannst, wie die Sache steht, so will ich Dir auch ein Zeichen angeben. Siehst Du – Komme ich Dir allein entgegen gehüpft, so ist es gut – halte ich aber Deinen Herrn an dem arme – ach so denke nur, dass wir unser geheimnis noch für uns haben. – Wie ich nun aus dem Stadttore trat, sah ich mit pochendem Herzen Sie beide auf der steinernen Bank sitzen – sah die Kleine geschwind aufsteigen – ach aber, was gab es mir nicht für einen Stich, als ich bald darauf auch sah, wie sie ihre Händchen so artig um Ihren Arm schlang!"
"O Montagne! Montagne!" rief ich hier mit knirschenden Zähnen aus: – "Du hast Recht, dass die Katzen oft mit uns spielen, wenn wir glauben, wir spielen mit ihnen."
Johann verstand so viel Französisch, dass er sich einbildete, ich hätte etwas über den Berg gesagt, und herzlich schief darauf antwortete. – Doch mir war es jetzt nicht gegeben, über den geringsten Missverstand zu lachen.
"Ja, das war es auch," erwiderte ich – "aber fahre nur fort."
"Was ist da noch fortzufahren, mein gütiger Herr?" versetzte Johann. "Gott weiss es, dass es mir in der Seele weh tut, dass ich um meine Entlassung bitten muss: aber mein Platz ist ja wohl noch zu ersetzen. – Es ist ein gar zu gutes Mädchen, das mich so herzlich liebt, und ich wüsste nicht, wie unser eins ein grösser Glück in der Welt machen könnte." –
"Unser eins?" wiederholte ich, und kaute verdriesslich an den Nägeln.
"In diesem land" – stotterte er ferner – "ist es leicht, sich durchzubringen, leicht, eine Frau zu ernähren, zumal eine selbst fleissige und wirtschaftliche Frau, wie Margot schon aus Liebe zu mir sein wird. Noch gestern Morgen – als wir Sie hier auf diesem Berge suchten, und wir gerade auch auf diesem platz traulich bei einander sassen, hat sie mir – und ohne zu viel zu sagen – gewiss unter tausend Küssen, hat sie mir versprochen, alles aus sich zu machen, was ich nur wollte."
"Unter tausend Küssen!" dachte ich, "das ist abscheulich!" und hätte jetzt viel darum gegeben, wenn ich den einzigen wieder zurück gehabt hätte, bei dem mich der Tragödienschreiber überraschte. – Ich verwünschte die kleine Verräterin, die für einen andern als mich so beredt stammeln und erröten, und einem andern als mir so feurige Küsse geben konnte. Es kam mir nun ganz ausgemacht vor, dass sie meinen Mops vergiftet habe, um mich um alle meine Reisegefährten zu bringen. An das gestrige Blatt meines Tagebuchs konnte ich nicht ohne Groll gegen mich und sie denken, und Du hast es bloss dem Doktor in Würzburg zu danken, dass ich dieses