entgegen, der sich freundlich an uns anschloss. Ich vergass den Baron, die Kleine trällerte, und Johann gab mir, während uns ein schöner Abend langsam nach haus brachte, Rechenschaft von seinen Verrichtungen in der Stadt.
Den 28sten December.
War ich gestern mit meinem Tage zufrieden, so bin ich es mit meinem heutigen ungleich mehr. Ich habe mich über einer unzweideutigen probe einer vollständigern Genesung überrascht, als ich jemals hätte hoffen können – über einer von den Torheiten aus den glücklichen zeiten meines fünfzehnten bis achtzehnten Jahres. Es macht mir eine herzliche Freude, sie Dir erzählen zu können; denn Du bist zu sehr mein Freund, als dass Du nicht einen warmen Anteil daran nehmen solltest.
Du weisst – wenn Du anders künftig einmal bis hieher gelesen haben wirst – wie es um das Herz der Wahrheit ungewöhnliche Stärke dazu, ihm nicht zu hülfe zu kommen, da vielleicht noch keinem Ritter das Mitleid so nahe gelegt worden ist, als mir, und ich zu aufmerksam auf das liebe Kind bin, um nicht, wie ein praktischer Arzt, der unter Epidemien grau geworden ist, von Stunde zu Stunde angeben zu können, um wie viele Grade sich die Krankheit verschlimmert hat. Ihre vormalige Munterkeit, wie ganz ist sie verstoben! – und ach, nun kommen die Symptome der unruhigen Nächte dazu – Was will aus dem armen kind werden!
Ich lag in dem besten Schlafe hinter meinem Closset, als mich ihre stimme zu erwecken schien – Es war aber nur der Widerklang ihrer Seufzer tönenden Brust. Da es ganz still um uns her war, so entwischte mir auch nicht ein Atemzug, durch den das gepresste Herz sich zu erleichtern suchte – keiner von den jugendlichen, in manch sanftes Ach! koncentrirten Wünschen, die das Blut durchsäuseln, und sich dem Kenner – noch ehe sie der unschuldigen Seele hörbar werden, wie der Hauch auf einer äolischen Harfe, verraten. Hätte ich mich gehen lassen, so würde das seltenste Koncert von Seufzern entstanden sein, das je gespielt worden; denn je aufmerksamer ich mit jedem Pulsschlage ward, desto schwerer ward es mir auch, nicht mit einzustimmen.
Wie froh war ich, als der Tag zu grauen anfing, und ich bald darauf, mein Bette mit Ehren verlassen konnte! Ich kam glücklich bei dem ihrigen vorbei – nahm aber das Herz so voll von sympatetischen Gefühlen mit, dass mir für hinlängliche Unterhaltung auf meinem einsamen Spaziergange unmöglich sehr bange sein konnte.
Gott weiss, wie geschwind oder langsam ich heute meinen Berg erstieg! Ich hatte aus mir selbst zu viel heraus zu spinnen, als dass ich auf etwas ausser mir nur Acht gehabt hätte. So viel noch erinnere ich mich – dass er mir heute nicht hoch, nicht räumlich, nicht romantisch genug vorkam. Ich musste, ohne es zu wissen, auf seiner andern Seite herab gestiegen sein; denn, als mir das sonderbarste Abenteuer mein Bewusstsein wieder gab, befand ich mich in der Mitte einer mir unbekannten Wildniss – sah meinen Fichtenberg eine Stunde weit von mir liegen, und konnte kaum mit blossen Augen mein kleines Caverac wieder finden.
Ist es indess Wohl der Mühe wert, dass sich die drei Grazien des menschlichen Lebens – Wahrheit, natur und Freundschaft – vereinigt bemühen sollen, Dir das lächerlichste Bild aufzustellen, das Dir wohl jemals von einem Menschen bei gesundem verstand zu gesicht gekommen ist? Wenn Du so dächtest, lieber Eduard, so sähe ich mich genötigt, mich erst darüber mit Dir zu besprechen. Dergleichen Schilderungen von uns selbst, denke ich, verdienen nur dann erst, dass man den Kopf dazu schüttelt, und sich über ihren Autor ein wenig aufhält – wenn man sie, wie Rousseau, mit einer geheimnissvollen Miene auf den Altar der Unsterblichkeit niederlegt, und durch ein mit einem Anatema versehenes Kodicill verordnet, dass sie nicht eher als zwanzig Jahre nach unserer Verwesung der Welt zur Schau gestellt werden. Zu was so viele Umstände? Ich gebe überhaupt nach meiner jetzigen denkart – und Gott erhalte mir sie! – nicht den Augenblick einer leichten Verdauung für die ganze Ehre, der zweiten Generation namentlich bekannt zu bleiben: doch kann ich auch nicht so viel Wesens daraus machen, wenn ein Freund wie Du, bei meinem Leben, mich im Hemde überrascht. Das schliesst jedoch, wohl zu merken, nicht den gutmütigen Wunsch aus, durch mein Dasein – wo nicht mit so patetischem Ernste, wie Rousseau, oder mit dem Schrecken jenes, der das Pulver erfunden hat – doch sonst durch eine gesegnete Kleinigkeit auf die Nachwelt fortzuwirken. – Und geschähe es nur durch einen Schwefelfaden, den ich inkognito zu meiner eigenen Bequemlichkeit verbesserte, und nachher damit bis an's Ende der Welt den Armen erleichterte, ihre Lampen anzuzünden – nur durch ein Liedchen, wie Anakreon sang, das einige tausend Jahre hindurch, Menschen wie wir sind, einen frohen Augenblick mehr erträllern half – ich wollte damit zufrieden sein – zufriedener, als wenn ich jetzt mein Leben an Reichsund Kreis-Relationen verschreiben – in der Ungewissheit verschreiben müsste, ob die Nachwelt so viel Nutzen als aus meinem Schwefelfaden ziehen würde.
Die Weisen, die hierin meiner Meinung sind – und die es nicht sind, mögen es mir vergeben, dass ich diesen reichhaltigen Text zu einer gelehrten Abhandlung einer Armseligkeit vorausschicke, und ihn mit derselben Feder geschrieben habe, die Dir die wichtige Neuigkeit erzählen soll, durch welche Verfassung der Seele ich dahin gebracht wurde, mir heute in der Mittagsstunde eine Beule gerade über