guter Mops ist gestorben und liegt nun unter dem grossen Olivenbaume meines Wirts begraben. Wenn dem klügern Menschen nicht ausschliessungsweise von jeder andern Kreatur die Ehre des Selbstmordes vorbehalten wäre, so möchte ich beinahe glauben, dass auch mein Mops, aus Schwermut, freiwillig die Welt verlassen habe. Es schien ihm unausstehlich zu sein, seinen Herrn vergnügt zu sehen, und seitdem Margot hier ist, die mir eine Runzel um die andere aus dem gesicht wegwischt, bekam er jede Stunde eine mehr, und seit gestern abend, wo wir – ich und sie – freilich sehr munter zusammen waren, schien sein Verdruss aufs höchste gestiegen zu sein. – Er kroch in einen Winkel, und heute früh fand man ihn tot.
Ich gestehe, dass ich ihn seit einiger Zeit vernachlässigt habe, und es tut mir wirklich leid; denn es war ein gutes Tier, das mich liebte, und dem ich, in jenen hypochondrischen Stunden meiner Reise manche nützliche Betrachtung verdanke.
Diess grosse Warnungsbild, das ich mit ihm verloren,
So weit ich blicken kann, ersetzt ein andres nicht.
Belehrender ward nie ein Sonderling geboren.
Und keiner trug bei kürzern Ohren
Ein philosophischer Gesicht.
Zwar sah ich manche Stirn von Königsberg bis Leiden
Mit diesem mystischen gelehrten Ueberzug:
Doch sah ich keine je, die Runzeln so bescheiden,
Von allen Weisen zu beneiden,
Als meines Hundes Stirne, trug.
Der schönsten Stadt entführt, wo der Beruf zu
schlafen,
Durch Lindenduft verstärkt, das Bürgerrecht ihm gab,
Ward er, wie Epiktet, vom ungestalten Sklaven
Mein Freund – Er war's, dem Polygraphen
Der Schweiz zum Trotz – bis an sein Grab.
Er warf den hohen Ernst der kritischen Geberde
Nie auf ein Mitgeschöpf – nie ausser sich herum.
Der Schnarcher suchte nie, so weit ihn Gottes Erde
Auch trug, dass er bewundert werde,
Ein grösser Auditorium.
Nur still erbaut' er mich. Von seinem gelben Felle
Blickt' ich gestärkter auf in die beblümte Flur:
Mein krankes Auge stieg von seiner Lagerstelle
Gemach vom Dunkeln in das Helle,
Bis zu dem Lichtquell der natur.
Wenn er sich schüttelte, las ich in seinen Blicken
Den herrlichen Beweis vortrefflich kommentirt,
Den einst, vom Uebergang des Schmerzes zum Entzücken
Aus gleicher Notdurft sich zu jucken,
Der weise Sokrates geführt.10
Kein unbequemer Freund, kein Trunkenbold, kein
Fresser,
In richtiger Mensur nicht stolz nicht zu gemein,
Schlief er sein Leben durch, und wahrlich desto besser!
Er schläferte, wie ein Professor,
Auch seinen klügern Nachbar ein.
Lebt wohl ein Menschenfreund, der sich nicht seiner
Hunde
Nicht ihrer Tugenden und ihrer Liebe freut?
Sucht nicht selbst F r i e d e r i c h , kraft seiner
Menschenkunde,
Das Spielwerk seiner Ruhestunde
In seines Hunds Geselligkeit?
Ulyss, von seinem Hof verkannt und ausgeschlossen,
Bewährt der Treue Ruhm, den sich sein Hund erwarb:
Alt, blind, kroch er zu d e m , nach Jahren, die verflossen,
Von dem er Wohltat einst genossen,
Zog seinen Dunst noch ein – und starb. –
Wie hast du, guter Mops, nicht meiner Stirne Falten,
Sah ich dem Grillenspiel der deinen zu, gegleicht!
Gewarnter nun durch dich, frühzeitig zu veralten,
Sei immer dir mein Dank erhalten!
Auch dir sei Gottes Erde leicht! –
Margot, als sie mich in diesen ernsten Gedanken vertieft, und meine Augen getrübt sah, stellte sich gerade vor mir hin – "Wie konnten Sie," fragte sie mich mit lautem lachen, "einem so grämlichen schnaufenden Tiere nur ein Bisschen gewogen sein? – Wissen Sie wohl – aus Liebe für Sie habe ich ihm Krähenaugen gegeben! Sein unfreundliches Ansehen störte ja nur unsere lustige Gesellschaft." – Und ich Narr sitze da, blinzle dem Mädchen in's Gesicht, weiss nicht recht, ob ihre Anklage Ernst oder Scherz ist, und vergebe ihr eins wie das andere, um der Perlen von Zähnen willen, die sie mir sehen lässt. Ich werde mit diesem kind selbst noch zum kind, lieber Eduard! – aber – ich kann mir nicht helfen!
Den 25sten December.
O Jerom! Jerom! Du würdest mit mir zufrieden sein, wenn Du mich sehen könntest! Liebe und Freude durchströmen mein Herz. Wie geschwind ist unter diesem lachenden Himmel, in dem Umgänge dieser seltenen Menschenart, die Rinde weggeschmolzen, die es umgab! Eine Schicht nach der andern dieses verhärteten Umzugs lös'te sich ab, und jetzt schwärmt es neu belebt, hebt sich und senkt sich, tobet und brauset, und ich kann seiner nicht mehr Herr werden. Sogar meine Berge und Wälder haben ihr ehrwürdiges Ansehen verloren, seitdem sie Margot mit mir durchschweift. Diess Kind der natur badet sich selbst zu gern in dem Morgentau, fühlt selbst zu sehr das Behagliche der Bewegung, als dass sie in der Hütte bleiben und ihren Vorteil nicht absehen sollte, sich, sobald ich aus der tür trete, an meinen Arm zu schlingen.
Heute mit dem frühesten erwachte sie, als ich eben nach dem hut griff, der gerade über ihrem Bette an der Wand hing, und, wie ein aufgescheuchtes Reh, fuhr sie von ihrem Lager auf, so dass sie mir kaum Zeit liess, meine Augen so lange wegzuwenden, bis sie ihr Röckchen über sich geworfen hatte. O natur! natur! – auch Coquetterie, wie sie aus deinen Händen kommt, ist rührend! Ich habe