seht, hab' ich vor wenig
Wochen –
Friedrich dem Einzigen hab' ich ihn ausgebrochen,
Und gnadenvoll schenkt' Er mir ihn.
Bei Gross und Klein – Gott sei's gedankt! – gelitten, –
Hätt' ich nur hände g'nug, – sucht man mich überall.
Seht, zum Beweis, wohin ein Mann von Sitten
Nicht dringen kann, hier das Original
Der Hornkluft, die ich einst in dem Escurial
Der schöne Io Karls des Dritten,2
(Sobald ich mich durch die gedrängte Zahl
Der Neider meines Glücks gestritten)
In drei Minuten ausgeschnitten.
Den Tag nach dieser Kur erhielt ich das Diplom,
Das Ihr hier gläzen seht, als Leibarzt und als Ritter.
Und so bewährte sich mein altes Axiom: –
Oft schwellt die Pfütze selbst zum Strom
In einem nächtlichen Gewitter:
Nicht immer geht die Kunst nach Brod.
Doch, dass wir nicht einander missverstehen,
So hört: Ich bin mit Panaceen
Der neusten Art, mit Mitteln, seinem Tod,
So Gott will, aus dem Weg zu gehen –
Sagt nur, was Ihr bedürft – ich bin damit versehen.
Doch kaufet in der Zeit, so habt Ihr's in der Not;
Kauft! denn das nächste Morgenrot
Sieht mein Panier in Strassburg wehen,
Wohin mich mein Patron, der Kardinal, entbot.
Spottet nicht, Ihr glücklichen Gesunden, über einen ehrlichen Semler, der in der Beängstigung seines Zwergfells, die er sich in den vielen Büchern erschrieben hat, die jetzt eure Bequemlichkeit nutzet, – spottet nicht über ihn, wenn er nach den Lufttropfen lechzet, die ihm eine vornehme Hand vorhält; lacht nicht über die armen Bedrängten, die einen M e ss m e r reich machen, und vergebt es auch meinem Scharfsinne, der unter der Husarenmaske dieses Arztes einen Gesandten Gottes entdeckte, der mir in meinen angstvollen Augenblicken zu hülfe kam, mir für zwei armselige Goldstücke eine Flasche seiner unbezahlbaren Tinktur verhandelte, und seine Adresse obendrein gab. Mit welchem Vertrauen verschluckte ich den ersten Löffel davon, den er mir aus herablassender Güte mit eigenen Händen eintropfte! "Sie werden in einen ruhigen Schlaf fallen," sagte der liebe Mann: "lassen Sie aber ja Ihren Bedienten Acht haben, dass Sie nichts in der wirkung meines Hülfsmittels störe." ––
Jener grosse König von Frankreich – sein Name fällt mir nicht bei – dem sein Beichtvater, vor Notarius und Zeugen und mit Verpfändung seiner eigenen Seligkeit, schriftlich versprechen musste, ihm durch seine Tausendkünste in den Schoos Abrahams zu verhelfen, konnte nicht mit so vieler Zuversicht aus der tischen Tropfen, meinen Weg fortsetzte. Und siehe, es geschah mir, was der grosse Mann verhiess! Ich verfiel zur bestimmten Zeit in einen wahren Zauberschlaf. Für ein doppeltes Trinkgeld hatte mir der Postillon angelobt, weder sein Horn noch seine Peitsche zu brauchen. Die Pferde schienen so ganz die glückliche fühlen, die ihnen heute, wahrscheinlich zum erstenmale, zu teil ward – krochen wie die Schnecken über den Sand – und ich und mein Mops schnarchten um die Wette.
Wie soll ich Dir aber jetzt meinen Verdruss beschreiben, als ich nach einem vierstündigen Schlummer, so ganz wider das Verbot meines Arztes, von einem ungestümen Reisenden aufgeschreckt wurde, der mit seiner Chaise gerade vor der meinigen hielt, und auch meinem Führer zu halten befahl. "Darf ich fragen, mein Herr," schlug mir seine stimme an die Ohren, "wohin Ihre Route geht?" Ich fuhr zitternd in die Höhe, rieb mir die Augen und stotterte, wie ein Schleichhändler vor einer preussischen Schildwache: "Nach der Provence, mein Herr." – "Aber für jetzt?" unterbrach er mich – "doch wohl nach Carlsruh?" – Ich bejahte es mit einem höchst verdrüsslichen Kopfnicken, da mir der Aufruhr gar nicht gefiel, den seine Zudringlichkeit verursachte. – "So haben Sie wohl die Güte," fuhr er fort, "da Sie einen Sitz frei haben" – zum erstenmale sprang hier mein geduckter Reisegefährte auf, und bellte ihn an, als ob er ihn verstanden hätte – "ein armes ermüdetes Mädchen" – (indem stieg so etwas aus dem Wagen) "bis dahin zu ihrer Mutter mitzunehmen. Denken Sie nur, mein Herr, das arme Kind hatte sich diese Nacht im wald verirrt. Ich war glücklich genug, auf sie zu treffen und sie zu retten – doch erlauben mir meine Geschäfte keinen weitern Umweg."
Eine solche Zumutung an einen eigensinnigen Kranken, der noch dazu in seinem teuer bezahlten Schlafe gestört wird, konnte unmöglich ihr Glück machen. Ueberdiess glaubte ich, so schlaftrunken ich war, aus der Lage ihres seidenen Mantels zu bemerken, dass sie wohl länger als vergangene Nacht ihrer Mutter aus dem gesicht gekommen sein müsse. Sie schlug ganz artig beschämt ihre Augen vor den peinlichen fragen der meinigen nieder, und lauerte in ängstlicher Erwartung auf meinen Entschluss. Wie viel traf nicht zusammen, mein Herz gegen die arme Verirrte zu verschliessen! Ich räusperte mich, und als ich meiner stimme gewiss war, sagte ich ihr mit deutlichen Worten: "Aus diesem Vorschlage, mein liebes Kind, wird nichts."
"Bist Du, von Deiner Mutter fern,
In jenen Stunden nicht verschmachtet,
Die Du mit einem jungen Herrn
So werde Dir, im Uebergang
Zur Mutter, auch die Zeit nicht lang!
Geh, geh, der Himmel wird Dir helfen
Kraft Deines freundlichen Gesichts:
Und wimmelte der