, liess die flohrnen Vorhänge an den Fenstern herunter und versetzte uns in eine künstliche Dämmerung, vor der ich beinahe erschrak. "Wie gefällt dir," raunte er mir nun halb laut in's Ohr, "diess liebe Kind?" und reichte ihr vertraulich die Hand. Ach mehr als zu wohl, dachte ich, aber zu einem Naturwunder gehört doch noch mehr, als ein paar blaue schmachtende Augen, ein lächelnder rosiger Mund und Grübchen – zum Versinken des Kusses – in den verschämten Wangen. Er schien der entwicklung meiner Gedanken, Schritt vor Schritt, wie ein in der Gegend einheimischer abgefeimter Spion zu folgen und brach sein listiges Stillschweigen endlich mit der verfänglichsten Gewissensfrage: "Du hast, lieber will'm, ich weiss es, vieles Schöne und Ausgezeichnete in der weiblichen Welt, – aber hast du wohl je mehr anspruchlose Grazie, eine unverstecktere reine Seele in einer fröhlichern jungfräulichen Bildung gesehen, als die, mit der ich heute einen so lüsternen Reisenden, als du bist – in April schicke?" Ob ich je etwas reizenderes gesehen habe? fing ich heimlich seine Frage auf – O ja! Margots Jugend blühte einem noch reichlichern Erntefeste entgegen – Klärchen konnte die Augen noch sittsamer niederschlagen, ohne dass sie mich in April schickte – und o mein Gott! vollends Agate – aber wie kann der ehrliche Mann ein unschuldiges Mädchen – gleich einem Sklavenhändler zu Tunis, so in's Gesicht loben! Die Kleine konnte vor Verlegenheit kaum atmen, ob sie schon an solche Ausstellungen einigermassen gewöhnt schien. Ich fühlte immer mehr Mitleiden mit ihrer beleidigten Bescheidenheit, je länger ich das bängliche Steigen und Sinken ihres mousselinenen Halstuchs verfolgte. "Nun, lieber will'm," weckte mich endlich Jerom aus meiner tiefen Betrachtung, "du willst ja ein Physiognomist sein; errätst du noch immer nicht?" – – – "Was soll ich denn erraten?" staunte ich schweigend bald ihn, bald die rätselhafte Blumenhändlerin an. "So wisse denn," zog er mich nach einer peinlichen Weile, durch die er meine Zweifelsucht von vorgestern nur zu sehr bestrafte, aus meiner lächerlichen Ungewissheit, "dass unter dieser jugendlich kostbaren Hülle – erröten Sie nur nicht zu sehr, gutes Kind – ein noch grösserer Vorzug verborgen liegt, der nicht für so national, als jene, sondern für eine, unter unserm Horizont ganz unerhörte Seltenheit gelten muss – eine – warum wirst du so unruhig, will'm? – eine ländliche Muse, eine holländische Improvisatorin." – "Du willst scherzen," zischelte ich ihm mit ganz sonderbar beklemmter Brust in's Ohr. "Nichts weniger," antwortete er laut. "Du hast doch Pergament und Bleistift bei dir? Nicht wahr, liebe Emilie, Sie erlauben diesem ungläubigen Herrn, die probe mit Ihnen zu machen?" Diesen Ausgang hatte das schöne Landmädchen vermutlich besser vorausgesehen, als ich. Daher ihre vorige schamhafte Verlegenheit und ihr jetziges freundliches Nachgeben. "Ich würde es nicht wagen," stotterte sie in angenehmer Verwirrung – "meinen Waldgesang einem Ohre vorzutönen, das durch grosse Virtuosen so verwöhnt ist, als ein deutsches – aber mein Arzt, mein Beschützer, verlangt es, und ich bitte Sie, mein Herr, mir ein beliebiges Tema anzugeben, aber ja nur eins, das mir nicht fremd ist, und keinen Tiefsinn verlangt." "Nun bei Gott!" – erwiderte ich und schlich in der tasche meiner Schreibtafel nach, "wenn es Ernst ist, so wüsste ich kein schicklicheres vorzuschlagen, als Ihr eigenes schönes Gewerbe, das für die phantasirende Dichtkunst wie gemacht ist, mit einem freundlichen Hinblick," setzte ich scherzend hinzu, "auf Ihren ausländischen Zuhörer, denn er handelt auch mit Blumen und Früchten wie Sie." "Ja," fiel mir der ironische Jerom in's Wort, "nur mit dem Unterschied, dass die seinigen Sprösslinge einer verdorbenen Einbildungskraft und in den österreichischen und andern ehrbaren Staaten Konterband und verboten sind." Das unschuldige Landmädchen stutzte und ich war höchst ungehalten auf den Schwätzer, der jedoch auf das artigste wieder einlenkte. "So sprechen wenigstens," lächelte er, "geschworne Fiskale – verunglückte Spediteurs verlegener und im Preis gefallener Spezereien – Krämer, Höker und Aufkäufer, die gern den Alleinhandel auf dem Markte mit geschmacklosem Konfekt und dürrem Obste forttrieben und schelsüchtig ihren alten Kunden nachblicken, wenn sie ihren prahlenden Magazinen vorbei, der natürlichen Gottesgabe zuströmen, die der junge Herr sich nicht einmal die Mühe gibt, etwa durch bezahlte Zettelträger auszurufen und anzupreisen, um ihnen Abgang zu verschaffen."
Ich wusste nicht recht, wie ich mit dem Redner dran war. Er traf zwar meine Gedanken so ziemlich, aber ich stehe doch nicht dafür, ob seiner fein gedrehten Erläuterung nicht eine neue Spötterei unterlag. Die kleine allerliebste Aktrice nahm jetzt eine ganz andere – recht malerische Stellung an. Nach der Bewegung ihrer niedlichen hände gegen die Strohkörbchen voll Erdbeeren, Schoten und frühzeitigen Pfirsichen – nach der Wendung ihrer bescheidenen Augen gegen die chinesischen Vasen mit Rosen und Hyacinten – und nach andern kleinen erlaubten Kunstgriffen zu urteilen, schien sie sich einen Schwarm Marktleute vorzustellen, von denen die meisten aus Leckerei, einige aus Neugier, die wenigsten aus eigentlichem Bedürfniss die Bude umringten. Aus ihrem Mienenspiel liess sich ohne Schwierigkeit erraten, dass sie die einen beizulocken, die andern zu entfernen, und wenn neidische Aufpasser darunter wären, ihnen im Vorbeigehen einen Kirschkern auf die