Freunde der Kunst zu seiner Bilderstürmerei? Er verschonte so wenig die Unschuld der Batseba, als den trunkenen Lot mit seinen Töchtern, von van der Werft – weder Rubens fleischige Grazien, noch die schlankesten badenden Nymphen von Albano – liess von seinem Kabinetsmaler alle akademische Nuditäten in der väterlichen Verlassenschaft, je reizender sie waren, desto eher, aufs neue grundiren und erbaulichere Figuren darauf setzen. Nun sah es freilich kein Mensch dem König David mit der Harfe, den Prinzessinnen des Hauses, oder andern Familien-Portraits an, was hinter ihnen steckte, und der Teufel konnte sein Spiel so wenig damit treiben, als der Herzog selbst, denn er starb ohne Kinder.
Meinen armen Zeichnungen wäre es, wie gesagt, nicht besser ergangen, hätte es nur ohne Nachteil des Zusammenhangs so leicht geschehen können, als in jener fürstlichen Bilderkammer.
Aber St. Sauveur, der sie aus dem Feuer riss, liess seine, zum Versuch des Ausbesserns erhobene Hand so gut sinken, als Jerom, der mir mein Portefeuille nach dreitägiger Durchsicht mit einer Erklärung so eben wieder zurück gebracht hat, die i ch lieber verschwiege, wenn ich etwas zu verschweigen gewohnt wäre. "Hier, will'm," trat er mit einem Lächeln, das mir nicht gefiel, in mein Zimmer, "hast du deine – wie du sie zu nennen beliebst, – Recepte wieder. Als Arzt weiss ich gar nichts damit anzufangen." – "Gar nichts?" fiel ich ihm in die Rede. "Das ist arg!" "Und als Philosoph," fuhr er ächt holländisch fort, "eben so wenig."
"Gieb dein Werk aus, für was du willst, nur nicht für ein moralisches Vehikulum – dazu ist und bleibt es verdorben. Das wenige Gute, was hier und da darin, gleich Waizenkörnern unter Spreu, verstreut liegt, würde keine Hand voll dienlicher Aussaat betragen, wenn man sich auch die undankbare Mühe geben wollte, sie von ihrem Unrat zu sichten. Und wem könnte am Ende auch wohl auf einem Erdstrich, der von Kultur so strotzt, wie dein Vaterland, mit solch einer Kleinigkeit gedient sein?" Ich runzelte die Stirn und schlug die Augen zu Boden. "Deine Offenherzigkeit," fuhr er nach einer zwar kleinen, aber doch immer sehr demütigenden Pause fort, "und die Wahrheit deiner Ohrenbeichte, ob sie schon der neugierigste Sündenerforscher weniger treu wünschen würde, verdient indess –" ich schöpfte wieder Atem – "einige Schonung. Es steht vielleicht zu hoffen, dass sie manchen Verstockten, der sich vor Priestern und Leviten weiss brennt, zum erstenmal schamrot mache – Gott gebe, dass es nur nicht auch in weiblichen Engeln das Blut hebt! – und diess ist beinahe das einzige, was mich abhält, auf gänzliche Unterdrükkung deiner buntscheckigen Selbstbekenntnisse zu stimmen. Möglich auch, dass sie andere, der Sittlichkeit noch schädlichere Schriften – sophistische Romane – kasuistische Betrügereien – aus den Lesezirkeln verdrängen, und so kann man freilich nicht wissen, ob du nicht zufällig der Welt wohl gar noch einen Ritterdienst leistest."
"Die scharfe Lauge, welche Kunstrichter," setzte er ironisch hinzu, "über den Verfasser ausgiessen werden, soll es übrigens wohl verhindern, dass dieser nützlichen Tagebücher nicht zu viele entstehen, denn ihre Vervielfältigung könnte leicht ein anderes Unglück anrichten, das den, ohnehin zweideutigen Wert des deinigen weit überwöge, nämlich" – ich horchte hoch auf – "dass leichtsinnige, kurzsichtige Jünglinge die Fehltritte, deren du auf deiner paarmonatlichen Reise so viele begingst, und unbefangener, als nötig war, eingestehst, für den, allen vernünftigen Menschen gewöhnlichen Fortgang zur erkenntnis hielten, und aus Furcht, eine Ausnahme zu machen, immer weiter von der rechten Strasse abkämen." Ich war heilfroh, dass der liebe Strafprediger abgerufen wurde, aber er kam nur zu bald, und zugleich auf seinen verlassenen Text wieder zurück. "Da haben wir," warf er ingrimmig seinen Hut in die Ecke, "die Folgen eines unbewachten Lebens in terminis. Eben komme ich von dem Bette des Elends eines jungen Mannes, der mit der langwierigsten aller Todesarten – mit der Schwindsucht kämpft, und Vergehungen an der wohltätigen natur mit der Rückendarre büssen muss. Wehmütig hängen seine hohlen – an den grossen blauen, tränenden Augen einer ihm seit kurzem unverdient zu teil gewordenen liebenswürdigen Gemalin, deren Umarmung ich ihm als einen Meuchelmord untersagt habe, durch den er die Schuld seiner Selbstentleibung – es ist schrecklich zu denken – noch in der Verwesung bis zum Greuel seines Andenkens vergrössern, und über seinen Grabhügel eine Saat von Nesseln verbreiten würde."
"Die einst so frischen Bilder seiner, der Wollust geopferten Tage umgaukeln jetzt als verzerrte Masken sein Lager, und jene grausamen Spielwerke seiner tändelnden Hand – jene der Unschuld abgelockten Schleier, fallen jetzt, als so viele drückende Leichentücher, über sein brennendes Haupt. Bange, schlaflose Stunden treten an die Stelle verlaufener flüchtiger Freuden, und verkümmern ihm, gleich unbarmherzigen Gläubigern, die Schlussrechnung seines vergeudeten Lebens. ärzte, Philosophen und Priester stehen niedergeschlagenen Gesichts vor dem nach Beruhigung Aechzenden; denn welche Kunst und Wissenschaft vermöchte solch ein Verschmachten – diese Seelenangst – diess Grausen vor der Zukunft zu heben?" "Halt ein, lieber Jerom," unterbrach ich ihn, "solche schauderhafte Gemälde kann nur ein Arzt, wie du, kann nur ein Zergliederer entwerfen, der eines schneidenden Messers gewohnt ist." "Nein," erwiderte er,